zur Navigation springen

Manege frei für den Chinesischen Nationalcircus : Mehr als spektakuläre Turnübungen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Chinesische Nationalcircus hat zum 25-jährigen Bestehen die Jubiläums-Show „Shanghai Nights – Der Zauber Chinas zwischen gestern und heute“ entwickelt. Das Programm zeigt beides: Kultur und Akrobatik. Darüber darf das Publikum am Dienstag, 25. Februar, im Nordsee-Congress-Centrum in Husum staunen.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Wie selbstverständlich zieht  Xu Hong Liang im Stehen mit der Hand einen Fuß hinter seinen Kopf. Für den 29-Jährigen bloß eine Aufwärmübung. Danach versetzt er das handverlesene Publikum beim Ortstermin in einem Hamburger Restaurant erst so richtig in Staunen: Handstand auf drei übereinander gestapelten Ziegelsteinen, einarmiger Handstand, zwischendurch ein lässiger Wechsel von der linken auf die rechte Hand. Es folgt ein Pas de deux mit der Kontorsionistin Ding Zong Min. Die beiden Artisten des Chinesischen Nationalcircusses stellen eine Liebesszene nach. Mit unglaublicher Leichtigkeit winden sich ihre Körper umeinander. Ding Zong Min ist ein Schlangenmensch. Scheinbar mühelos verbiegt sich die 19-Jährige auf dem Rücken ihres Partners, der sich später auf ihren Ellenbogen in den Handstand aufschwingt.

„Hinter diesen Bewegungen steckt natürlich viel körperliches und mentales Training“, sagt Raoul Schoregge. Der Deutsche ist Produzent des 1989 von André Heller gegründeten Chinesischen Nationalcircusses. Gemeinsam mit der Chefchoreografin Sun Qing Qing hat er zum 25-jährigen Bestehen die Jubiläums-Show „Shanghai Nights – Der Zauber Chinas zwischen gestern und heute“ entwickelt: „Mit unserem neuen Programm wollen wir nicht nur reine Akrobatik präsentieren, es soll den Zuschauern einen Einblick in die chinesische Kultur geben.“ Dafür verwandelt sich die Bühne in ein Teehaus, wo sich verschiedene Menschen begegnen: „Wir haben bewusst darauf verzichtet, eine Nummer an die nächste zu reihen. Weil das gesamte Ensemble ständig anwesend ist, fließt alles ineinander.“

So trifft Altes auf Neues – eben typisch Shanghai. Das „Paris des Orients“, wie die Stadt in den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts auch genannt wurde, war seinerzeit ein boomender Schmelztiegel verschiedenster Kulturen, Nationalitäten und globaler Mode-Erscheinungen. Als aufstrebende Hafenstadt mit dem Herzschlag der sich neu ordnenden Welt verbunden, öffnete sich hier schrittweise die über Jahrtausende unberührte chinesische Kultur. Noch tief verankert in Tradition und Konvention passte sich in Shanghai zum ersten Mal die alte Kultur einer neuen Weltanschauung an. Und so entstand ein ganz neuer Zauber, der in seiner Vielfältigkeit auch wegweisend für Chinas „langen Marsch“ in die Neuzeit war.

Diese besondere Episode in der chinesischen Geschichte machte natürlich auch nicht vor der Akrobatik halt. In den zahlreichen Teehäusern, den großen Theatern und den teilweise anrüchigen Varietés wurde Tradition mit Innovation kombiniert. So entstand auf dem Fundament des Altbewährten und Herkömmlichen eine neue Darstellungsform, die neben den Einblicken in eine fremde, reiche Kultur auch den neuen kulturellen Freiheitsdrang der Menschen wiedergab.

Auch in der aktuellen Show stellt das junge  Ausnahme-Ensemble aus dem Reich der Mitte diese Wandlung dar. Chinas Kultur und Geschichte werden greifbar durch atemberaubende Akrobatik, poetische Momente und die artistische Aufhebung der Schwerkraft interpretiert. „Menschen müssen sich verändern, um sich selbst treu zu sein“ – an diesem Punkt öffnet sich das alte China und hebt dadurch noch einmal seine eigene kulturelle Basis als Stärke und Eigenständigkeit hervor.

Im Reich der Mitte genießt der Zirkus höchstes Ansehen: Auf 80 Zirkusschulenplätze kommen in der Regel 800 Bewerbungen. „Der Zirkus gehört zur Hochkultur, hat Stars hervorgebracht und wurde für die Guckkastenbühne konzipiert“, erklärt Schoregge. Darum tritt der Nationalcircus hierzulande nicht im Zelt auf, sondern in konventionellen Veranstaltungshallen. Mit dem Plan, mehr als spektakuläre Turnübungen zu bieten: „Wir hoffen, dass unsere Inszenierung das Publikum wirklich emotional berührt.“

Für die Husumer Vorstellung am Dienstag, 25. Februar, ab 20 Uhr im Nordsee-Congress-Centrum sind nur noch weniger als 50 Karten zu haben – unter anderem im Kunden-Center der Husumer Nachrichten, Markt 23.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen