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Bund in der Pflicht : Mehr Nordseeschutz angemahnt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Einen besseren Meeresschutz fordert die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste. Die Nordsee-Anrainer werfen der Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene „erschreckende Sorglosigkeit“ vor.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 17:00 Uhr

Ineffektive Strukturen bei der Gefahrenabwehr auf See, nicht durchdachte Verkehrsregeln zwischen Offshore-Windparks, zu viel Müll in den Meeren: Deutliche Kritik am Koalitionsvertrag auf Bundesebene übte die Mitgliederversammlung der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN). „Wir haben unsere Diskussion in einer Stellungnahme an die Bundeskanzlerin und die Vorsitzenden der beiden Regierungsfraktionen zusammengefasst“, erklärte der wiedergewählte Vorsitzende des kommunalen Dachverbandes für den Schutz der Nordsee, Dieter Harrsen.

So fordert die SDN alle seegehenden Überwachungskräfte in einer Deutschen Küstenwache zusammenzufassen: Rund 15 Behörden nehmen mit eigenen Schiffen Aufgaben in der Nordsee wahr. An dieser Struktur ändere auch das Havariekommando nichts. Sie sei nicht geeignet, die Kontrolle und Überwachung des Seeverkehrs zu verbessern, Havarien zu verhindern sowie terroristische Angriffe unter Führung eines eingespielten Teams abzuwehren, so Harrsen.

Sorgen bereitet den Umweltschützern einer Mitteilung zufolge auch die Sicherheit in der Deutschen Bucht: Aufgrund der Offshore-Windparks muss der Schiffsverkehr in dem weltweit am stärksten befahrenen Meeresgebiet in schmalen Vorrangflächen konzentriert werden. Daraus ergäben sich neu Gefährdungen. „Wir brauchen größere Vorrangflächen, mehr Abstand zu den Windkraftanlagen und eindeutige Fahrregeln mit Autobahncharakter. Die übliche Rechts-vor-links-Regel wird absehbar zu Unfällen führen“, ist Harrsen sicher.

Trotz zahlreicher Verbote gelangen noch immer zu viele Abfälle in die See – mit verheerenden Folgen für die Ökosysteme. Gründe sind nach Ansicht der SDN-Fachleute die mangelhafte Überwachung der Schiffe und die meist kostenpflichtige Entsorgung in den Häfen. Die Küstenländer müssten dafür sorgen, dass die Entsorgungsgebühren überall vollständig in die Liegegebühren integriert werden.

Doch die EU-Kommission habe den Entwurf einer Hafenverordnung auf den Weg gebracht, die das genaue Gegenteil vorsieht: Alle Hafengebühren sollen so genau wie möglich aufgeschlüsselt werden und die wirkliche Nutzung widerspiegeln. Das sei kontraproduktiv, verursache Aufwand und koste mehr Geld, ohne der Umwelt zu nützen, kritisiert die SDN.
Das Augenmerk gilt auch der Nachwuchssicherung des nautischen Personals im öffentlichen Bereich, der Finanzierung der Ausbaukosten für den Nord-Ostsee-Kanal und der Qualität der Lotsendienste, die durch Privatisierungsbestrebungen der EU-Kommission gefährdet würden.

„Angesichts der zum Teil erschreckenden Sorglosigkeit von Politikern auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene in Bezug auf den Nordseeschutz wartet noch viel Arbeit auf die SDN als Lobbyorganisation der Küstenbewohner“, so Harrsen. Zum neuen SDN-Vorstand gehören außer ihm auch die Nordfriesen Rudolf-Eugen Kelch, Husum (Fachbereich Planung und Umwelt), Karl Petersen, Tönning (Küstenschutz) und der Vorsitzende der Insel- und Halligkonferenz, Manfred Uekermann.

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