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Messe „Husum Wind“ : Nach Windstreit: Husum und Hamburg versöhnt

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Der Ärger war groß in Husum, als bekannt wurde, dass die „Husum Wind“ nach Hamburg sollte – ausgerechnet im Jubiläumsjahr. Doch der Unmut ist mittlerweile verflogen. Wind spielt in Husum noch immer eine große Rolle.

Husum | Eigentlich hätte auf dem Husumer Messegelände in diesen Tagen Hochbetrieb herrschen müssen. Denn bald beginnt die internationale Leitmesse der Windenergiebranche, zu der mehr als 1000 Aussteller aus aller Welt erwartet werden. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2014 wird die Messe erstmals seit 25 Jahren nicht mehr im nordfriesischen Husum ausgerichtet, sondern im benachbarten, großen Hamburg. Und so herrscht an diesem Tag Mitte September eher geschäftige Ruhe in und um die Messehallen am Rande Husums. Messechef Peter Becker ist dennoch guter Dinge. „Wir haben einen wirtschaftlich guten Vertrag schließen können“, sagt er.

Rückblende: Im Frühjahr 2013 wurde der jahrelange „Windmessenstreit“ zwischen Hamburg und Husum beigelegt. Die Messegesellschaften beider Städte richten nun gemeinsam die internationale Leitmesse aus, allerdings am Standort Hamburg. In Husum wird im Gegenzug in den ungeraden Jahren eine Messe mit Fokus auf den wichtigen deutschsprachigen Markt ausgerichtet. Der Vertrag läuft zunächst auf zehn Jahre.

Branchenvertreter begrüßten die Lösung. In Schleswig-Holstein und gerade in Husum kam die Lösung nicht überall gut an; von Ausverkauf und Verrat war die Rede. Denn bis dato hat Husum die international führende Windmesse allein ausgerichtet. Doch die Hamburger Messe kündigte 2011 mit Unterstützung aus der Industrie eine zeitgleiche internationale Schau an, warb auf der Husum Wind 2012 unverhohlen für ihre Konkurrenzveranstaltung.

„Natürlich ist man nie glücklich darüber, wenn man die größte Messe in einem Bereich abgeben muss, aber sonst hätte es zeitgleich eine Konkurrenzveranstaltung gegeben“, sagt Becker. „Und das hätte dem Standort Husum nicht geholfen.“ Befürworter einer Messe in Hamburg argumentierten unter anderem mit der fehlenden Verkehrs- und Hotelinfrastruktur in Husum, dem provinziellen Image. Argumente, die Husums Messechef noch immer nur begrenzt geltenlassen mag. Vom Hamburger Flughafen braucht man zum Messegelände in der Stadt genauso lange wie nach Husum, sagt er. „Aber es wird anders empfunden.“ Da könne man irgendwann nicht mehr gegen an argumentieren.

Und das ist wohl auch in der Region angekommen. „Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt“, sagt Husums Bürgermeister Uwe Schmitz. Die Proteste im vergangenen Jahr hatten aber auch einen erfreulichen Hintergrund, findet der Bürgermeister: Die große Identifikation mit der Messe und der Windbranche. Dass die Windenergieunternehmen, die wie Vestas ihren Sitz in Husum haben, abwandern, glaubt Schmitz nicht. „Warum sollten Unternehmen ihren Firmensitz aufgeben, nur weil eine alle zwei Jahre stattfindende Messe mittlerweile 150 Kilometer weiter südlich stattfindet“, sagt er. „Bei diesem, zugegebenermaßen nicht immer ganz einfachen Markt spielen ganz andere Faktoren eine große Rolle.“

Und auch Hotels und Gastronomie in der Stadt litten seines Wissens nicht spürbar unter dem Wegfall der Veranstaltung. „Ich gehe davon aus, dass Husum während der nationalen Windmesse im Herbst 2015 genauso ausgebucht sein wird, wie sonst bei der internationalen Messe.“ Im Umland könnte allerdings etwas weniger los sein, wenn weniger Gäste kämen.

Bisher werden für die nationale Windmesse im kommenden Jahr rund 500 Aussteller und bis zu 30.000 Fachbesucher erwartet. „Wir sind schon exzellent gebucht“ sagt Becker. Es lägen bereits Hunderte Anmeldungen vor und auch die Fläche sei bereits zu mehr als der Hälfte vergeben. „Ich bin sehr guter Dinge.“ Werbung machen kann die Messegesellschaft für die Veranstaltung auf der internationalen Schau in Hamburg und auch in Husum – am 14. Oktober bei einem Empfang unter anderem mit Ministerpräsident Torsten Albig zum 25-jährigen Husum-Wind-Jubiläum.

Die Zukunft des Messestandorts sieht Messechef Becker jedenfalls gesichert. Um die Messehallen und Veranstaltungssäle zu füllen, werden ständig neue Projekte ausprobiert. Ende Oktober treffen sich beispielsweise Computerspieler aus ganz Deutschland zur ersten „Nordic Game Convention“. Für rund 250 Spieler gibt es Plätze – im kommenden Jahr sollen es schon 1500 sein. „Uneingeschränkt ja“, sagt auch Schmitz auf die Frage nach der Standortsicherheit – verbunden allerdings mit dem Hinweis, „dass 'langfristig' im Messegeschäft sicherlich anders zu definieren ist als im 'Beamtenverhältnis auf Lebenszeit'“.

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erstellt am 19.Sep.2014 | 16:27 Uhr

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