Politik ist gefordert : „Menschen ohne Lobby“

Schlachthöfe im Land: Schwere Arbeit und prekäre Bedingungen für Werkvertrags-Beschäftigte.
Schlachthöfe im Land: Schwere Arbeit und prekäre Bedingungen für Werkvertrags-Beschäftigte.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Kirchen beleuchten im Breklumer Kolleg die prekären Arbeitsbedingungen von Werkvertrags-Beschäftigten in Schlachthöfen.

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08. Februar 2018, 14:00 Uhr

Sie schuften in Schichten bis zu 14 Stunden am Tag. Und wenn die körperlich schwere Arbeit endlich getan ist, hausen sie oft gemeinsam in größerer Anzahl in viel zu kleinen Unterkünften. Am Ende müssen etliche von ihnen dafür auch noch überhöhte Summen berappen, die vom gezahlten Mindestlohn abgehen. So stellt sich nach Kenntnis des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) die Situation von vielen Beschäftigten in Schlachthöfen in Schleswig-Holstein dar. Weil Stammbelegschaften drastisch verkleinert wurden, zerlegen in großen Schlachtbetrieben im Land nun überwiegend Rumänen das Fleisch – sie werden von Subunternehmen angeheuert und arbeiten per Werkvertrag.

Nachdem sich Anfang 2016 bereits der Landtag unter dem Motto „Lohndumping in Schlachthöfen verhindern!“ ohne durchgreifenden Erfolg mit der Problematik beschäftigt hatte, wird diese nun wieder in den Fokus gerückt. Am Sonnabend (17.) geht es von 10 bis 15 Uhr im Christian-Jensen-Kolleg in der Breklumer Kirchenstraße um das Thema: „Schlachthöfe in Schleswig-Holstein: Prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen der Werkvertragsbeschäftigten“.
Veranstalter ist ein breites Bündnis aus Christian-Jensen-Kolleg, DGB Schleswig-Holstein Nordwest, Katholische Pfarrei St. Ansgar Itzehoe, Kirchlicher Dienst der Arbeitswelt (KDA) der Nordkirche und Kolping Husum. Erwartet werden hochrangige Branchenvertreter, Gewerkschafter und andere Experten sowie Vertreter verschiedener Fraktionen aus dem Landtag.

Ziel ist es, öffentlich ein Schlaglicht zu werfen auf eine Arbeitswelt, die heute weitgehend im Schatten liegt, und auch die Politik in die Pflicht zu nehmen, etwas an den Verhältnissen zu ändern. Das machen Susanne Uhl, Geschäftsführerin der DGB-Region Nordwest, und Kolleg-Geschäftsführer Friedemann Magaard, gegenüber unserer Zeitung deutlich.

„Das sind Lebens- und Arbeitsbedingungen, die keiner von uns akzeptieren würde“, sagt Magaard mit Blick auf die Beschäftigten mit Wanderarbeiter-Status. Für Kirche sei es deshalb wichtig, sich zum Anwalt für diese Menschen zu machen, die ihre Interessen selbst nicht vertreten könnten. „Sie sind tatsächlich ohne Lobby“, so Magaard.

Nach Aussagen von Susanne Uhl hat sich an der Situation trotz Selbstverpflichtung der Fleischwirtschaft, mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen, nicht wirklich etwas verändert. Und das Land habe sich in punkto Arbeitsschutz „seit Jahren nicht gekümmert“. „Die Kontroll-Institutionen versagen“, sagt Uhl mit Hinweis auf eine Kette von Verstößen. Und bei den Subunternehmen regiere das Prinzip Hire and Fire. Damit sich endlich durchgreifend etwas ändert, schlägt sie einen Branchendialog mit der Schlachtindustrie vor – angesiedelt bei der Landesregierung.


Näheres und Anmeldung: unter Telefon 04671/91120 oder per E-Mail unter info@christianjensenkolleg.de.

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