zur Navigation springen

Experten-Tagung in Husum : Meeresspiegel steigt ungleichmäßig

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie steigt der Meeresspiegel an der Nordseeküste? Diese Frage stand im Mittelpunkt des achten Hydrologischen Gespräches – und lässt sich gar nicht so leicht beantworten.

Ein Anstieg des mittleren Meeresspiegels müsste sich gleichzeitig in der gesamten Tide-Kurve abbilden, sollte man meinen. Doch das tut er nicht. Das belegen Messwerte – und die Wissenschaft kennt die Gründe. Allerdings nicht alle, denn die Messung und Interpretation der vorhandenen Daten ist keineswegs trivial. Das erläuterte Professor Jürgen Jensen jetzt beim achten Hydrologischen Gespräch des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) und des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) im Husumer Nordsee-Museum Fachleuten von Universitäten und norddeutschen Experten der Wasserwirtschaftsverwaltung.

„An 13 Stationen der Deutschen Bucht ist der mittlere Meeresspiegel seit 1955 um rund zehn Zentimeter gestiegen“, so der Experte vom Forschungsinstitut Wasser und Umwelt der Universität Siegen. „Das verlief aber nicht einheitlich. Das mittlere Hochwasser ist um 16 Zentimeter gestiegen, das mittlere Niedrigwasser an einigen Stellen um bis zu 17 Zentimeter gefallen und woanders wiederum um etwa sieben Zentimeter gestiegen.“ Der mittlere Tidenhub sei, je nach Station, um sieben bis 36 Zentimeter angestiegen. „Dabei gibt es kaum regionale Muster“, erläuterte Jensen. Ob küstenbauliche Maßnahmen dies erklären, sei noch zu untersuchen.

Weitere Faktoren – wie großräumige Landsenkungen, kleinräumige Unterschiede der Erdanziehungskräfte oder Veränderungen von Wind-Systemen oder Ozean-Zirkulation – beeinflussen die Wasserstände, hieß es in Husum weiter. All dies mache nicht nur Vorhersagen, sondern bereits die Interpretation vorhandener Daten hoch komplex. Die Zunahme des Tidenhubs habe eine Zunahme der Ebb- und Flutstrom-Geschwindigkeiten zur Folge und beeinflusse damit Erosions- und Sedimentationsprozesse im Wattenmeer.

Dr. Jacobus Hofstede vom Kieler Umweltministerium erläuterte die gemeinsam vom Küsten- und Naturschutz erarbeitete Wattenmeer-Strategie 2100. Sie zielt darauf ab, das Wattenmeer durch kluges Sediment-Management als Lebensraum für Natur und Mensch dauerhaft zu erhalten. Da die Wattflächen voraussichtlich langsamer aufwachsen als der Meeresspiegel steigt, könnte es andernfalls schlicht ertrinken. Das würde sehr langsam ablaufen, möglicherweise mehrere Jahrhunderte andauern. Deshalb ist genug Zeit für die Planung von Gegenmaßnahmen.

Modellgestützte Untersuchungen zur Wasserbewirtschaftung der Flüsse Steinau und Miele und zur Umsetzung von Maßnahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie waren weitere Themen der Tagung. Daneben ging es auch um das Sturmflut-Geschehen an der Ostseeküste und die Entwicklung eines sensor- und risikobasierten Frühwarnsystems für Seedeiche.


Die Vorträge stehen in Kürze im Landesportal unter www.llur.schleswig-holstein. de zum Download zur Verfügung.

Erstmals in Husum

Das Hydrologische Gespräche findet jährlich auf Einladung

des LKN.SH und des LLUR statt – die achte Auflage führte die Teilnehmer erstmals nach Husum. Bei dieser Gelegenheit werden Projekte mit Beteiligungen des Landes zu Themen mit Bezug zum Wasserkreislauf, der Gewässerkunde und -bewirtschaftung einem Fachpublikum vorgestellt und diskutiert. Mit 106 Gästen von Verbänden, Bundes- und Landesbehörden, Universitäten und Ingenieurbüros gab es diesmal einen Teilnehmer-Rekord.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen