Mehrheit für Nationalpark : Mehr als Liebe auf den zweiten Blick

50 Interessierte kamen zum vorerst letzten Termin der Veranstaltungsreihe „TZ im Dialog“.
50 Interessierte kamen zum vorerst letzten Termin der Veranstaltungsreihe „TZ im Dialog“.

Umfrageergebnisse zum Nationalpark wurden in St. Peter-Ording vorgestellt. 82 Prozent der Westküstenbewohner würden wieder für die Einrichtung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer stimmen.

shz.de von
05. Mai 2015, 13:30 Uhr

Das Interesse hat nicht nachgelassen. Seit November lief die Veranstaltungsreihe der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording „TZ im Dialog“, 50 Interessierte kamen zum vorerst letzten Termin, der unter dem Motto „Natur und Tourismus – Liebe auf den zweiten Blick“ stand. Es ging um Natur und Tourismus als Mehrwert füreinander und Strategien für nachhaltigen Tourismus sowie die Chancen und Möglichkeiten in einer Nationalpark-Partnerschaft.

Constanze Höfinghoff, stellvertretende Tourismusdirektorin und Initiatorin der Veranstaltungsreihe, begrüßte dazu einige Fachleute. Vom Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer in Tönning kamen Dr. Christiane Gätje und Matthias Kundy aus dem Fachbereich (FB) Kommunikation und Nationalpark-Partner und Armin Jeß aus dem FB Schutz und Entwicklungsplanung sowie Anja Szczesinki vom Wattenmeer Büro des WWF aus Husum. Für die Firma „Schäfer-Tours“ als Nationalparkpartner war Christian Ott dabei, für die Schutzstation Wattenmeer vom Nationalparkhaus in St. Peter-Ording Leiterin Sabine Gettner und Rainer Schulz für die Station beim Leuchtturm Westerhever.

Unbestritten von allen Seiten ist, dass – nach 30 Jahren Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer – die Bedeutung des Erhaltes dieser Naturlandschaft bei den Menschen angekommen ist. So gaben 82 Prozent der 2013 befragten Westküstenbewohner an, dass sie wieder für die Einrichtung des Nationalparks stimmen würden. Nur zwei Prozent waren dagegen. Die Anerkennung des deutsch-niederländischen Wattenmeeres 2009 als Unesco-Weltnaturerbe krönt den Erfolg der Arbeit des Naturschutzes, seit Juni 2014 gehört auch das dänische Wattenmeer dazu. Damit reicht das WNE Wattenmeer, mit 11.500 Quadratkilometern Fläche, entlang 500 Kilometern Küste , vom niederländischen Den Helder bis zum dänischen Esbjerg.

Klima und Luft, Landschaft und Lage sind laut Umfrage für etwa je 70 Prozent der Gäste entscheidend für die Wahl des Urlaubs in St. Peter-Ording, die Bezeichnung „Nationalpark Wattenmeer“ für 17,1 Prozent der Touristen an der Nordsee Schleswig-Holsteins. Aus dem Bruttoumsatz der Nationalparktouristen entsteht eine Wertschöpfung von 89 Millionen Euro. Das entspricht 4700 Vollzeit-Beschäftigungsstellen. Eine Million Menschen haben sich 2014 über Wattenmeer und Nationalpark informiert.

Dr. Christiane Gätje ist sich sicher: „Natur und Naturschutz haben für den Tourismus einen Mehrwert. Es ist ein Gewinn für beide Seiten.“ Und Armin Jeß ergänzte: „Durch das Nationalparkgesetz werden traditionelle Nutzungen nicht eingeschränkt.“ Mit der Auszeichnung als Weltnaturerbe (WNE) wird der Status der Schutzgebiete nicht geändert.

Anja Szczesinski gab Einblicke in die Arbeit der internationalen „WNE Familie“ und machte in ihrem Plädoyer für den Naturschutz deutlich, dass Tourismus und Bevölkerung vom WNE-Status profitieren können. Wertschätzung und Verständnis für das WNE seien deswegen weiterhin zu verbessern – insbesondere, was die negativen Seiten des Kitesurf-Worldcups mit Lärm und Müll und das nicht erlaubte Übernachtungsparken auf den Sandbänken betreffe.

Natur- und Tourismusangebote seien im Idealfall so gestaltet, dass sie dem Urlauber besondere Erlebnisse im Einklang mit dem Naturschutz im Weltnaturerbe bieten können. Matthias Kundy schärfte anschließend das Bewusstsein dafür, dass eine Nationalpark-Partnerschaft als Naturschutzprojekt zwischen Tourismus und Natur zu sehen ist. Es gibt aktuell in Schleswig-Holstein 150 Nationalparkpartner. In Eiderstedt sind es 32.

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