Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste : Mehr Sicherheit auf Nord- und Ostsee

Der Frachter «Glory Amsterdam» liegt in der Deutschen Bucht auf Grund. /Archiv
Der Frachter «Glory Amsterdam» liegt in der Deutschen Bucht auf Grund. /Archiv

Küstenkreise fordern Aufklärung über Einsatzkonzept des Havariekommandos

shz.de von
13. September 2018, 16:53 Uhr

Erneut hat sich die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewendet, um ihn zu weiteren Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit auf Nord- und Ostsee aufzufordern. Nach Meinung des Umweltverbandes hat die Havarie der „Glory Amsterdam“ vor einem Jahr vor der Küste von Langeoog gezeigt, dass einige Maßnahmen bereits vor Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes durch die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung durchgeführt werden sollten.

„Unsere Fachleute“, so schreibt der Vorsitzende der SDN, Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen, „haben aufgrund ihrer Kenntnisse der Abläufe Vorschläge erarbeitet, die es möglichst zügig umzusetzen gilt“. Dass die „Glory Amsterdam“ trotz bereitstehender Schlepperhilfe strandete, sei auf drei Hauptgründe zurückzuführen: auf mangelnde Kommunikation zwischen der Schiffsführung des Havaristen und der Einsatzleitung, auf die mangelnde Durchsetzung der angeordneten Notschlepphilfe und auf die mangelnde Ausbildung der Seemannschaft des Havaristen. Die Havarie sei zwar glimpflich verlaufen, aber damit könne man nicht immer rechnen, sagte Harrsen.

Nach Auffassung der SDN muss ein zeitgemäßes staatliches maritimes Unfallmanagement in den Einsatzkonzepten und Verfahrensanweisungen Maßnahmen vorsehen, um bei Verständigungsproblemen mit dem Havaristen frühzeitig die Kommunikation zu verbessern, etwa durch Absetzen eines Lotsen oder eines On-Scene-Coordinators des Cuxhavener Havariekommandos auf dem Havaristen. Die Piloten und Fachkräfte müssten Einsatzerfahrung besitzen. Sollte ein Havarist die angebotene Notschlepphilfe ablehnen, sei frühzeitig eine entsprechende schifffahrtspolizeiliche Anordnung zu erteilen und durchzusetzen.

Die SDN unterstreicht, dass das Notschleppkonzept der Bundesregierung richtig und sinnvoll sei. Es habe sich beim Havaristen bewährt, weil innerhalb der vorgesehenen Zeit ein geeigneter, leistungsfähiger Notschlepper am Einsatzort war. „Wir teilen daher die Kritik anderer nicht und möchten Sie ermuntern, das Konzept zu belassen“, schreibt die SDN dem Minister.

Die SDN und insbesondere ihre Mitgliedskreise an der Nordseeküste, die bei Katastrophenlagen direkt betroffen sind, wollen wissen, welches Vorgehen das Havariekommando in seinen Einsatzkonzepten festgelegt hat, um bei verschiedenen Lagen entsprechend zu reagieren. Zum Beispiel gehe es darum, welche taktisch-strategischen Maßnahmen in diesen Einsatzkonzepten bei unbotmäßigen Schiffsführungen von Havaristen vorgesehen sind.

Die SDN bittet Minister Scheuer, ihre Vorschläge vor der Veröffentlichung des Berichtes der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung umzusetzen, damit bereits jetzt – vor Beginn der Herbst- und Wintersturmlagen – die Gefahrenabwehr auf Nord- und Ostsee verbessert wird.

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