Kreistag stärkt Integrationsarbeit : Mehr Geld für Sprachkurse in Nordfriesland

Sprachkurse der VHS Husum werden vom Kreis jetzt zusätzlich finanziell gefördert.
Sprachkurse der VHS Husum werden vom Kreis jetzt zusätzlich finanziell gefördert.

Der Kreis Nordfriesland bringt mit zusätzlichen Mitteln Schwung in die Integrationsarbeit der Volkshochschule Husum.

Avatar_shz von
18. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 36.900 Euro bringt der Kreis jetzt Schwung in die Abwicklung der Sprachkurse für Geflüchtete in Nordfriesland. Das beschloss der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung. Er folgt damit dem Vorschlag des Kultur- und Bildungsausschusses vom November und kommt damit dem Antrag der Volkshochschule (VHS) in Husum als größtem Anbieter der Lehrgänge entgegen. Deren Leiter Hans-Peter Schweger hatte im Sommer Unterstützung vor allem in den Verwaltungsabläufen beantragt (wir berichteten).

Mit dem Geld soll bei der VHS eine neue Stelle geschaffen und der Stundenrahmen einer bereits eingesetzten Kraft ausgeweitet werden. Die Finanzierung ist für das ganze Jahr 2018 zugesagt. Im Sommer soll ergründet werden, ob die Maßnahmen die Situation auch tatsächlich verbessert.

Geflüchtete, die bereits anerkannt oder noch im Asylverfahren sind, haben einen Anspruch auf die Teilnahme an einem Integrationskurs, der auf die individuellen Vorkenntnisse jedes einzelnen ausgelegt ist. In der Vorlage für die Kreispolitiker heißt es, dass die „defizitäre Schieflage im Verhältnis von Angebot und Nachfrage“ zu beseitigen sei. So seien zwischen Sommer 2016 und 2017 insgesamt 20 Kurse mit 560 Teilnehmern absolviert worden. Analphabeten unter den Geflüchteten warten aktuell eineinhalb Jahre auf spezielle Angebote, ein halbes Jahr warten jene, die direkt ohne den Umweg über die Alphabetisierung in Integrationskurse einsteigen könnten. Dafür gibt es nach Angaben des Kreises gleich mehrere Gründe: in fehlenden Dozenten für diese anspruchsvolle Aufgabe, in den vorgeschriebenen Kurslängen und in dem hohen administrativen Aufwand der VHS. Der Verwaltungsaufwand ergibt sich unter anderem aus den hohen Anforderungen, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge an die Abwicklung stellt. Die Regelungen ließen kaum Spielräume, betont jetzt der Kreis und folgt damit der Argumentation von VHS-Leiter Hans-Peter Schweger vom Herbst. „Unsere Mitarbeiter gehen bereits an ihre gesundheitlichen Grenzen – und noch immer ist kein Land in Sicht“, hatte er um Hilfe gerufen.

Schweger nannte damals Details. So habe die VHS im Zusammenhang mit diesen Kursen 164 Punkte zu beachten, ansonsten sei ihre Anerkennung durch das BAMF als Träger der Maßnahme gefährdet.

Bürokratie auch im Klassenzimmer: So dürften Sprachkurse erst ab 25 Teilnehmern starten. Pünktlichkeit sei oberstes Gebot, wer fehlt, müsse eine Entschuldigung beibringen – sogar zum Ramadan, dem zweithöchsten islamischen Feiertag.

Britta Lenz (CDU) hatte für den Kultur- und Bildungsausschuss die Beschlussvorlage erläutert und brachte das erweiterte finanzielle Engagement des Kreises auf den Punkt: „Die zusätzlichen Mittel sind erforderlich, damit die Geflüchteten möglichst schnell Sprachkenntnisse vermittelt bekommen.“ Dem schlossen sich die Kreispolitiker an, indem sie ohne weitere Aussprache einstimmig für die Aufstockung der Mittel votierten.

Die Volkshochschule bietet von Sylt über Bredstedt bis Garding Kurse für Geflüchtete an, dazu Lehrgänge mit speziell beruflichen Inhalten. Die VHS ist damit größter Anbieter im Kreisgebiet und verfügt sogar über eine Mitarbeiterin, die Lehrkräfte auf die besonderen Anforderungen in Kursen dieser Art vorbereitet – eine von nur zwei unter allen Volkshochschulen in Schleswig-Holstein, die dafür vom BAMF anerkannt sind.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen