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Tag der Kinderbetreuung : Mehr Wertschätzung und Anerkennung

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am Tag der Kinderbetreuung wird am 12. Mai Erziehern und Kinderpflegern für ihr Engagement gedankt. Die Anforderungen an engagierte Kita-Mitarbeiter nehmen weiter zu, wie das Beispiel der Hattstedter Brückengruppe zeigt.

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erstellt am 12.Mai.2014 | 06:30 Uhr

Bilderbücher, Plastikbagger und Puppen – auf dem Fußboden des hellen Raumes verteilen sich die Spielsachen. Ein Paradies für Kinder. Schon auf dem Flur duftet es nach Frischgebackenem. Die Krippenkinder der „Brückengruppe“ haben mit ihren Betreuerinnen einen Kuchen für den gestrigen Muttertag gebacken. Einen Tag später aber sollen die Erzieherinnen selbst im Mittelpunkt stehen: Zum dritten Mal in Folge findet heute der Tag der Kinderbetreuung statt. Bundesweit wird den Hunderttausenden Erziehern, Tagesmüttern und Kinderpflegern mit verschiedenen Aktionen für ihr Engagement gedankt. Auch die Mitarbeiter der „Brückengruppe“ können wieder mit Überraschungen ihrer Schützlinge und deren Eltern rechnen.

„Pädagogische Fachkräfte sorgen dafür, dass wir Eltern Beruf und Familie vereinbaren können und leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag“, betont Oliver Tschoppe, Elternsprecher der „Brückengruppe“ und Vorstandsmitglied der Landeselternvertretung. „Dafür haben sie unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung verdient.“ Zumal die Anforderungen an sie enorm gestiegen seien.

Dies kann Jutta Gautsch, Leiterin der Hattstedter Kita, bestätigen. Seit fast 30 Jahren arbeitet die 49-Jährige als Erzieherin. Die Betreuungszeiten seien im Laufe der Zeit immer länger geworden, die Kinder immer jünger. „Der Bedarf ist enorm gewachsen, weil heutzutage oft beide Elternteile berufstätig sind.“ Auch veränderte Familienstrukturen hätten Auswirkungen auf ihre Arbeit. Gerade Alleinerziehende haben einen erhöhten Betreuungsbedarf. „Früher sind die Großmütter eingesprungen. Heute arbeiten die oft selbst noch oder leben woanders“, sagt die zweifache Mutter, die zusätzlich zur leitenden Tätigkeit jeden Tag im Gruppen-Frühdienst arbeitet.

„Ich will nicht nur im Büro sitzen. Der regelmäßige Kontakt zu den Eltern ist mir wichtig.“ Außerdem gehöre es für sie dazu, mit jedem Kind eine Beziehung aufzubauen. „Vieles hat sich im Laufe der Zeit geändert – Arbeitszeiten, Anforderungen, Rahmenbedingungen. Was sich nicht geändert hat, das sind die Kinder“, betont die Erzieherin mit einem Lächeln im Gesicht. Die seien immer noch neugierig, gut zu motivieren und erfrischend ehrlich.

Vor elf Jahren gründete die zweifache Mutter gemeinsam mit Kollegin Sabine Witte das Projekt „Brückengruppe“ in den Räumen der Jens-Iwersen-Schule. Erst war es nur eine Vormittagsgruppe mit Vorschulkindern zwischen fünf und sechs Jahren. Doch der Bedarf an Betreuung in Hattstedt wuchs. Es folgte die Ausweitung auf den Nachmittag sowie die Einrichtung eines Hortes für Schulkinder. Mittlerweile gibt es in der Nordseestraße fünf Gruppen. Dazu zählen noch zwei Krippengruppen für unter Dreijährige sowie die kleine Brückengruppe mit Drei-bis Vierjährigen. Von 6.30 bis 17 Uhr ist die Einrichtung geöffnet. 73 Kinder werden hier regelmäßig betreut. Aus zwei Mitarbeitern wurden 14, darunter auch ein männlicher Kollege. „Das ist eine Seltenheit, aber eine Bereicherung für unser Team“, erklärt Jutta Gautsch. „Der Kollege bringt nochmal eine andere Perspektive ein.“

Dass so wenig Männer in den Beruf streben, liege auch an der verhältnismäßig geringen Bezahlung, vermutet Jutta Gautsch und zieht einen Vergleich zum Lehrerberuf. „Die haben einen verantwortungsvollen Beruf und werden gut bezahlt. Wir haben die gleiche Verantwortung. Wenn ich aber sehe, was die Kollegen verdienen, schüttelt es mich“, sagt die Hattstedterin.

Dabei müssten Erzieher heute weitaus mehr können, als noch vor zehn Jahren. Das bekannte Vorurteil „ihr spielt nur mit Kindern“ sei vollkommen veraltet, so die Expertin. „Neben der Betreuung ist Bildung und Erziehung immer wichtiger geworden.“ Kindertagesstätten müssen sich nach sogenannten Bildungsleitlinien richten. Dazu gehört auch, Bereiche wie Mathe, Musik, Sprache und Kultur in die Betreuung einfließen zu lassen. Neben der Betreuung müssen Beobachtungen und Entwicklungen der Kinder dokumentiert werden. Auch die Elternarbeit habe sich erheblich ausgeweitet, so die 49-Jährige. Dadurch bleibe weniger Zeit für die Kinder. „Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, wie viel Zeit pro Kind zur Verfügung stehen soll“, kritisiert sie. Derzeit entscheiden die Träger darüber. „Bei uns hat jeder wöchentlich eineinhalb Stunden für Nach- und Vorbereitung - einige Mitarbeiter haben aber bis zu zwanzig Kinder in ihrer Gruppe.“

Ihre Berufswahl würde Jutta Gautsch dennoch immer wieder genauso treffen. „Das ist mein absoluter Traumberuf. Alles, was man investiert, kommt direkt beim Kind an und man erhält so viel Feedback und echte Emotionen zurück – von den Kindern und von den Eltern.“

Heute, am Tag der Kinderbetreuung, soll diese Wertschätzung noch einmal besonders intensiv ausfallen, hofft Oliver Tschoppe. Der Aktionstag sei zudem als Signal an die Politik und kommunale Träger zu verstehen: „Gerade in Nordfriesland sind die finanziellen Möglichkeiten begrenzt, aber es ist wichtig, nicht weiter bei der Kinderbetreuung zu sparen. Im Gegenteil.“

Weitere Infos und Tipps zum spontanen Mitmachen unter www.tag-der-kinderbetreuung.de

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