zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

11. Dezember 2017 | 02:11 Uhr

Messe-Kompromiss reißt tiefe Gräben auf

vom

Vernünftige Lösung oder Dolchstoß für Husum? Vereinbarung mit Hamburg sorgt für erregte Debatte der Stadtvertreter

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Husum | Das Thema Windmesse war ja eigentlich durch - unter einem gemeinsamen Dachverband mit der Hamburger Messe gibt Husum die internationale Schau schon ab 2014 an die Hansestadt ab und richtet als Ausgleich dafür von 2015 an nationale Windenergie-Veranstaltungen aus. Dennoch stand eine Debatte darüber gestern Abend noch einmal auf der Tagesordnung des Stadtverordnetenkollegiums. Und die Gräben wurden noch einmal sehr gründlich aufgerissen.

Messechef Peter Becker eröffnete den Reigen mit der Erläuterung der Hintergründe. Weiteres Wachstum wäre in Husum schwierig geworden, besonders im Hinblick auf den Brocken Offshore: "Das sind ganz andere Strukturen, andere Konzerne und andere Geldsummen." Das Verhalten der Hamburger sei zwar nicht die "feine englische Art" gewesen. "Mit der nationalen Messe haben wir jetzt aber die Chance, alle zwei Jahre mit 500 bis 600 Ausstellern den Inlandsmarkt abzudecken - das ist immerhin das Niveau der internationalen Messe von 2008." Und die regionale Wertschöpfung sei weiterhin gesichert - auch weil man mindestens zehn Jahre in Hamburg mitverdiene.

Dann begann die Aussprache, die doch nicht ganz so sachlich verlief, wie es sich Becker gewünscht hatte. Zwar beschränkte sich der erste Redner in Person von Peter Knöfler (SSW) noch auf Beifall für die Vereinbarung, die er einen "gelungenen Kompromiss" nannte und sich "Rückenwind aus Hamburg" erhoffte. Doch dann war "der Werbeblock" vorbei, wie sich Siegfried Schulze-Kölln (FDP) ausdrückte, und der Ton wurde deutlich schärfer: Husum sei ein Messe-Standort "auf Abruf" geworden, und die Vorgehensweise der Hamburger "Staatsmesse des real existierenden Sozialdemokratismus" sei nicht dazu angetan, ihren Versprechungen künftig zu glauben, wetterte er. Helmut Stemke (WGH) schlug exakt in dieselbe Kerbe: "Das war ein rabenschwarzer Tag." Die Landesregierung habe sich nicht genug für Husum eingesetzt und "der von der Lösung begeisterte Herr Ilgen sorgt sich wohl mehr um das Image seiner Partei als um die Stadt." Auch Christian Czock (CDU) machte Kiel verantwortlich, verteidigte aber den Kompromiss als "vernünftige Lösung": "Hamburg hätte sich auch alles schnappen können."

Für die SPD beklagte Matthias Ilgen die "Dolchstoßlegende" und beschwor den Standort Norddeutschland als Ganzes. Auf Dauer hätte Husum die Konfrontation nicht gewinnen können. "Mehr war einfach nicht möglich." Irene Fröhlich (Grüne) schließlich machte aus ihrem Verdruss über den mit "immensen Risiken behafteten Kompromiss" kein Hehl und warf dem Messechef vor, die Politik zu spät informiert zu haben: "Das hätten Sie uns früher sagen müssen, als sich abzeichnete, dass die Messe 2014 nicht mehr sicher war. Dann hätten wir eine gemeinsame Kraftanstrengung mobilisiert!"

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen