Aufräumarbeiten : Messi-Mieter hinterlassen Chaos in Bredstedt

Stinkender Abfall stapelt sich in den Gängen und Räumen.
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Stinkender Abfall stapelt sich in den Gängen und Räumen.

Maria Dunker und ihre Familie bleiben auf einem Berg an Unrat, Müll und Tierkot in einer völlig verdreckten Wohnung sitzen.

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20. Juli 2018, 07:00 Uhr

Bredstedt | „Die Kripo aus Niebüll war hier“, sagt Maria Dunker. „Die Beamten haben etwa eine halbe Stunde nach Drogen und dann nach einer Leiche gesucht.“ Grund für Letzteres war wohl der bestialische Gestank, der sich in dem Eckhaus in der Bredstedter Innenstadt verbreitet hatte. Fündig wurde die Polizei nicht. „Wir sind einem Hinweis von Frau Dunker nach eventuell vor Ort befindlichen Drogen gefolgt, haben aber nur eine stark verwahrloste Wohnung vorgefunden“, bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung einer der Beamten.

Somit war die Ursache für den Gestank – Ergebnis eines zweieinhalbjährigen Mietverhältnisses – geklärt. Für die Vermieterin Maria Dunker aus Drelsdorf aber bedeutet dies eine echte Katastrophe, mit deren Folgen sie lange wird kämpfen müssen.

Die ehemalige Küche ist mit Essensresten, leeren Dosen und Unrat völlig verdreckt. Fleisch und gefüllte Töpfe sind schon weggeräumt.
Bülck
Die ehemalige Küche ist mit Essensresten, leeren Dosen und Unrat völlig verdreckt. Fleisch und gefüllte Töpfe sind schon weggeräumt.

„Normalerweise übergibt man eine Wohnung ja besenrein“, sagt die 71-Jährige. Doch was die Hausbesitzerin nach Auszug ihrer letzten Mieter, die hier mir vier Katzen und einem Hund lebten, vorfand, lässt sich kaum beschreiben. Bei einem Rundgang durch das einst schmucke, zweistöckige Haus muss man gute Nerven haben: Tierkot in den WC-Räumen, Müll, leere oder noch halb gefüllte Dosen mit Tiernahrung, Berge dreckigen Geschirrs, verschmutzte Elektro-Geräte und Kleidung, zerschnittene Polstermöbel und viel mehr.

Zwei Kilogramm verfaultes Fleisch

„Es war einmal ein kleines, schönes Haus“, sagt Maria Dunker. Sie und ihre Helfer können jetzt nur in Anzügen und mit Mundschutz hier arbeiten. Zwei Kilogramm verfaultes Fleisch sowie Berge von verdorbenen Lebensmitteln – auch in Töpfen auf dem Herd – haben sie gleich am ersten Tag entfernt. „Aus dem oberen Stockwerk haben wir gestern insgesamt 20 Säcke mit Müll herausgeholt“, berichtet sie. Noch einmal so viele hat die Familie jetzt zusammengetragen, sie warten auf ihre Abholung. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. „Alleine würde ich das alles nicht mehr schaffen“, sagt die gelernte Kinderpflegerin und Diakonin aus Drelsdorf. „Hätte ich meine Söhne nicht, könnte ich das hier alles nicht.“

Einst war es eine Gaststätte. In den 1990er-Jahren hatten Maria Dunker und ihr im März verstorbener Mann das ungefähr 100 Jahre alte Haus gekauft. Hier hatte sie Kinder betreut, bevor sie dann aus Platzgründen nach Drelsdorf zog.

„Die Schlösser waren ausgetauscht“

Zum 1. Juli lief der Mietvertrag aus. „Der Sohn des Mieters rief uns an und bat um einen Aufschub von drei Tagen, weil noch einiges in Ordnung zu bringen sei“, berichtet Maria Dunker. Doch auch danach kam sie nicht in ihr Haus. „Wir hatten keine Schlüssel, die Schlösser waren ausgetauscht.“ Schließlich gelang es ihr doch, diese von den Ex-Mietern zu bekommen. Bis das Haus wieder hergerichtet ist, wird es dauern. Holzverkleidungen und Fußböden müssen heraus. „Wir werden sanieren und dann verkaufen. Vermieten werde ich nicht mehr.“

Auf dem WC ist der Boden mit Hunde- und Katzenkot, Toilettenpapier und Papprollen übersät. 
Bülck

Auf dem WC ist der Boden mit Hunde- und Katzenkot, Toilettenpapier und Papprollen übersät. 

 

Maria Dunker hat – und das ist die andere Seite der Medaille – ebenfalls mit dem Gesundheitsamt in Husum Kontakt aufgenommen. „Der sozialpsychiatrische Dienst war hier und wird sich jetzt mit der früheren Mieterin in Verbindung setzen.“ Die Mitarbeiter versuchen, Hilfestellung zu leisten und ohne erhobenen Zeigefinger eine Verhaltensänderung bei den Betroffenen zu bewirken. Auch das Veterinäramt ist wegen der Tiere informiert.

In dem Eckhaus gehen die Aufräumarbeiten weiter. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, sagt Maria Dunker. „Wir finden auch hierfür eine Lösung und gehen mit System vor. Wie Beppo, der Straßenkehrer aus Michael Endes Roman Momo: Stück für Stück, Raum für Raum.“

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