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Radfahren in Husum : Mehr Frust als Spaß im Sattel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wer die Storm-Stadt mit dem Drahtesel durchquert, muss aufpassen: Viele Stellen sind alles andere als fahrradfreundlich. Zugeparkte Wege und durch motorisierte Verkehrsteilnehmer entstehende Gefahren verderben die Freude.

Wie gut lässt sich eigentlich mit dem Rad durch Husum fahren? Und welche Lösungsansätze verspricht das vor drei Jahren entwickelte Radverkehrskonzept bei Problemfällen? Die Husumer Nachrichten wollten es einmal genau wissen. Eine Fahrradtour, die überraschende Erkenntnisse brachte und zum Teil auch ein Gefühl von Wut hervorrief.

Als drei der gefährlichsten Abschnitte für Radfahrer entpuppen sich die Großstraße, die Norderstraße und der Weg An der Mühlenau. Die Großstraße liegt mitten in der Stadt – da könnte man meinen, dort würden sich viele Leute auf den Drahtesel schwingen. Tatsache ist, dass die meisten lieber ihr Rad schieben oder auf den Fußgängerweg ausweichen – zur eigenen Sicherheit. Der Grund: Sie müssen sich die Fahrbahn mit Autos und Bussen teilen. „Die sind viel zu schnell unterwegs, hier sollten mehr Kontrollen gemacht werden“, beklagt sich ein Radfahrer über die Situation. Zudem wird den schwächeren Verkehrsteilnehmern auf zwei Rädern nicht selten die Vorfahrt genommen. „Hier wird man so oft von Autofahrern beschimpft, dass ich meistens ordnungswidrig auf dem Bürgersteig fahre“, gesteht eine Radfahrerin, die lieber anonym bleibt. Dazu kommt, dass Busse an den Haltestellen mitten auf der Straße stehen. „Besonders wenn hier Markt ist, laufen alle Fußgänger auf der Straße“, ergänzt die 45-Jährige. Außerdem wird teilweise die falsche Fahrbahnseite benutzt. „Das finde ich noch viel schlimmer als das Tempo der Autofahrer“, bemängelt eine Passantin.

Diese eingeschränkten Platzverhältnisse hat auch die Stadt erkannt und im Radverkehrskonzept angemahnt, das die entsprechenden Probleme in 100 Husumer Straßen erfasst. So wurden etwa für die Großstraße Prüfungen empfohlen – von etwaigen Konsequenzen ist als Radfahrer allerdings noch nichts zu spüren.

Ähnlich stellt sich die Situation an der Mühlenau dar. Viele Schüler nutzen die marode Strecke täglich. An der engen Fahrbahn, die mit den Fußgängern geteilt werden muss, brechen zudem die Kanten ab. Dadurch können die Radfahrer kaum an den Rand ausweichen. Doch das interessiert leider nicht alle Fußgänger. So kommt es manchmal zu wüsten Beschimpfungen und Leute laufen absichtlich mitten auf dem Weg. Gerne gehen hier auch mal Kinder in Dreierreihen – Überholen unmöglich. Vor und nach dem Unterricht ist der Weg genauso schwer befahrbar wie in den Schulpausen. Deshalb empfiehlt das Radverkehrskonzept, den Belag mit ebenen Übergängen zum Seitenrand hin zu erneuern. Das würde allerdings mit 49 000 Euro zu Buche schlagen – wohl deshalb ist auch auf dieser Strecke noch nichts passiert.

In der Norderstraße gibt es ein ganz anderes Problem: Ein großer Radweg ist vorhanden, und auch in einem sehr guten Zustand. Doch viele Autos parken auf dem Streifen, sodass Fahrradfahrer auf die Straße ausweichen müssen – ein Ärgernis. Selbst Autofahrer, die jemanden auf dem Rad kommen sehen, machen keinen Platz und signalisieren lieber per Handzeichen, das sie das Recht des Stärkeren für sich beanspruchen. Und dann gibt es noch die Fußgänger, die sich trotz ausreichenden Platzes scheinbar auf dem Radweg wohler fühlen. Ist die Bedeutung des Begriffes „Fahrradweg“ so unverständlich?

Das Problem mit den parkenden Autos in der Norderstraße hat auch die Stadt erkannt und empfohlen, den ruhenden Verkehr stärker zu kontrollieren. Die Hindernisse sind jedoch auch nach drei Jahren noch nicht weggeräumt.

Weitere Problemstellen sind zum Beispiel der Engelsburger Weg, wo es keine Spur für Radfahrer gibt und die Kurven schlecht einzusehen sind. Oder die Wilhelmstraße mit ihren Laternen mitten im Weg. Für viele nervenaufreibende Knackpunkte finden sich im Konzept jedoch schon Verbesserungsvorschläge. Nach entsprechenden Verkehrszählungen ordnet es die einzelnen Straßen in Dringlichkeitsstufen ein. Da die Umsetzung aber insgesamt rund 3,2 Millionen Euro kostet, werden die Probleme schrittweise behoben. Geduld ist also gefragt. Es gibt aber auch schon viele Wege, die Radfahrern Spaß machen – zum Beispiel in der Vogtstraße oder in der Marktstraße stadtauswärts.

 

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erstellt am 24.Okt.2013 | 07:00 Uhr

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