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Leere Öltanks in Bredstedt : Mieter zwei Wochen ohne Heizung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Heizöltanks von fünf Wohnblocks in Bredstedt sind bis auf den den letzten Tropfen leer, und die Eigentümerin in Berlin ist für niemanden zu erreichen. Ein Fall für den Bürgermeister.

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erstellt am 23.Dez.2013 | 07:04 Uhr

Bredstedt | Einen trostlosen Anblick bieten die fünf Wohnblocks in der Bredstedter Broder-Lorenz-Nissen-Straße. Schäbige Fassaden, blinde Fenster, kaputte Türen, eine verwahrloste Außenanlage. Ein paar Gardinen verraten: Hier muss noch jemand hausen. In der Tat: Vier der insgesamt 66 Wohnungen sind belegt – noch. Denn auch die letzten Mieter haben jetzt die Faxen dicke. „Seit 14 Tagen sitzen wir hier ohne Heizung“, sagt Peter Lassen. Wir – das sind zwei Familien mit Kindern und zwei ältere Ehepaare. Die Tanks mit Heizöl sind bis auf den letzten Tropfen leer, und die Eigentümerin der Häuserblocks lebt in Berlin und ist nicht zu erreichen. Weder für Peter Lassen, der seit 2000 den Hausmeister-Posten inne hat, noch für den Bürgermeister der Stadt, noch für andere Anrufer.

„Ich hab’ ihr auch Faxe geschickt und unsere Notlage dargestellt, aber es kommt keine Reaktion“, berichtet der 65-Jährige. Er ist herz- und nierenkrank, hat gerade eine Hüftoperation hinter sich. Ein Wärmelüfter schafft ein erträgliches Wohnklima in der Stube. Von den Fenstern tröpfelt Kondenswasser. „Hier ist ja nichts richtig isoliert, und das Baumaterial ist das billigste vom billigen“, erklärt Lassen. Seine Frau Vera (53) zeigt den Schimmel im (fensterlosen) Badezimmer. In den Schlafzimmern der beiden 13 und 16 Jahre alten Töchter wächst der Schimmel munter in den Ecken und über den Fußleisten. „Da kann man einfach nicht ’gegen an lüften, und überstreichen nützt ja auch nichts“, sagt das Ehepaar resigniert.

Vor 32 Jahren, als Familie Steffen in den Block eingezogen war, war noch alles in Ordnung. Die Unterkünfte waren damals sogar so begehrt, dass „die Leute Sturm klingelten, wenn wir die Gardinen zum Waschen abgehängt hatten, weil sie meinten, die Wohnung wird frei“, erzählt Lassen. Eigentlich wollte die Familie nur übergangsweise bleiben, aber daraus wurden dann doch drei Jahrzehnte. Die Miete ist niedrig, die 96 Quadratmeter große Wohnung günstig geschnitten. Die Familie erlebte in der Zeit drei Eigentümer. Lassen: „Am Anfang wurde hier wirklich alles in Ordnung gehalten, aber inzwischen...“

Knut Jessen, Bürgermeister der Stadt Bredstedt, kann diese Aussage nur bestätigen. Die so genannten BGS-Blocks waren damals mit Landes- und Bundesmitteln als Bediensteten-Wohnungen gebaut worden. Bundesgrenzschutz-Beamte mit ihren Familien wohnten da, aber auch zahlreiche Lehrer. „Für viele meiner Kollegen waren die Blocks nach dem Studium ihr erstes eigenes Zuhause“, berichtet der pensionierte Schulleiter.

Als er gestern von der Not der Rest-Bewohner hörte, fackelte der Bürgermeister nicht lange, sondern handelte. Er rief bei der Firma in Husum an, die üblicherweise die Blocks mit Öl versorgt. Dort bekam er genau die Auskunft, die ihm auch Hausmeister Steffen mitgeteilt hatte: Sie hat Anweisung, nur zu liefern, wenn die Eigentümerin höchstselbst den Auftrag erteilt. Also bestellte der Bürgermeister 3000 Liter Öl. Die Rechnung geht an die Stadt Bredstedt. „Wir müssen dann sehen, wie wir das Geld wieder zurückkriegen“, so Jessen. „Aber es geht doch nicht, dass die Familien über Weihnachten in der Kälte sitzen.“

Der Tanklaster fuhr gestern nach am Nachmittag vor. Schon am Abend war es in den Wohnungen wieder angenehm warm, und die Kinder, die zu Verwandten und Bekannten in Obhut gegeben worden waren, konnten wieder nach Hause zurückkommen. Für Familie Lassen und die drei anderen betroffenen Mietparteien ist dies „ein ganz dolles Weihnachtsgeschenk im Voraus“.

Eine Stellungnahme der Eigentümerin war nicht zu bekommen – sie war auch für die Husumer Nachrichten nicht zu erreichen.

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