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Kreis Nordfriesland : Mehr Betreuer für immer mehr Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ab Mitte September werden dem Kreis Nordfriesland wöchentlich 60 bis 80 neue Asylbewerber zugewiesen: Überall ist die Hilfsbereitschaft riesengroß – aber auch die Belastung.

„Zurzeit ist der Kollege mehr Flüchtlingsmanager als Integrationsbeauftragter“, sagt Dieter Harrsen. Der Landrat spricht von Peter Martensen, den der Kreistag Ende Mai zum Beauftragten für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ernannt hat. Der Auftrag des 52-Jährigen: Die Akteure, die sich der gesellschaftlichen Aufgabe verschrieben haben, stärker zu vernetzen, zu beraten und Planungen zur Eingliederung insbesondere von Asylbewerbern voranzutreiben.

Doch für große Konzepte – und das meint der Landrat mit seiner Zustandsbeschreibung – bleibt Martensen gerade nicht wirklich viel Zeit. Denn die Flüchtlingswelle, die natürlich nicht nur in den Kreis Nordfriesland schwappt, überlagert alles andere. Der Experte, der seit 27 Jahren an vielen Fronten daran arbeitet, dass die Willkommenskultur ihren Namen auch verdient, hetzt durch das ganze Kreisgebiet. Er eilt von einer Sitzung zur nächsten, besucht politische Gremien und Runde Tische. Sein Eindruck: „Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß – die Belastung aber auch. Wir brauchen in der Fläche dringend mehr hauptamtliche Asyl-Betreuer.“

In der Tat lässt sich der Zustrom von Menschen, die gerade überstürzt ihre Heimat verlassen, nicht mehr anders adäquat kanalisieren. Das zeigt ein Blick in die Statistik: So trafen jahrelang immer „nur“ dienstags im Husumer Kreishaus neue Flüchtlinge ein, die das Landesamt für Migration nach Nordfriesland schickte – 2010 insgesamt 62 und 2011 sechs mehr. Danach ging die Jahres-Kurve rasant nach oben: von 117 (2012) über 219 (2013) auf 424 (2014). In diesem Jahr sollen es mehr als 1200 werden. Mittlerweile stehen fast täglich Neuankömmlinge in der Husumer Marktstraße auf der Matte. Und das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht: Ab Mitte dieses Monats weist das Landesamt der Kreisverwaltung statt der bisherigen 30 Personen 60 bis 80 in der Woche zu. Das kündigten Harrsen und Martensen bei einem Pressegespräch im Kreishaus an.

Nach der Registrierung in der Ausländerbehörde und einem Gespräch in der Migrations-Sozialberatung verteilt man die Flüchtlinge nach einem Quoten-System auf die acht Ämter des Kreises. Dort werden sie von den Ordnungsämtern und den Sozialzentren empfangen, die sie in eine meist vom Amt angemietete und mit gebrauchten Möbeln ausgestattete Wohnung bringen. Danach geht es, mitunter auch in Begleitung der von den Ämtern angestellten hauptamtlichen Asyl-Betreuer, zum Sozialzentrum. Dort erhalten die Neulinge Sozialleistungen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz des Bundes. Die Höhe entspricht dem Arbeitslosengeld II abzüglich zehn Prozent, also 359 Euro pro Monat für einen alleinstehenden Mann und 1080 Euro für eine vierköpfige Familie mit zwei kleinen Kindern.

„Die Kollegen aus den Ordnungsämtern und Sozialzentren, aber auch die Asyl-Betreuer sind durch die Bank sehr flexibel und kümmern sich vorbildlich um die sehr unterschiedlichen Sorgen und Nöte der Flüchtlinge“, lobt Martensen. Aufgabe der meist in Teilzeit arbeitenden Asyl-Betreuer ist es, eine unterstützende Nachbarschaft zu organisieren. Dazu gehört es etwa, die Neuen beim ersten Einkauf zu begleiten, ihnen das Gesundheits- und das Schulsystem zu erklären oder sie in Kontakt mit örtlichen Organisationen zu bringen.

Am Geld werde die Verstärkung der hauptamtlichen Asyl-Betreuer – vorgesehen ist eine Aufstockung von sieben auf 20 auch in Teilzeit arbeitende Personen – nicht scheitern, hieß es: Bisher stellte das Land 95 Euro pro Flüchtling im Quartal zur Verfügung, seit Anfang Juli wurde auf eine einmalige Betreuungskosten-Pauschale in Höhe von 900 Euro pro Person umgestellt. Davon lasse sich das nötige Personal finanzieren.

„Der Kreis wird sich verstärkt darum kümmern, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu bringen“, kündigt der Landrat an. Auch Arbeit, und sei sie anfangs gemeinnützig, trage zur Integration bei. Übrigens könnten Asylbewerber ohne bürokratische Hindernisse ehrenamtlich tätig werden, etwa in der Feuerwehr oder im Sportverein.

Abschließend stellt Harrsen zufrieden „ein sehr positives gesellschaftliches Klima“ fest: „Es gibt bei uns so gut wie keine Ausländerfeindlichkeit.“ Alle respektierten die Notlage der Flüchtlinge – „und ich spüre bei sehr vielen eine hohe Bereitschaft, sich an der Riesenaufgabe der langfristigen Integration zu beteiligen“.

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erstellt am 12.Sep.2015 | 07:00 Uhr

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