Duo Wingenfelder in St. Peter-Ording : Melancholie und Freiheit am Meer

Ein kleines Studio im Hotelzimmer: Thorsten (l.) und Kai Wingenfelder nehmen ein Lied auf.
Ein kleines Studio im Hotelzimmer: Thorsten (l.) und Kai Wingenfelder nehmen ein Lied auf.

Die Wingenfelder-Brüder arbeiten in St. Peter-Ording am neuen Album. Sie probten dort bereits für Fury in the Slaughterhouse.

shz.de von
26. Januar 2018, 07:00 Uhr

„Das Meer ist großartig, das öffnet in einem etwas“, sagt Kai Wingenfelder (51), Sänger von Fury in the Slaughterhouse. Dabei blickt er aus dem großen Panorama-Fenster im vierten Stock des Strandgut Resort auf Strand und Nordsee vor St. Peter-Ording. In dem Zimmer arbeitet er gemeinsam mit seinem Bruder Thorsten Wingenfelder (58) und dem Produzenten Jan Löchel (43) an dem neuen Album „Sieben Himmel hoch“. Allerdings nicht für Fury in the Slaughterhouse, sondern für das Duo-Projekt der Wingenfelder-Brüder.

In jeder Ecke des Hotelzimmers steht Musik-Equipment: An der Wand lehnen Gitarren, daneben steht eine Snare-Drum und ein Mikrofon, auf dem Schreibtisch ein Computer. „Damit können wir hier im Prinzip Lieder vollständig aufnehmen und abmischen“, erläutert Thorsten Wingenfelder. Dennoch gehen sie für die finalen Aufnahmen mit optimaler Tonqualität ins Studio „und um das Schlagzeug einzuspielen, das können wir hier nicht machen, das wäre zu laut“. Über die nächtliche Gitarrenmusik und die Gesangseinlagen habe sich aber noch niemand beschwert.

In St. Peter-Ording haben sie sich eingemietet, um Lieder zu schreiben und Stücke zu arrangieren. „Die Stimmung der Nordsee im Winter ist etwas Besonderes, melancholisch und lonely“, schildert Kai Wingenfelder. Am Abend zuvor haben sie ein ruhiges Stück aufgenommen, nur mit einem Mikrofon für Gesang und Gitarre. Da passe dann alles zusammen: Nur zu Dritt in dem Raum, der Blick nach draußen in die Ferne. „Heute Abend ist eine harte Brettnummer dran, mal sehen wie das läuft“, sagt er und lächelt verschmitzt.

Auch ein ganzes Lied ist hier in den vergangenen Tagen entstanden. „Nur das erste Textfragment zu dem Song hatten wir schon in Mallorca“, sagt der ältere Wingenfelder. Sie waren dort fürs Inselradio und hatten den Aufenthalt als Gage bekommen. „Die Liedfragmente, das waren drei Dateien, waren auf einem Handy gespeichert, das ist dann heruntergefallen und kaputt gegangen“, berichtet sein Bruder. Selbst einem Fachmann sei es nicht gelungen sämtliche Daten wiederherzustellen. „Nur ein Teil war noch da.“

Dass sich die Brüder im Hotel in St. Peter-Ording eine Bleibe suchen, um musikalisch zu arbeiten, ist nicht das erste Mal. Auch zu den Proben zur „Little Big World – live & acoustic“-Tour mit ihrer Band Fury in the Slaughterhouse hatte es sie im Oktober an die Nordsee gezogen.

Im Herbst geht das Duo mit Band als Wingenfelder auf Tour. Start ist am 20. September in Worpswede, Niedersachsen. Tags darauf stehen sie in Kiel auf der Bühne. Sie sind fast zwei Monate unterwegs. „Nur wenn Herbstferien sind machen wir Pause. Damit auch Zeit für die Kinder ist“, sagt Kai Wingenfelder.

Die Zwei machen seit über 30 Jahren gemeinsam Musik. Zehn Jahre davon haben sie sich sogar eine Wohnung geteilt. „Und trotzdem haben wir uns noch lieb, obwohl nicht alles immer kuschelig ist. Bei der Arbeit am Album gibt es schon Mal kleine Uneinigkeiten, die dann aber auch schnell beigelegt sind“, erzählt Kai Wingenfelder.

Auch mit Jan Löchel arbeiten sie bereits länger zusammen. „Zwischen uns passte es vom ersten Moment an.“ Löchel tourte mit Henning Wehland als Duo Les Sauvignons und war Berater von Team Boss Hoss bei der Casting-Show The Voice of Germany.

Zum Abschluss ihrer Zeit in St. Peter-Ording steht bei den drei Musikern eine Tour auf die große Sandbank auf dem Plan, um die raue Nordsee nicht nur zu sehen, sondern auch mal zu spüren.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen