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Bredstedter Künstler : Mehr Farbe auf kahlen Wänden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Hauptschule hat der Bredstedter Zeichner und Illustrator Holger Klein zuletzt Kunstunterricht bekommen. Heute verdient er mit der Malerei seinen Lebensunterhalt.

Wenn Holger Klein heute durch seine alte Heimatstadt geht, fallen ihm einige Orte auf, die seiner Meinung nach etwas mehr Farbe vertragen könnten. „Der Stromkasten im Treibweg zum Beispiel“, sagt er, „da könnte man gut etwas machen.“ An vielen Stellen im Norden hat der 36-Jährige schon seine Handschrift hinterlassen – am liebsten da, wo die Gegend am trostlosesten aussieht: Kahle Fassaden, Stromkästen oder einfach nur weiße Wände. Nur in Bredstedt selbst sieht man seine Bilder eher selten. Dabei hat hier alles angefangen.

Schon früh in der Schulzeit stellte sich heraus, dass Holger Klein ein Talent für das Zeichnen hat. „Der regelmäßige Kunstunterricht hat mir viel gebracht“, sagt er. Viel mehr an künstlerischer Ausbildung hat er nach Grund- und Hauptschule allerdings auch nicht bekommen. „Ich wusste schon immer, dass ich so was mal beruflich machen will“, sagt er. „Nur wusste ich nie, wie ich vorgehen soll.“

Von Lehrern habe Klein oft zu hören bekommen, er solle doch etwas aus seinem Talent machen – Comiczeichner werden etwa. Einen konkreteren Rat konnten sie ihm in der Schule aber auch nicht geben. Also saß er – solange er nicht mit dem Skateboard unterwegs war – nachmittags zu Hause am Schreibtisch, zeichnete, zeichnete und zeichnete – und träumte von einem Leben als Künstler.

1994 zog er erstmals die Augen der gesamten Schule auf seine Arbeit. Zu seinem Hauptschulabschluss zeichnete er auf die Rückseite einer großen Landkarte die Karikaturen der gesamten Lehrerschaft. Noch Jahre danach zierte diese das Treppenhaus des Schulgebäudes an der Gartenstraße und so mancher Lehrer blieb auch auf diese Art auch nach seiner Pensionierung noch da. Und der Künstler? Der hatte jetzt zwar seinen Abschluss in der Tasche, wusste aber trotzdem noch nicht so recht, wie es mit seinem Lebenstraum weitergehen soll.

Er nimmt an weiterführenden und berufsfindenden Maßnahmen in Husum teil – und zieht dabei einen ersten Auftrag an Land: Für den Kreisjugendring Nordfriesland und den Verein Land in Sicht entwirft er Logos – und wird dafür sogar entlohnt: Mit einem Einkaufsgutschein über 50 Mark bei Karstadt. Drei Jahre nach dem Ende seiner Schulzeit macht er dann ein Praktikum in der Autolackiererei von Rolf Jakobi und bekommt einen Ausbildungsplatz angeboten. Immerhin ein Job mit Farben und Lacken, denkt er sich. „Das war zwar auch nicht ganz so förderlich, ich habe es aber durchgezogen“, sagt er. Nebenbei kann er aber seine Hobbys Skaten und Zeichnen verbinden, bietet seine Arbeiten dem „Monster Skateboard Magazin“ an und bekommt regelmäßige Aufträge. Sogar für „Titus Skateboards“ entwirft er Designs – und wird auch dafür belohnt: Mit Klamotten, Stickern und Skateboard-Hardware.

Es folgen Zivildienst, hier und da ein paar Aushilfsjobs in der Lackiererei, als Fahrzeugpfleger, beim Bredstedter Bauhof oder als Helfer und Plakatierer im Eichhorn’s. „Eigentlich hatte ich während dieser Zeit nur nur Skateboardfahren im Kopf“, sagt Klein. Es entstehen zwar auch Bretter mit eigenen Logos, die er zusammen mit seinem Bruder Stefan entwirft, die Künstler-Karriere will so aber trotzdem nicht wirklich in Schwung kommen.

Erst 2009 macht er den nächsten Schritt, als Kay Schnoor vom Husumer Tattoo-Studio Westcoast auf ihn zukommt. Dort stellt Klein seine Bilder im Schaufenster aus, entwirft auch schon mal Vorlagen, bekommt die Gelegenheit, den Tätowierern über die Schulter zu schauen – und darf die Nadel bald auch selbst in die Hand nehmen. „Da habe ich eine wirklich gute Zeit gehabt“, erinnert er sich. Auch wenn er sich ein Leben als Tätowierer auf lange Sicht nicht vorstellen konnte und bald wieder lieber zu Stift und Spraydose greift – „ich habe da viel mitgenommen.“

So langsam spricht sich sein Talent aber rum, Menschen lesen den Schriftzug „Holger Klein Artwörks“ unter seinen Arbeiten und die Aufträge läppern sich. Er beginnt, im gesamten Kreisgebiet Wände zu bemalen, entwirft Illustrationen für Zeitschriftenverlage und Werbeagenturen, erarbeitet Konzepte für kleine Werbefilmchen und kann sich 2013 komplett selbstständig machen. Heute lebt der Vater eines neun Monate alten Sohnes ausschließlich von seiner Kunst. Und er legt Wert darauf, weiterhin alles freihand zu zeichnen. „Kein Airbrush, kein Photoshop“, betont er. Er brauche ausschließlich eine Idee und ein paar Marker, Acrylfarbe oder die Sprühdose.

Zwar sei er zeitweise kurz davor gewesen, sich bei Kunstschulen in Wandsbek und Kiel zu bewerben – jetzt hat er es aber schließlich auch so geschafft, seinen Kindheitstraum zu erfüllen. „Ich verdiene Geld mit dem, worauf ich Bock habe“, sagt er. Und hofft, in Zukunft auch seine Heimatstadt ein bisschen bunter machen zu dürfen.

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erstellt am 27.Sep.2015 | 16:00 Uhr

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