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Traumberuf in Männerdomäne : Mauern ist ihr Handwerk

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ihren Traumberuf hat die 15-jährige Husumerin Tanja Saxen gefunden – aber leider noch keinen Betrieb, der sie zur Maurerin ausbilden würde.

Tanja Saxen hat einen Traum. Der ist nicht gerade alltäglich – jedenfalls nicht „für ein Mädchen“. Aber das scheint für die 15-Jährige kein Grund zu sein, warum er nicht in Erfüllung gehen soll. „Ich möchte Maurerin werden“, sagt die Husumerin – so wie ihr Vater. Der betrachtet den Wunsch der Tochter mit gemischten Gefühlen, aber im Weg stehen will er ihr nicht. „Natürlich hat Papa Angst um meine Knochen“, räumt Tanja ein. „Aber andererseits war er es, der dieses Feuer in mir entfacht hat.“ Schon als kleines Kind habe sie den Vater mit ihrer kleinen Schiebkarre und der roten Kinderkelle auf Baustellen begleitet, erinnert sie sich.

Die Erwachsenen-Welt sieht allerdings anders aus. Seit einem Jahr schickt Tanja Saxen nun schon Bewerbungen an Maurer-Betriebe in und um Husum – „in einem Radius von 20 Kilometern, weil meine Eltern nicht wollen, dass ich nach der Schulzeit mit gerade 16 Jahren nach Hamburg gehe“, sagt sie. „Doch auch im näheren Umkreis gibt es mehr als genug Firmen.“ Allerdings wurde sie von den meisten nicht einmal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.

Lutz Martensen glaubt auch zu wissen, woran das liegt: „Natürlich gibt es Betriebe, die Angst haben, dass eine Auszubildende den körperlichen Belastungen nicht gewachsen ist oder schwanger wird“, erklärt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft NF Süd. Außerdem müssten Betriebe für weibliche Auszubildende eine zusätzliche Toilette bereitstellen. „Auch das mag den einen oder anderen abschrecken“, vermutet Martensen. Doch einen persönlichen Blick sollten sie der Kandidatin schon gönnen, findet er.

Das wünscht sich auch Tanja Saxen, doch ihre Erfahrungen sind andere: „Neulich habe ich auf eine Zeitungsanzeige reagiert, in der ,Maurerinnen und Maurer‘ gesucht wurden“, berichtet sie. Doch als sie einige Zeit später telefonisch nachfragte, teilte man ihr mit: „Wir stellen keine Mädchen an.“ Und auf Nachfrage, warum in der Anzeige dann überhaupt von Maurerinnen und Maurern die Rede gewesen sei, hieß es: „Weil wir das so machen müssen. Sonst verstoßen wir gegen das Gesetz.“

„Das geht gar nicht“, findet die willensstarke junge Frau und vermutet, dass dies in anderen Betrieben nicht so deutlich ausgesprochen, aber ähnlich gehandhabt wird. Auf 30 Bewerbungen habe sie nur fünf Rückmeldungen und noch weniger Einladungen zu Vorstellungsgesprächen bekommen. „Bis zu einem gewissen Grad kann ich das sogar verstehen“, räumt Tanja Saxen ein. „Viele trauen diese Arbeit einem Mädchen nicht zu oder scheuen zusätzliche Kosten“, sagt sie. Aber sie setze nun wirklich alles daran, um ihren Traum zu verwirklichen, arbeitet neben der Schule für ihren 125-Motorrad-Führerschein, um mobil zu sein. Und auch an ihrem Zeugnis könne es nicht liegen, glaubt sie: „Meine schlechteste Note ist eine drei.“

Oder ist sie am Ende zu schlau? Tanja zuckt fragend mit den Achseln. Sie weiß nur eines: „Maurerin ist mein Traumberuf, auch wenn ich ihn vielleicht nicht mein ganzes Leben lang ausüben kann. Aber wer aus meiner Generation wird schon sein ganzes Leben in nur einen Beruf arbeiten?“

Wie sehr sich die Arbeitswelt verändert hat und dass sie sich weiter wandeln wird, ist ihr durchaus bewusst. Aber kürzlich sei sie mit ihrem Vater über Land gefahren und habe Häuser gesehen, die dieser noch während seiner Ausbildungszeit gebaut hat: „Gibt es etwas Schöneres?“ fragt Tanja mit einem Strahlen, das jeden Widerspruch verbietet.

Lutz Martensen hat ihr Hilfe angeboten. „Es gibt auch bei uns Betriebe, die junge Frauen anstellen“, sagt er zuversichtlich. Viele sind es allerdings nicht. Nach Auskunft der Handwerkskammer zu Flensburg ist in deren Zuständigkeitsbereich derzeit nicht eine auszubildende Maurerin verzeichnet. Aber das kann sich ja schnell ändern: Tanja Saxen wäre das jedenfalls recht.

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