zur Navigation springen

Rückzug auf Raten : Mehr Zeit für Opas „Zuckerpuppe“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Peter Post gibt bei der Husumer Feuerwehr seinen Posten als stellvertretender Wehrführer auf, bleibt den Blaujacken aber erhalten. Nach 22 Jahren in leitender Funktion will sich der 57-Jährige mehr Freizeit gönnen.

von
erstellt am 23.Feb.2017 | 07:00 Uhr

„Nach der Biike ist vor der Biike“, sagt Peter Post und hat an diesem Tag tatsächlich alle Hände voll zu tun. Bald 22 Jahre ist er nun stellvertretender Wehrführer der Husumer Feuerwehr. Doch Ende März will der bald 58-Jährige ins zweite Glied zurücktreten – „aus persönlichen Gründen“, wie er sagt. Der Feuerwehr bleibt der Vater zweier erwachsener Töchter und Großvater einer Enkeltochter allerdings erhalten. Im Interview blickt Post zurück, aber auch nach vorn.

Was hat Sie bewogen, zur Feuerwehr zu gehen?

Opa war drin, Vater war drin, Onkel war drin. Meine Mutter hat immer gesagt: Geh’ zur Feuerwehr, da lernst Du was fürs Leben. (Lacht). Allerdings hat sie unterschlagen, das man da dauernd nachts raus muss. Nein, im Ernst, ich bin da familiär geprägt.

Was war das Schlimmste, was Sie in
22 Jahren Dienst erlebt haben?

(Überlegt.) Verkehrsunfälle. Wenn noch am Unfallort im Auto jemand stirbt – das ist mir mal ausgerechnet an meinem Geburtstag passiert. So etwas speichert sich natürlich ab.

Und wie sind Sie damit umgegangen?

Durch die Alteingesessenen sind wir schon früh mit diesem Thema vertraut gemacht worden. Und wenn etwas passierte, haben wir uns hinterher so lange zusammengesetzt, bis ausgesprochen war, was ausgesprochen werden musste. Es geht ja jeder anders um mit so einer Situation. Ich hab’ mir da ein persönliches Maß gesetzt: Wenn es mir länger als 24 Stunden durch den Kopf geht, dann stimmt was nicht.

Gab es auch etwas, an das Sie sich besonders gern erinnern?

Ich denke, das Schönste war, dass meine Mannschaft bis auf kleine Blessuren immer heil nach Hause gekommen und niemand ernsthaft verletzt worden ist. Da läuft mir noch heute ein Schauer den Nacken herunter. Es gab viele schöne Erlebnisse, aber das war das wichtigste.

Und warum hören Sie dann auf?

Aus persönlichen Gründen. Ich bin ja auch nicht weg, ich gehe nur in meine Stammgruppe zurück. Die 60 sind nicht mehr fern, und ich sag’s mal so: 2016 habe ich die Salami in 100 Stücke geschnitten und mir jedes davon sehr genau angeschaut und bewertet. Danach ist dann in enger Abstimmung mit den Kollegen und Wehrführer Jürgen Jensen die Entscheidung gefallen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, und für mich ist er jetzt gekommen.

Meinungsverschiedenheiten gibt es demnach bei der Feuerwehr nicht?

Ach, wissen Sie, natürlich gibt es hier und da mal Meinungsunterschiede, aber ich sag’ immer: Wenn der Melder geht, müssen wir alle an einem Strang ziehen und uns aufeinander verlassen können. Und so läuft das auch.

Diese Frage muss ich stellen: Wie steht es um das Verhältnis von Feuerwehr und Arbeitgebern. Wird immer verstanden, wenn die Kollegen wegen eines Einsatzes den Arbeitsplatz verlassen müssen?

Es gibt solche und solche Fälle. Das Schlimmste für einen Arbeitgeber ist der Betriebsstillstand. Aber andererseits kann es jeden treffen – auch ihn und seinen Betrieb. Ich bin ja im Öffentlichen Dienst und habe gute Kollegen. Deswegen kann ich immer weg. Anderswo sieht es natürlich anders aus. Das ist ein Thema, über das immer mal wieder gesprochen werden muss. Ich sag’ immer: Nicht der Arbeitgeber muss. WIR müssen. Auf das WIR kommt es an.

Und was kommt jetzt?

(Lacht.) Ach, ein Peter Post kann ja nicht still sitzen. Und das werde ich auch nicht tun, aber die Schwerpunkte künftig anders setzen. Seit einem Jahr sind wir glückliche Großeltern. Und unsere Enkeltochter ist Opas Zuckerpuppe. Für sie werde ich mir künftig auch mal eine Stunde mehr Zeit nehmen. Und ich möchte gern wieder Angeln gehen. Die Ausrüstung dafür steht seit Jahren unbenutzt auf dem Dachboden. Aber das heißt natürlich nicht, dass ich künftig fünf Tage die Woche am Teich sitze. Aber dann, wenn mir der Sinn danach steht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen