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Bürger auf Abwegen : Mehr als ein Transport von A nach B

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Ausstellung „Bürger auf Abwegen“ musste vor dem Umzug vom Buddenbrookhaus ins Husumer Storm-Haus neu gedacht werden, denn „unterschiedlicher können zwei Orte nicht sein“, sagt Szenograf Sven Klomp.

Bin ich ein Bürger oder ein Künstler? Und schließen sich diese beiden Lebensentwürfe gegenseitig aus oder lassen sie sich vereinen? Diese Fragen beschäftigten den Literaturnobelpreisträger Thomas Mann ein Leben lang. Bei seiner Suche nach Antworten blickte er immer wieder auf den Husumer Dichter Theodor Storm.

Der gemeinsamen Tagung der Theodor-Storm-Gesellschaft und der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft zu eben jenen Themen folgte die Ausstellung „Bürger auf Abwegen“, die zunächst im Buddenbrookhaus in Lübeck gezeigt und jetzt im Husumer Storm-Haus feierlich eröffnet wurde. Der erste Teil des Festaktes fand im Kulturkeller statt. Anschließend folgte ein Rundgang durch die Ausstellung. Mit dabei Professor Philipp Theisohn, Präsident der Theodor-Storm-Gesellschaft, Professor Hans Wißkirchen, Präsident der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, und Dr. Christian Demandt, Leiter des Storm-Zentrums.

„Die Bürgerlichkeit war der Rahmen, aus dem heraus beide Dichter künstlerisch wirken konnten“, erklärte Szenograf Sven Klomp. Gemeinsam mit seiner Frau Nina Nicolaisen oblag ihm die gestalterische Umsetzung des Ausstellungskonzepts. „Es sind zwei Orte, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten“, sagte Klomp und machte damit die Größe der Herausforderung deutlich. Während es im Buddenbrookhaus drei große Ausstellungsräume gibt, die flexibel zu nutzen sind, mussten die Elemente in Husum in das historische Wohnhaus integriert werden. In Lübeck herrschte eher Leichtigkeit: „Man konnte durch das Leben der beiden Bürger Storm und Mann flanieren und zugleich ihrem Weg als Künstler folgen“, so Klomp.

Zu den zentralen Elementen der Raumgestaltung gehörten drei Schreibtische, die für Thomas Manns Beschäftigung mit Storm in wichtigen Lebensphasen standen. Darum herum gruppierten sich Stationen, die Kernthemen im Leben beider Autoren in den Blick nahmen und durch Originalexponate anschaulich werden ließen.

Im Storm-Haus mussten diese Elemente dagegen thematisch passend in die historischen Räume integriert werden, sodass sich eine neue Anordnung ergab. „Hier bildet Storms Wohnung den bürgerlichen Rahmen, aus dem heraus die künstlerische Tätigkeit erst möglich wird. Die Atmosphäre lebt vom Gegensatz zwischen Alt und Neu, zwischen antiken Möbeln und modernen Ausstellungselementen.“ Die gemeinsame Heimat Norddeutschland ist durch einen grünen Horizont dargestellt, der sich an den Wänden entlangzieht. Diese Farbe wurde auch in der Gestaltung des Ausstellungskatalogs verwendet.

Storm und Mann präsentierten nach außen hin eine solide, bürgerliche Lebensweise. So sehr sie sich jedoch um Perfektion und das Aufrechterhalten ihrer jeweiligen Fassade bemühten, gab es in beider Leben Brüche. Nur aus ihnen heraus konnte das künstlerische Werk überhaupt erst entstehen. „Die Selbstinszenierung haben wir durch die großen Fotos dargestellt“, erklärt Klomp. „Sie sind auf den zwei- oder dreiteiligen Paravents und zeigen, wie sich Storm und Mann für Fotografen ganz bewusst mal als Bürger und mal als Künstler in Szene setzen.“

Thomas Mann war dafür bekannt, Menschen genau beobachten und anschließend analytisch und treffend beschreiben zu können. Das zeigt sich nicht nur in seinen Überlegungen zu Storm, mit denen er der Wissenschaft um Jahrzehnte voraus war. „Die Gucklöcher in den Paravents sollen das auch den Ausstellungsbesuchern ermöglichen“, erläutert Sven Klomp. „Wie Mann können sie sich hinter einem bürgerlichen Bild verstecken und andere Menschen beobachten.“

Auch die Literatur ist mit diesem analytischen Blick bis zur Kernszene buchstäblich durchbohrt worden. „Ich würde mich freuen, wenn die Leute die Bücher in die Hand nehmen und zum (Wieder-)Lesen inspiriert würden“, formuliert Klomp seine Ziele. „Generell soll die Ausstellung den Blick öffnen, eine andere Perspektive ermöglichen und so dazu führen, dass sich die Besucher sich eine Meinung bilden und austauschen.“

Sven Klomp und Nina Nicolaisen haben nicht allein an der Ausstellung gearbeitet. „Wir haben viele Gespräche geführt“, berichtete der Szenograf. „Und wir möchten besonders Wilfried Bachhofen, Professor Heinrich Detering, Maren Ermisch, Anna-Lena Markus und Anne Heinrich für die wunderbare Zusammenarbeit danken. Ohne ihr fundiertes Fachwissen und ihr Engagement wäre die Ausstellung so nicht möglich gewesen.“

>Die Ausstellung bleibt bis zum 15. April 2016 im Storm-Haus und ist (bis Ende März) dienstags, donnerstags sowie sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ab 1. April gelten dann folgende Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr, sonnabends 11 bis 17 Uhr, sowie sonntags und montags 14 bis 17 Uhr.

>Am Freitag, 4. Dezember, führt Dr. Malte Denkert durch die Sonderausstellung „Bürger auf Abwegen“. Beginn: 16 Uhr.

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erstellt am 01.Dez.2015 | 17:42 Uhr

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