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Husumer Nachrichten

14. Dezember 2017 | 03:54 Uhr

Nordfriesland-Krimi : Meer, Milch und Mörder

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Hamburger Autorin Sandra Dünschede hat den neunten Teil ihrer Küsten-Krimireihe geschrieben: In „Friesenmilch“ geht es um einen heimtückischen Gift-Anschlag in Niebüll.

von
erstellt am 03.Apr.2016 | 14:00 Uhr

Katze Lulu schläft auf ihrem Sitzsack, die Vorderpfoten weit von sich gestreckt. Am Esstisch daneben hat es sich Sandra Dünschede bequem gemacht und schreibt. Nur das Klappern der Tastatur und Lulus Schnarchen sind zu hören – ansonsten ist es still in der Hamburger Wohnung. So hat es die Autorin am liebsten. „Ohne Lulu würde meinem Arbeitsalltag etwas ganz Entscheidendes fehlen“, erklärt sie. „Ich brauche diese Gelassenheit, die meine Katze ausstrahlt, um all meine Gedanken und Morde zu Papier zu bringen.“

Und Ideen für Verbrechen gibt es viele. Elf Kriminalromane hat die 43-Jährige bereits veröffentlicht. Zwei davon spielen in Hamburg, neun in Nordfriesland. Und das hat seinen Grund. Dünschede hat einen engen Bezug zur Westküste. Sie ist in Niebüll geboren und wuchs in Risum-Lindholm auf. In ihrem neusten Buch „Friesenmilch“ geht es um einen hinterhältigen Giftmord. Zum Inhalt: Eine Putzfrau findet einen Arzt leblos in seiner Praxis. Die Todesursache: ein vergifteter Joghurt der ortsansässigen Meierei. Bei seinen Ermittlungen erfährt Kommissar Dirk Thamsen, dass die Niebüller Molkerei erpresst wird. Doch wer steckt hinter den Drohungen und dem Giftanschlag? Der Sohn des Meierei-Besitzers und Mitglieder einer Aktivistengruppe geraten ins Visier der Polizei. Doch keiner der Ermittlungsansätze führt zur Lösung des Falls und der Druck wächst rasant, als es ein weiteres Opfer gibt.

Die Meierei in Niebüll, die in dem Buch im Mittelpunkt steht, ist zwar fiktiv – allerdings gab es tatsächlich einst in Niebüll eine Milch-Produktionsstätte, an die sich die Autorin noch gut erinnern kann. „Soweit ich weiß, wurde diese Meierei Ende der 1980er-Jahre zugemacht. Ich fand es charmant, sie für den Krimi wieder aufzumachen.“ Das Gebäude im Osterweg steht sogar noch.

Schriftstellerin werden – davon hatte Sandra Dünschede schon als Kind geträumt. Doch es sollte erstmal anders kommen. Nach dem Abitur wollten ihre Eltern, dass sie „etwas Anständiges lernt“. So machte sie eine Lehre zur Bankkauffrau und arbeitete lange in diesem Bereich. Im Jahr 2000 entschied sie sich für ein Studium der Germanistik und der Allgemeinen Sprachwissenschaft in Düsseldorf – sehr nützlich für ihre spätere Profession, wie sie meint. Anfangs schrieb die Autorin Kinderbücher. Warum hat sie das Genre gewechselt? „Mein Mann ist ein leidenschaftlicher ‚Tatort‘-Zuschauer“, sagt Dünschede. Doch während er bis kurz vor Schluss rätselte, wer denn nun der Mörder sei, wusste sie es oft schon nach wenigen Minuten. „Irgendwann ist mir aufgefallen, dass mir das Krimi-Genre zu liegen scheint, und da habe ich es einfach ausprobiert.“

Sie belegte ein Autoren-Seminar. „Das hat mir riesigen Spaß gemacht“, sagt sie. „Ich habe eine Kurzgeschichte namens ‚Kopfgeflüster‘ geschrieben. Mein erstes Probierstück. Es handelt von jemandem, der unter Verfolgungswahn leidet. Und da habe ich gemerkt, dass ich niemand bin, der gerne herumschlachtet. Lieber beschäftige ich mich mit den Hintergründen.“

2004 begann Dünschede mit der Arbeit an ihrem Debütroman „Deichgrab“, der 2006 erschienen ist und mit den Medienpreis des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes als bester Kriminalroman im Land ausgezeichnet wurde. „Deichgrab“ war bislang ihr erfolgreichstes Buch. „Das gab einen ordentlichen Schub“, sagt sie.

Aber woher nimmt die 43-Jährige all die Einfälle? „Man sollte einfach ein bisschen rührig sein und Lust auf Neues haben“, ist sie überzeugt. Auf die Idee mit dem vergifteten Joghurt brachte sie zum Beispiel eine ehemalige Arbeitskollegin, die sich während ihrer Heilpraktiker-Ausbildung viel mit den Thema Ernährung auseinandergesetzt und Dünschede mit „Ideen für natürliche Mordmethoden“ versorgt hat.

Die Recherche nimmt die Wahl-Hamburgerin sehr ernst. Sie liest regelmäßig Fachbücher, zum Beispiel über forensische Psychologie, durchforstet das Internet, führt Gespräche mit Experten. Dünschede kennt sich gut aus in Nordfriesland. Trotzdem geht sie lieber auf Nummer sicher und sieht sich die Schauplätze des Verbrechens vor Ort meist noch einmal genau an, geht die Strecken ab. Natürlich seien auch fiktive Orte dabei, räumt sie ein. Auch zur Rechtsmedizin in Hamburg hat die Autorin einen engen Kontakt. Darüber hinaus steht ihr ein so genannter Cop for you, ein bürgernaher Polizeibeamter aus Hamburg, beratend zur Seite.

So schön das Autoren-Dasein auch sei, nur vom Honorar allein kann sie nicht leben. Deshalb arbeitet Dünschede zusätzlich als Dozentin am Hamburger Institut für Lernsysteme (ILS) oder gibt Schreibcoaching-Seminare. In Deutschland gäbe es höchstens zwei Hände voll von Autoren, die komplett mit dem Schreiben ihr Auskommen bestreiten könnten. „Ein hartes Brot – das war mir schon kurz nach dem Studium klar.“

Ein halbes Jahr brauche sie im Schnitt, bis das Personal und der Handlungsaufbau für ihre Krimis stehen. Mit ihrem neusten Projekt ist sie schon fast fertig. Nur so viel sei verraten: Es geht um eine zerstückelte Kofferleiche und ein Altenwohnheim in Niebüll. „Man lebt mit den Roman-Figuren. Sie werden lebendig, sind wie gute Freunde. Ich kenne meine Hauptfigur, Kommissar Dirk Thamsen, jetzt schon zehn Jahre. Manchmal frage ich mich, wie er in bestimmten Situationen, die ich im Alltag erlebe, reagieren würde.“ Sein Hamburger Kollege Peer Nielsen sei etwas kantiger. „Ich brauche noch ein bisschen, bis er hier einziehen darf“, erklärt sie augenzwinkernd.


Sandra Dünschede: Friesenmilch, Gmeiner, 277 Seiten, 11,99 Euro,

ISBN 978-3-8392-1834-1

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