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Neue Höchstspannungs-Trasse : Mildstedter unter Strom

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach den Plänen der Firma Tennet soll die 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung über den Naturerlebnisraum führen – das erntet Kritik. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter wurde heftig darüber diskutiert. Der Planungsausschuss soll sich mit dem Thema befassen.

Die umstrittene 380-KV-Höchstspannungsleitung, die von der dänischen Grenze nach Brunsbüttel führen wird, war wieder einmal Thema in der Gemeindevertretung von Mildstedt. Denn die Kommune wird von der Stromtrasse, die die durch Wind erzeugte Energie in die Ballungsräume im Westen und Süden Deutschlands bringen soll, tangiert. Vertreter der Tennet, der niederländischen Firma, die die Trasse bauen soll, informierten über den von ihnen favorisierten Verlauf. Er führt am Ostrand der Gemeinde vorbei, unmittelbar am Naturerlebnisraum Mildstedter Tannen, und folgt in Teilen der bestehenden 110-KV–Leitung. Weiter nördlich geht es mit Abstand an Rosendahl vorbei. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, auch die Gemeinde ist in dem Verfahren gefragt.

Vor genau einem Jahr war der Tennet-Vertreter Dr. Bernd Brühöfner bereits einmal vor Ort gewesen. Brechend voll war der Saal damals, 22 Einwohner waren diesmal dabei. Damals wie heute hatte der Tennet-Mann seine Fachleute mitgebracht: Egle Milasauskaite (Planungsbüro GFN Kiel), Frank Pietz (imp) und Stefanie Manitz (Firma Eisenmenger). Die optische Darstellung der geplanten Trasse war allerdings nicht optimal, der mitgebrachte Beamer funktionierte nicht, und auf der vom Amt besorgten Leinwand war nicht alles zu erkennen.

Während vor einem Jahr noch nicht klar war, wo die Trasse entlangführen sollte, sorgte der konkrete Vorschlag diesmal für eine intensive Diskussion, die weit über eine Stunde dauerte. Brühöfner machte deutlich: „Wir können auch sehr eng am Gartenzaun entlanggehen. Das wollen wir nicht. Wir wollen einen 200-Meter-Abstand einhalten. Aber immer schaffen wir das nicht.“ Hinsichtlich der bereits bestehenden 110-KV-Leitungen machte Gemeinderat Hans-Dieter Emmel (CDU) seinem Ärger Luft: „Vielleicht könnte man vorhandene besser koordinieren.“ Die Vertreter der Tennet versicherten, den Landschaftsschutz im Auge zu behalten. Sie seien bereits vor Ort gewesen. „Wir werden als Verhandler auch an die jeweiligen Eigentümer herantreten“, versicherte Stefanie Manitz. Schnell wurde deutlich, dass niemand einen Leitungsmast in seiner Nähe haben wollte. So sagte Landbesitzer Johannes Schwarten: „Ich bin nicht gegen die Leitung – aber sie muss nicht bei mir mitten auf die Koppel.“ Gemeindevertreter Hans-Peter Henkens (SPD) wollte wissen, wie die Entschädigung berechnet würde. Brühöfner verwies auf Einzelgespräche.

Ein Rosendahler Anwohner erinnerte: „1980 hat man uns die 110-KV-Leitung über der Garten gezogen. Angeblich, weil der Wald sonst eingeht. Warum wollen Sie jetzt eine Leitung dort über den Wald des Naturerlebnisraumes hinweg – warum gehen Sie nicht weiter östlich entlang?“ Dazu Egle Milasauskaite: „Wir haben den Trassenverlauf anhand zahlreicher Aspekte gewählt, worunter sich auch das Thema Anwohner befand.“ Vize-Bürgermeister Dirk Krause wollte wissen, ob es rechtliche Probleme gäbe, wenn die Trasse weiter östlich verlegt würde. „Je länger die Leitung rausgeht, je mehr Eigentümer sind betroffen.“ Sofortiger scharfer Zwischenruf von Michael Joecks: „Das wissen Sie doch gar nicht. Vielleicht wohnen da sogar weniger.“ Erneute Kritik eines Einwohners: „Wie zahlen Sie die Entschädigung? Für einen Einmalbetrag kann ich meine Seele nicht verkaufen.“ Vorgesehen sind aber einmalige Entschädigungen.

Eine erhöhte Belastung befürchtete die ehemalige Gemeindevertreterin Sonja Jürgensen, „Wenn die 110 KV-Leitung und die 380 KV-Leitung gemeinsam an einem Mast verlaufen – dann errechnen sich doch 490 KV.“ Dazu Frank Pietz: „Das kann man so nicht sagen.“ Am Ende der Diskussion sagte Bürgermeister Bernd Heiber (SPD): „Wir werden hier zu keinem Ergebnis kommen und im Kommunal- und Umweltausschuss beraten. Und dann die Einwohner informieren.“

 

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