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Protest gegen Klinik-Schließung : Mehr Transparenz gefordert

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wegen der möglichen Krankenhaus-Schließung in Tönning wird eine Eiderstedter Delegation am Montag mit Landrat Dieter Harrsen sprechen.

Die Halbinsel Eiderstedt kämpft für ihr Krankenhaus in Tönning. Der Förderverein der Klinik hat eine Anzeigenaktion und eine Unterschriftensammlung gestartet und unterstützt eine weitere im Internet. Vertreter der Stadt und der Stadtvertretung, des Amtes Eiderstedt und des Vereins werden am Montagabend ein Gespräch mit Landrat Dieter Harrsen führen.

Das Klinikum Nordfriesland, das die Standorte Husum, Niebüll, Tönning, Wyk und Westerland umfasst und dessen Träger der Kreis Nordfriesland ist, ist in finanzielle Schieflage geraten. Ein Gutachter rät, umzustrukturieren und den stationären Betrieb in Tönning zu schließen. Diese Nachricht hat eine große Protestwelle auf der Halbinsel ausgelöst (wir berichteten).

Tönnings Bürgermeisterin Dorothe Klömmer geht mit einem ganz klaren Ziel in das Gespräch: „Wir brauchen endlich Transparenz. Uns als Standortgemeinde liegt das Gutachten zur Umgestaltung des Klinikums Nordfriesland nämlich nicht vor, nur einige Folien.“ Auch die Kreistagsabgeordneten hätten nach ihren Informationen nur einen Auszug erhalten. „Diese Ausgangslage macht es uns schwer, uns in die Thematik einzuarbeiten. Wir können nicht über das Ergebnis sprechen, wenn wir den Weg dahin nicht kennen“, erklärte sie auf Anfrage. So sei auch völlig unklar, wie sich das Defizit des Krankenhauses in Tönning berechnet. Es gebe keine klar abgegrenzten Kostenstellen. Und wie hoch sei es eigentlich? So sei in einem Papier von 730.000 Euro die Rede, dann habe der Landrat am Bürgerinfoabend in Tönning von 800.000 Euro gesprochen. Vor Monaten solle das Defizit noch deutlich niedriger ausgefallen sein. „Es stellt sich also die Frage, welchen Zahlen und Fakten stehen hinter dem Gutachten.“

Ferner müssten auch die Einnahmen einmal gründlich durchleuchtet werden, so Dorothe Klömmer weiter. Wie sehe es mit den Kostenfall-Pauschalen innerhalb des gesamten Klinikums aus? Es müssen alle Standorte betrachtet werden, nicht Tönning allein. „Wo kommen die Defizite her?“ Auch die Bedeutung des Krankenhauses in der Eider-Stadt werde am Montag angesprochen werden. Und natürlich könne es auch nicht sein, dass von einer Schließung gesprochen werde, ohne dass ein detailliertes Konzept für das angedachte Medizinische Versorgungszentrum in Tönning vorliege. Wer ist Träger, wie funktioniert die Finanzierung und wie sollen Ärzte akquiriert werden, wo es schon jetzt heiße, dass das im ländlichen Raum schwierig sei, fragt die Bürgermeisterin.

Auch der Vorsitzende des Fördervereins, Hans Jacob Peters, gleichzeitig Bürgermeister von Tating, fordert mehr Transparenz. Wie erkläre sich beispielsweise, dass das Klinikum 2014 400.000 Euro Minus gemacht habe und nun das doppelte? Vieles spreche für einen Erhalt: die gute Verkehrsanbindung, der Bahnhof sei nur wenige 100 Meter entfernt, das sehr gute Ärzte- und Pflegerteam und der sehr große Bedarf im ambulanten Bereich, beispielsweise bei Arbeitsunfällen. Peters hofft,dass sich bis zur Entscheidung im Kreistag im Februar noch viele Abgeordnete vom Erhalt überzeugen lassen.

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erstellt am 20.Nov.2015 | 17:18 Uhr

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