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Große Resonanz auf Protest-Aktion : Milchbauern sorgen sich um ihre Zukunft

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Winnert haben zwölf Landwirte große Info-Protestschilder an den Ortsein- und -ausgängen aufgestellt. Berufskollegen aus ganz Deutschland begrüßen die Aktion gegen den niedrigen Milchpreis, die Resonanz ist gewaltig.

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erstellt am 25.Aug.2015 | 07:00 Uhr

Noch gibt es in der Gemeinde Winnert zwölf Milchviehbetriebe, einer davon ist der von Lars Reimers. Der 35-Jährige führt ihn noch gemeinsam mit seinem Vater als GBR, doch in zwei Jahren wird er wohl allein die Verantwortung für den Hof übernehmen. Allerdings weiß er nicht, ob dann die Fortführung des Hofes wirtschaftlich lohnend sein wird. Denn bei den gegenwärtigen Milchpreisen steht es um die Zukunft der Milchviehwirtschaft nicht gerade rosig. Das sehen übrigens auch die anderen elf Landwirte aus Winnert so. Aus einer abendlichen Diskussionsrunde über die Lage entstand eine spontane Aktion. Übergroße Schilder wurden gemalt und aufgehängt. Sie weisen an den Ortsein- beziehungsweise -ausgängen des Dorfes von Winnert auf die prekäre Lage der Milchbauern hin.

Anders als in der Vergangenheit, berichtet Lars Reimers, ziehen diesmal alle an einem Strang. „Es ist egal, ob sie Mitglied im Bauernverband oder im Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) sind, allen ist der Ernst der Lage bewusst“, so Reimers. Kein Wunder, ist es doch bereits die dritte Milchkrise in nur sechs Jahren. Es gibt verschiedene Berechnungen, wie viel ein Landwirt erhalten müsste, damit dessen Betrieb rund läuft. „Aber, wer mit 35 Cent je Kilogramm nicht zurechtkommt, der dürfte bestimmt auch bei 40 Cent Schwierigkeiten haben“, sagt der Landwirt, der gegenwärtig 27 Cent für einen Liter Milch erhält.

Das sei auf alle Fälle zu wenig, um den Hof mit 40 Hektar Eigenland und zusammen 110 Hektar bewirtschafteter Fläche, vernünftig am Laufen zu halten. Insgesamt werden von Reimers 250 Tiere gehalten, darunter eben die 70 Milchkühe. „2007 haben wir einen großen Kuhstall gebaut, doch nach wie vor haben wir natürlich die Kredite zu bezahlen“, sagt er. Eine geplante Erweiterung wurde vorerst auf Eis gelegt. Eigentlich hatte Reimers vor, in die Erhöhung des Tierwohls zu investieren, doch dafür fehlt jetzt das Kapital. „Überall höre ich von Bauunternehmen, dass vielfach die Maschinen still stehen, da nicht mehr in Stallungen investiert wird“, sagt er. Zudem, so sein Berufskollege Arne Hansen aus dem Dorf, hätte bereits die nächstgelegene Schmiede zwei Gesellen entlassen müssen. „Und dieser Trend setzt sich doch fort, die Landwirte sind doch die Mororen im ländlichen Raum.“ Besonders wichtig ist ihm, dass auch wieder der Wert der Arbeit erkannt werde, „wir leisten eine ehrliche Arbeit“. Auch würden er und seine Berufskollegen gern viele Forderungen der Verbraucher zum Tierwohl und der Nahrungsmittelproduktion erfüllen, doch dazu müsse man investieren. „Und das geht bei diesem Milchpreis nicht.“ Überrascht waren er und Reimers von der großen Resonanz ihrer Aktion. Innerhalb kürzester Zeit seien bereits mehr als 20.000 Besucher auf ihrer Facebookseite gewesen.

Lars Reimers macht für die niedrigen Milchpreis nicht die Verbraucher verantwortlich, „es sind die großen Discounter, die sich gegenseitig unterbieten wollen. Dabei bleiben wir Bauern auf der Strecke.“ Und obwohl fast alle Meiereien Genossenschaften sind, also den Landwirten selbst gehören, macht Reimers ihnen auch keinen großen Vorwurf, sich dem Diktat der Discounter zu beugen. „Wenn sie einen Mindestpreis festlegen, dann kaufen die Discounter eben Milch im Ausland zu wesentlich günstigeren Konditionen. Damit ist uns dann auch nicht gedient, ein Teufelskreis.“

Reimers und seine Kollegen befürchten, dass bei einem weiterhin so niedrigen Milchpreis das Sterben der kleineren bäuerlichen Betriebe anhalten werde. Daher übe man in Winnert Solidarität, über die Verbandsinteressen hinweg. Eine Lösung, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist, hat Lars Reimers nicht, aber er hofft, dass er mit seiner Frau noch lange den Hof führen kann, obwohl sich sein Vater bereits Sorgen über die Zukunft des Sohnes macht.

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