Kreistag : Marschbahn nicht abhängen

In dieser Konstellation werden sie nicht mehr zusammenarbeiten: Die letzte Sitzung des Kreistages vor der Kommunalwahl fand am 23. März statt.
In dieser Konstellation werden sie nicht mehr zusammenarbeiten: Die letzte Sitzung des Kreistages vor der Kommunalwahl fand am 23. März statt.

Der nordfriesische Kreistag fordert „zwingend“ den zweigleisigen Ausbau zwischen Klanxbüll und Niebüll – jetzt ist Berlin am Zug.

Avatar_shz von
24. März 2018, 09:00 Uhr

Geht es um den Verkehr an der Westküste, stehen sofort zwei unendliche Geschichten im Mittelpunkt: der Ausbau der B5 und – wie im Kreistag in Husum – die Zweigleisigkeit für den 13,3 Kilometer langen Abschnitt Klanxbüll-Niebüll auf der Marschbahn-Strecke von Hamburg nach Westerland.

Das Schienen-Projekt soll nun laut eines einstimmigen Begleit-Beschlusses zu einem aktualisierten Positionspapier „Verkehr“ der Regionalen Kooperation Westküste mit folgender Ergänzung behandelt werden: Der zweigleisige Ausbau müsse „zwingend in den vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplanes aufgenommen werden – und der Umbau des Stellwerkes Westerland von mechanisch zu elektronisch oberste Priorität besitzen. Zu dieser Maßnahme gehören bereits aus Sicht der Regionalen Kooperation „eine Entzerrung im Bereich Westerland“ durch eine Erweiterung des dortigen Bahnhofs oder alternativ die Verlegung des Autoterminals sowie „klimaneutrale Antriebsformen“ durch eine durchgehende Elektrifizierung der Marschbahn möglichst mit Nutzung des regionalen Windstrom-Angebotes. Die Kooperation Westküste ist ein Zusammenschluss der vier Kreise Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg, die so gemeinsamen Infrastrukturprojekten bei Bund und Land mehr Gewicht verleihen wollen.

Die Zweigleisigkeit zwischen Klanxbüll und Niebüll bedeutet nicht nur mehr Kapazitäten auf der Strecke Niebüll-Westerland, sondern ist eine Voraussetzung, um den sogenannten Deutschland-Takt für den Fernverkehr auch zwischen Hamburg und Westerland einführen zu können: Dies hat die Deutsche Bahn für 2030 auf dem Plan.

„Das sind ja nur noch schlappe zwölf Jahre“, merkte Ulrich Stellfeld-Petersen ironisch an. Der SSW-Fraktionsvorsitzende monierte, dass Klanxbüll-Niebüll im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans nur als „potenzieller Bedarf“ aufgenommen ist.

Ausgelöst durch den grünen Fraktionschef Uwe Schwalm kam es dann zu einem kleinen Disput. Schwalm konnte nicht nachvollziehen, warum in dem Positionspapier nachzulesen ist, dass Fahrplanangebot und Infrastruktur der Marschbahn nicht durch Konzepte wie eine Reaktivierung der Bahnstrecke Flensburg-Niebüll geschwächt werden dürfe. Der Grüne möchte offen sein, für eine Diskussion über eine „zweite Deichlinie“. Dies findet sein SPD-Kollege Thomas Nissen kontraproduktiv: „Es wird nicht beides geben. Und es gibt die Idee, den Fernverkehr über die Ostküste laufen zu lassen.“ Florian Lorenzen (CDU) stand Nissen bei und wies noch auf eine andere Konkurrenz hin: Danach belegt die Marschbahn mit 155 bis 160 Millionen Euro im Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes Platz zwei, gefolgt von „S4“, eine S-Bahnstrecke von Hamburg nach Bad Oldesloe mit etwa 600 Millionen. Würde dieses Projekt auf Platz zwei rücken, sieht Lorenzen schwarz für die Marschbahn.

Den Ausbau der B5, die Ausbaggerung der Fahrwasser Dagebüll-Föhr-Amrum und die Sicherung des Landeplatzes Husum-Schwesing haben die Nordfriesen ebenfalls in dem Papier der Kreise gesetzt. Nun ist Berlin am Zug.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen