zur Navigation springen

Nordfriesland : Matthias Ilgen will in den Landtag wechseln

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer SPD-Politiker Matthias Ilgen möchte vom Bundes- in den Landtag wechseln. Mit Ralf Heßmann gibt es aber einen Konkurrenten. Als Nachfolger für die Bundestags-Kandidatur ist Landeschef Ralf Stegner im Gespräch.

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 07:00 Uhr

Das Polit-Karussell dreht sich munter weiter an der Westküste: Erst hatte der Bundestagsabgeordnete und CDU-Landes-Chef Ingbert Liebing auf eine erneute Kandidatur im Bundestags-Wahlkreis Nordfriesland/Dithmarschen-Nord verzichtet und bewirbt sich nun um ein Landtagsmandat mit dem Ziel, 2017 Schleswig-Holsteins Ministerpräsident zu werden. Nun wartet auch die nordfriesische Sozialdemokratie mit ungewöhnlicher Personalie auf.

Der Husumer SPD-Politiker Matthias Ilgen will sich ebenfalls nicht noch einmal um das Bundestagsmandat im Wahlkreis 2 bewerben. Nach nur einer Wahlperiode im Berliner Parlament strebt der 32-jährige SPD-MdB und Kreisvorsitzende eine Kandidatur für den Landtag an. Darüber hat Matthias Ilgen die nordfriesische Parteibasis in einem internen Newsletter informiert.

Und wer ihn als Kandidat der Sozialdemokraten im nördlichsten Bundestags-Wahlkreis beerben könnte, weiß Ilgen auch schon: Es ist der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Landes-Chef und Bundes-Vize Ralf Stegner. Dieser will sich dem Vernehmen nach heute erklären, ob er von der Kieler Förde an die Spree in Berlin wechseln möchte. Wenn das so kommen sollte, will Ilgen ihn den Genossen in Nordfriesland und Dithmarschen als Bundestagskandidaten vorschlagen – „wenn Ralf Stegner denn möchte und keinen anderen Wahlkreis hat“, so der Husumer Sozialdemokrat gegenüber unserer Zeitung. Stegner würde dabei auf die CDU-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Astrid Damerow als Mitbewerberin treffen, die als Nachfolgerin von Liebing in den Bundestag einziehen möchte.
Als Beweggründe für seinen eigenen, bereits über Ostern gereiften Entschluss führt der Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen familiäre, persönliche und politische Überlegungen ins Feld. Ilgen arbeitet nach eigenen Aussagen zurzeit locker 70 Stunden pro Woche. „Man kommt auf die Stunden, wenn man es ernst nimmt“, sagt er. Dabei muss der Sozialdemokrat permanent zeitaufwändige Pendelei zwischen Nordfriesland und der Bundeshauptstadt auf sich nehmen, zumal er als Kreisvorsitzender engen Kontakt zu den SPD-Ortsvereinen hält und selbst auch noch Chef des Husumer Ortsvereins ist.

Aber es gibt auch handfeste politische Gründe für Ilgens angepeilten Wechsel von der Spree an die Förde: „Entscheidend ist, dass wir ein sichereres Landtags-Mandat brauchen, um den kurzen Draht nach Kiel zu haben“, erklärt er mit Blick auf zuletzt so wichtige Themen wie die umstrittene Reform des Finanzausgleichs und dringend notwendige Impulse für den Nordsee-Tourismus. Zwar bestehe eine enge Zusammenarbeit mit Landeschef Ralf Stegner, dem Landesvorstand und der Landesregierung. Aber trotz moderner Kommunikations-Möglichkeiten könne das eine „eigene ständige Präsenz in Kiel“ nicht ersetzen.

Bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Landtag im Oktober 2014 hatte Dr. Gitta Trauernicht – sie ist heute Vize-Präsidentin von SOS-Kinderdorf International – diese Aufgabe wahrgenommen. Seitdem sind die nordfriesischen Sozialdemokraten ohne eigenen Vertreter in Kiel. „Deshalb ist es nach meiner Auffassung unerlässlich, dass die SPD Nordfriesland stark und sicher im nächsten Landtag vertreten ist“, so Ilgens Botschaft an die Basis. Und: Gemeinsam gelte es, einen Ministerpräsidenten Ingbert Liebing zu verhindern und dafür zu sorgen, „dass Torsten Albig und die SPD-geführte Landesregierung ihre erfolgreiche Arbeit auch nach der Wahl am 7. Mai 2017 fortsetzen können“.

Matthias Ilgen möchte im Landtagswahlkreis 2 (NF-Süd) antreten, wo er auf den bereits von seiner Partei nominierten Pellwormer CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Jensen treffen würde. Dieser hatte den Wahlkreis bei der letzten Landtagswahl direkt gewonnen. Dennoch sagt Ilgen: „Ich gehe das selbstbewusst an.“ Er rechnet sich durchaus eine Außenseiter-Chance aus, den Wahlkreis selbst zu holen, zumal nach dessen Neuschnitt nur etwa 1500 Stimmen aufzuholen seien. Daran will Ilgen im Wahlkampf mit mehr als 5000 Hausbesuchen arbeiten. Sollte es trotzdem nicht direkt klappen, so ist er zuversichtlich über die SPD-Landesliste in den Landtag einzuziehen. Als noch amtierender Bundestagsabgeordneter und nordfriesischer Kreisvorsitzender erhofft er sich, dass der Landesvorstand für ihn beim Landesparteitag im November einen sicheren Listenplatz vorschlägt.

Davor braucht Ilgen freilich zunächst noch den Segen der Genossen in Nordfriesland. Die SPD-Konferenzen für die beiden nordfriesischen Landtagswahlkreise stehen für den 17. September an. Während im Wahlkreis Nordfriesland-Nord noch völlig offen ist, wer für die Sozialdemokraten gegen Ingbert Liebing ins Rennen geschickt wird, muss sich Matthias Ilgen im Süden erst einmal gegen parteiinterne Konkurrenz durchsetzen: „Ich möchte für den Landtag kandidieren“ , bestätigte der Hattstedter Ralf Heßmann gestern auf Anfrage. Der Offizier und langjährige Sozialdemokrat – er ist seit fast 14 Jahren Bürgermeister und seit drei Jahren Amtsvorsteher des Amtes Nordsee-Treene – trägt sich nach eignen Aussagen bereits seit längerem mit diesen Gedanken. „Ich wusste das gar nicht von Ilgen“, sagte er gestern. Die beiden hatten sich erst am vergangenen Freitag in einem Vier-Augen-Gespräch über ihre Pläne ausgetauscht.

Ralf Heßmann geht es dabei nicht um Konkurrenzdenken, sondern vielmehr darum, der Partei eine echte Alternative zu bieten: „Sie kann nun entscheiden, ob sie den nächsten Berufs- oder einen Kommunalpolitiker möchte, der um die Probleme der Kommunen weiß.“ Viele von ihnen hängen laut Heßmann am Tropf, weil sie nicht an den energiepolitischen Segnungen teilhaben oder zu wenig Gewerbesteuer einnehmen. „Gemeinden mit zentralörtlicher Bedeutung sind angewiesen auf Einnahmen, sonst können sie ihre Aufgaben nicht wahrnehmen“, sagt er. Auch deshalb möchte sich Heßmann für Nordfriesland aktiv im Landtag einbringen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen