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Friedrichstadt : „Meine Hände haben nie geruht“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Immer voller Tatendrang: Käthe Hansen aus Friedrichstadt feiert heute ihren 100. Geburtstag.

Von den Wirren zweier Weltkriege über die Ära Adenauer bis hin zur Deutschen Einheit und die Kanzlerschaft von Angela Merkel: All diese Ereignisse kennt die Friedrichstädterin Käthe Hansen nicht nur aus Geschichtsbüchern – sie hat sie selbst erlebt. Sie hörte die Musik der Goldenen Zwanziger, freute sich über die Einführung des Frauenwahlrechts und fürchtete in mehrere n Weltwirtschaftskrisen um ihre Existenz. Heute wird Käthe Hansen 100 Jahre alt.

Am 19. Juli 1917 wurde Käthe Groß in Dellstedt in Dithmarschen als das jüngste von vier Kindern geboren. „Mein Vater war Kapitän und hat die ganze Familie häufig mitgenommen auf große Fahrt. Sogar am Nordcap waren wir“, berichtet sie. Ihr Vater transportierte damals Getreide in aller Herren Länder. Doch dann der Schicksalsschlag: „Bei der großen Inflation ist ihm dann das Geld weggelaufen. Mein Vater hatte sein altes Schiff gerade verkauft und wollte gleich am nächsten Tag ein neues in Holland erwerben. Aber da war das viele Geld in der Schatulle schon nichts mehr wert.“ Er sei niemals so richtig darüber hinweggekommen, so Hansen.

Nachdem sie 1932 konfirmiert wurde, ging die 15-jährige Käthe in Stellung und arbeitete in einem Haushalt in Dellstedt, später in Marne. 1938 verdiente sie ihr Geld als Zimmermädchen in Westerland auf Sylt. Im Krieg wurde die junge Frau dienstverpflichtet und arbeitete tagein-tagaus auf dem Feld. „Aber auf die Tasse echten Bohnenkaffee, die es am Nachmittag gab, habe ich mich immer gefreut“, sagt Käthe Hansen.

1948 half sie in Dellstedt gerade bei einem Bekannten aus, als der Kraftfahrer Claus Hansen dort Mehl anlieferte. Bei den beiden funkte es – und sie heirateten noch im gleichen Jahr. Claus war bei der Friedrichstädter Eidermühle angestellt, und so fand auch Käthe in der Grachtenstadt eine neue Heimat. Er brachte zwei Mädchen, Käthe einen Sohn mit in die Ehe. „Wir sind eine richtige Patchwork-Familie“, erklärt Tochter Heinke Rahn, die 1949 geboren wurde. 1956 kam dann weiterer Familienzuwachs. „Meine Herzschwester“, sagt die 67-Jährige. Denn eigentlich sei Edeltraut Jacobs ihre Nichte. Schwester Gerda musste damals viel arbeiten, so wuchs auch Edeltraut im Haushalt der Hansens auf. 1983 starb Claus Hansen. „Er war ein ganz toller Papa“, betont Heinke Rahn.

Auf die Frage, was denn ihr liebstes Hobby sei, antwortet Käthe Hansen: „Ich bin immer gern zum Bingo gegangen – da hab ich große Schinken gewonnen.“ Und auch das Tanzen sei ihre große Leidenschaft. „Zu Blasmusik, Mundharmonika und Schifferklavier. Und als der Krieg zu Ende war, haben wir auch vor Freude getanzt, das können Sie mir glauben.“ Doch ansonsten habe ihre Mutter viel und hart gearbeitet, so Rahn. „Ich war immer voller Tatendrang – meine Hände haben nie geruht“, sagt Käthe Hansen.

Jeden Tag besucht Heinke Rahn ihre Mutter im Haus Treeneblick, in dem diese seit sieben Jahren wohnt. Am Wochenende kommen die anderen Familienmitglieder, die auch heute dabei sind, wenn Käthe Hansen ihren ganz besonderen Geburtstag feiert. Angekündigt hat sich außerdem Bürgermeister Eggert Vogt, der die Hundertjährige schon seit Langem gut kennt. „Natürlich bin ich dabei, das lass’ ich mir nicht nehmen“, erklärt er. „Auch die Kinder aus der Kita sind mit von der Partie, sie singen unter dem Fenster ein Ständchen“, verrät die Tochter. Was sie sich wünsche? „Ich möchte Spargelsuppe essen“, antwortet Käthe Hansen. „Mit viel Spargel drin.“

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erstellt am 19.Jul.2017 | 09:00 Uhr

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