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Küstenschutz : Material für den Deichbau wird knapp

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wo soll künftig das Material für den Deichbau herkommen? Ein Forschungsprojekt geht Sediment-Vorkommen auf den Grund.

„An der Westküste haben wir 56 Kilometer Landesschutzdeiche. Um die zu verstärken, brauchen wir Boden.“ Das erklärte Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), in der jüngsten Sitzung des Nationalpark-Kuratoriums Nordfriesland im Husumer Kreishaus. Für die im Hinblick auf den steigenden Meeresspiegel anstehenden Deichverstärkungen reiche das zur Verfügung stehende Material im Süden Nordfrieslands für den Deichbau nicht aus. Da kein Sand mehr aus dem Wattenmeer entnommen werde, suchten die Experten jetzt im Rahmen eines Sediment-Managements im Offshore-Bereich nach Ablagerungen zur möglichen Entnahme von Sediment für den Küstenschutz. Ein entsprechendes Forschungsprojekt läuft Oelerich zufolge unter Berücksichtigung der EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) bis zum Jahr 2020. Vor 2030 sei aber nicht mit konkreten Entnahmen zu rechnen. „Es ist eine spannende Frage, wie die Sedimentablagerungen an der ganzen Küste sind“, unterstrich Dietmar Wienholdt, Ministerialdirigent im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume die Bedeutung der Untersuchungen.

Rund 7500 Seehunde würden derzeit im Bereich des Wattenmeers in Nordfriesland gezählt, erläuterte Armin Jeß von der Nationalparkverwaltung. Im Seehund-Management des Landes arbeiteten diese, Naturschutzverbände und die Seehundjäger zusammen. „Ich würde Seehundjäger eher als Heger denn als Jäger bezeichnen“, machte Armin Jeß deutlich. Ein wichtiges Ziel sei es, die Arbeit der Seehundjäger transparenter zu machen und nicht nur den emotionalen Aspekt zu sehen. Deshalb solle die Öffentlichkeitsarbeit mit Unterstützung von Umweltminister Robert Habeck intensiviert werden.

„Der Nationalpark ist kein Zoo, sondern Wildnis pur, da gehört das Sterben auch dazu“, unterstrich der Direktor der Nationalparkverwaltung, Dr. Detlef Hansen, die Bedeutung der Hegearbeit von Seehundjägern. Mit seiner Anregung, das Seehund-Management zu unterstützen, fand der Kuratoriums-Vorsitzende, Landrat Dieter Harrsen, allgemeine Zustimmung.

Zum Thema „Sachstand zu den geplanten Explorationsbohrungen im Nationalpark“ erklärte Dietmar Wienholdt, es sei paradox, dass ausgerechnet in Westeuropas größtem Nationalpark Öl gefördert wird – bereits seit 1987 über die Bohr- und Förderinsel Mittelplate westlich vor Friedrichskoog. Schon seit Längerem würden in diesem Bereich weitere 60 bis 100 Millionen Tonnen Öl im Untergrund vermutet. Gutachter aber hätten festgestellt, dass Bohrungen nur über die Mittelplate erfolgen und Suchbohrungen im Watt nicht erlaubt werden sollten. „Wir sind froh, dass das Thema der Bohrungen rechtlich entschieden ist“, erläuterte Wienholdt. Geplante horizontale Bohrungen von Land aus könnten aber gemäß geltendem Bergrecht derzeit nicht verhindert werden.

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