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FriedrichstadtMarode Brücke : Marode Brücke: Zur Sicherheit einspurig über die Eider

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Ampelanlage soll die Extrembelastung der Klappen der Friedrichstädter Eiderbrücke reduzieren. Der Landesbetrieb für Verkehr und Straßenbau denkt über die Installation einer Geschwindigkeits-Meßanlage nach.

Friedrichstadt | Die Friedrichstädter Eiderbrücke ist auf zahllosen Postkarten als Motiv zu finden, erfreut sich bei Technikfreaks großer Beliebtheit und gehörte einst zu den ganz, ganz großen modernen Errungenschaften des Straßenbaus. Die Bevölkerung der Region hingegen sieht das stählerne Bauwerk weniger verklärt, für sie ist es einfach ein ganz wichtiges Bindeglied zwischen den beiden Kreisen Dithmarschen und Nordfriesland sowie die wichtigste Nord-Süd-Verbindung.

Schleswig-Holsteins Infrastruktur ist in schlechtem Zustand. Das zeigen marode Bauwerke wie etwa die Rader Hochbrücke, die Brücke Lindaunis, die Störbrücke oder die Eisenbahnhochbrücke Rendsburg. Jetzt droht die Friedrichstädter Eiderbrücke bei schwerer Belastung zu brechen.

Welche Bedeutung die Klappbrücke im Zuge der L 156 für die ganze Region hat, wurde in den Jahren 2007 und 2008 deutlich. Damals wurde sie von Grund auf saniert. Nicht nur die Berufspendler und Gewerbetreibenden, auch alle anderen Verkehrsteilnehmer mussten zum Teil einen Umweg von gut 25 Kilometern in Kauf nehmen, um den größten Fluss des Landes queren zu können.

Besonders eng wurde es, als dann im Zuge der gut sechsmonatigen Sanierung auch der Übergang für Fußgänger und Radfahrer teilweise gesperrt wurde. Denn auch dieser Personenkreis musste lange Umwege in Kauf nehmen. Nach Beendigung der knapp vier Millionen Euro teuren Sanierung sollte eigentlich ein großes Brückenfest an einem Sonntag im April 2008 gefeiert werden, doch der Landesbetrieb öffnete die Klappbrücke bereits am Sonnabend wieder für den Verkehr, so dass es nicht dazu kam.

Seit einigen Wochen fragen sich viele Brückennutzer, warum das Bauwerk nur noch einspurig befahren werden darf. Schließlich wurden vor nicht einmal zehn Jahren beide Klappen mit einem Schwimmkran herausgehoben und in der Rendsburger Nobis-Werft teilweise erneuert. Zudem wurden auch die gewaltigen Hydraulikstempel saniert. Dennoch regelt eine Ampelanlage nun den Verkehr. Noch bilden sich keine längeren Staus, doch in den Sommermonaten, wenn viele Touristen in der Eider-Treene-Sorge-Landschaft unterwegs sind, könnte sich das Bild schnell ändern. Dazu sagt Claus Reese, Ingenieur beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Itzehoe: „Wir wollen die Brücke so lange wie möglich bewahren. Durch die Ampellösung kommt es nicht zu einer doppelten Gewichtsbelastung.“

Dabei spielt die Tragfähigkeit des Bauwerks eigentlich keine Rolle, es kann locker zwei voll beladene Lkw verkraften. Allerdings habe man beobachtet, dass Lkw im Begegnungsverkehr nur ganz knapp auf der schmalen Fahrbahn der Brücke aneinander vorbeifahren können. Im Regelfall, so Reese, würden daher die Fahrer ihren Lastzug an der vermeintlich breitesten Stelle anhalten, um den Gegenverkehr passieren lassen zu können. Und optisch sei die breiteste Stelle an den beiden Brückenklappen. „Dort ist die Fahrbahn nicht breiter, nur durch die fehlenden Seitenträger wirkt diese Stelle so breit“, betont Reese. Und wenn dort dann auf den Klappen ein 40-Tonner stehe, und vor vorn ein weiterer vorbeirolle, würden die Klappen jedesmal erheblich belastet.

Der Ingenieur erläutert, dass beide Klappen quasi durch Stahlzapfen ineinander greifen. Und genau diese Verbindungsstelle werde extrem belastet. Messungen hätten nämlich ergeben, dass beispielsweise vollbeladene Erntefahrzeuge bis zu 55 Tonnen Gewicht auf die Straße bringen. „Die Ampel dient also lediglich zur besseren Gewichtsverteilung, beziehungsweise zur Reduktion“, sagt der Itzehoer Ingenieur. Gegenwärtig werde auch überlegt, auf der Brücke eine feste Geschwindigkeits-Überwachung zu installieren, da nur sehr wenige Fahrzeuge, so Reese, die vorgeschriebenen 30 Stundenkilomter einhalten würden.

Da das Stahlbogen-Bauwerk in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, beabsichtigt das Friedrichstädter Tourismusbüro, das Jubiläum im September mit einem großen Fest auf der Brücke über der Eider zu begehen. Doch noch ist nicht geklärt, ob dafür die L 156 für einen Tag gesperrt werden kann. Eigentlich müsste dies möglich sein, sind die Touristiker optimistisch, denn bereits im Jahr 2009 wurde die Brücke für einen Tag für den Verkehr gesperrt. Der Grund: Regisseur Niki Stein drehte dort für das ZDF den Film „Abschied in der Nacht“, ein historisches Melodram mit Katharina Wackernagel, Benjamin Sadler und Stefan Kampwirth. Den ganzen Tag hindurch wurde die Fdrichstädter Eiderbrücke umgebaut, damit sie für den Dreh auch so aussah, wie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

 

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erstellt am 25.Feb.2016 | 10:30 Uhr

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