Golfplatz "Husumer Bucht" : Mekka der Mückenforschung

Mit Hilfe von Kohlenstoffdioxid werden die Stechmücken angelockt. Foto: Herbert Müllerchen
Mit Hilfe von Kohlenstoffdioxid werden die Stechmücken angelockt. Foto: Herbert Müllerchen

Projekt auf dem Golfplatz soll helfen, mehr über die Ausbreitung der kleinen Säuger zu erfahren

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20. Juni 2012, 08:04 Uhr

Husum | Auf dem Gelände des Golfplatzes "Husumer Bucht" wird fortan nicht mehr nur Sport betrieben. Ab sofort gibt es hier auch ein Forschungsprojekt. Die Junior-Rancher der Nationalparkverwaltung, Schüler des fünften Jahrgangs der Husumer Theodor-Storm-Schule, haben dazu unter Leitung von Prof. Dr. Sven Klimpel ein Mückenfallnetz aufgestellt. Klimpel kommt von der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt. Er ist dort für den Fachbereich Biodiversität zuständig und die Storm-Stadt nunmehr nördlichster Punkt des bundesweiten Projekts.

Angezogen werden die auf dem Golfplatz vorkommenden Stechmücken mit Hilfe einer sogenannten Sentinel-Falle, in der Kohlenstoffdioxid als Lockmittel eingesetzt wird. "Dieses Gas entsteht, wenn Säugetiere ausatmen und wird daher von Stechmücken automatisch mit potenziellen Stech-Opfern assoziiert", erklärt der Mückenexperte den jungen Wissenschaftlern. Mit einem Ventilator werden die Mücken dann in ein Netz gesaugt.

Den Schülern wurde die Aufgabe übertragen, die Forschungsstelle im zweiwöchentlichen Rhythmus zu kontrollieren und die gefangenen Tiere einzusammeln. Zudem müssen die jungen Forscher den Prozess dokumentieren. "In der Schule kommen die Mücken dann ins Gefrierfach, bevor sie zum Forschungszentrum von Prof. Klimpel geschickt werden", erläutert Klassenlehrerin Silke Westphal. Mit Hilfe des Vorhabens, das schon bald auf Europa ausgeweitet werden könnte, soll ein Mückenatlas erstellt werden. Dabei gehe es hauptsächlich um das Thema Stechmücken und Krankheitserreger. Gefangen werden die Mücken übrigens im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts "Vorkommen und Vektorkompetenz von Stechmücken als Überträger von Viren in Deutschland".

Anhand der Fangdaten wollen Wissenschaftler in der Mückenkarte aufzeichnen, welche Arten wo vorkommen, und untersuchen, welche Krankheitserreger (Viren) sie in sich tragen, erläutert Klimpel. Dabei werde insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit sich Tropenkrankheiten, die durch Mückenstiche übertragen werden, auch in Deutschland ausbreiten könnten, erklärt der Gelehrte. Mit anderen Worten: "Husum wird in der deutschen Mückenforschung fortan eine zentrale Stellung einnehmen."

Höheres Ziel sei es, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln. Dafür wird das Frankfurter Biodiversität- und Klima-Forschungszentrum seit 2008 im Rahmen einer hessischen Landes-Offensive gefördert. Die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe-Universität in Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren in diesem Zusammenhang eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft, Ressourcen- und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben. Mehr dazu unter www.bik-f.de.

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