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Husumer Nachrichten

18. August 2017 | 21:04 Uhr

Maritime Geburtstagskinder

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Tönninger Hafen ist 400, das Eidersperrwerk 40 Jahre alt: Am Montag beginnt die Festwoche mit vielen Veranstaltungen

Tönning | An der Westküste Schleswig-Holsteins gibt es im Vergleich zur Ostsee nicht viele Häfen. Einer der ältesten noch existierenden ist der von Tönning. Mit einer bunten Festwoche wird von Montag (5.) an sein 400-jähriges Bestehen gefeiert. Eine Woche lang gibt es Vorträge zur Geschichte, Musik, Führungen im Multimar Wattforum, Puppentheater, Mitmach-Aktionen für Kinder, einem Piratenspektakel auf der Adler II und als Höhepunkt am Sonnabend (10.) der Kutterkorso und das Packhaus-Festival. An dem Programm haben sich viele Vereine und Verbände der Eider-Staddt beteiligt. Auf ein offizielle Eröffnungsfeier wird verzichtet. "Es soll kein steifen Programm sein. Mitmachen und Erleben stehen im Vordergrund", sagt Tourismus-Chef Torsten Kress. Daher habe man sich bewusst für kleine, feine Veranstaltungen entschieden, keine für die Massen.

Und noch ein weiteres Geburtstagskind, wenn auch ein viel jüngeres, wird gefeiert: das Eidersperrwerk. Das Bollwerk gegen die Nordsee in der Eidermündung wird 40 Jahre alt. Bei einem Tag der offenen Tür am Sonnabend (10.) kann sich jeder ein Bild von Bau und Technik machen. Von 10 bis 17 Uhr hat es geöffnet. Es gibt einen Shuttle-Service vom Tönninger Hafen aus. Außerdem können ein Tonnenleger und ein Seenotrettungskreuzer am Eidersperrwerk besichtigt werden. Zum Abschluss am Sonntag (11.) gibt es einen Gottesdienst am Hafen, einen Kinder- und Blaulichttag von Polizei, DLRG und Zoll mit vielen Mitmachaktionen und zum Abschluss ein großes Open-Air-Dinner auf dem Marktplatz.

Seinen Hafen hat Tönning der wirtschaftlichen Blüte Eiderstedts im 16. Jahrhundert zu verdanken. Die Landwirtschaft florierte, so dass die Bauern so gar Vieh, Käse und Getreide exportieren konnten. Der alte, kleine Sielhafen in Tönning, etwas nördlich von dem jetzigen gelegen, reichte nicht mehr. Herzog Johann Adolf erteilte am 2. Januar 1611 dem Staller Hermann Hoyer den Auftrag, einen neuen Hafen zu bauen. Den Entwurf steuerte jener Johann Clausen Rollwagen bei, der der Erfinder der Schubkarre (Rollwagen) war und sich um den Deichbau auf Eiderstedt verdient gemacht hatte. Der Hafen erhielt damals seine heutige. 100 Segelschiffe sollten darin Platz finden. Der erste Entwurf eines größeren Hafens hatte der Herzog abgelehnt. Rollwagen plante außerdem die Bootfahrten von Tetenbüll nach Tönning und Garding nach Katingsiel, wie Helmut Staeglich in der 1990 erschienenen Stadtchronik "Tönning im Wandel der Zeiten" schreibt. In der Rekordzeit von nicht einmal zwölf Monaten, zwischen Frühjahr und Herbst 1613, stellte Rollwagen den Hafen fertig. Er übertrug die Arbeit Subunternehmern.

Es gab auch dramatische Momente: So erschoss Rollwagens Diener einen Arbeiter, woraufhin er gelyncht wurde. Rollwagen konnte sich nur durch ein Lösegeld aus der eigenen Lebensgefahr retten. Ein weiterer Rückschlag war ein schwerer Sturm im August 1613.

Mit einem Teil des Aushubs des 600 Meter langen und bis zu zehn Meter breiten Hafenbeckens wurde der Marktplatz aufgeschüttet. Auch der Brunnen wurde damals angelegt. Der Handel konnte beginnen. Landwirtschaftliche Produkte wurden ausgeführt, vieles eingeführt, darunter auch Elfenbein für den Hof auf Schloss Gottorf. Doch die erste Blüte des Hafens währte nur kurz, bald machte sich der 30-jährige Krieg auch auf der Halbinsel bemerkbar.

Nach dem Friedensschluss 1648 wurde die Zeiten nicht einfacher. Tönning wurde Festung. Im Nordischen Krieg anfang des 18. Jahrhunderts wird die Stadt von den Schweden besetzt und schließlich von Russen, Sacshen, und Dängen belagert. 1713 muss der schwedische General Stenbock kapitulieren. Ein Jahr später wird die Festung und das Schloss geschleift Tönning ist am Boden, nur noch 16 Kaufleute treiben Seehandel, nicht mehr als zehn verfügen über Schiffe, die meisten befahren damit nur die Eider. Weiteres Unglück bringt die Nordsee mit zwei Sturmfluten in den Jahren 1763 und 1775. Sie zerstören die Hafenschleuse.

Bergauf geht es erst wieder Ende des 18. Jahrhunderts. Der Schleswig-Holsteinische Kanal, der die Westküste über die Eider mit der Ostküste verbindet, wird gebaut. Zu dieser Zeit entsteht auch das Packhaus am Hafen. Als die Engländer 1803 im englisch-französischen Krieg die Elbe blockieren, werden alle Waren über Tönning nach Hamburg gebracht. Die Kaufleute reiben sich die Hände. Als die Franzosen 1806 die Kontinentalsperre verhängen, blüht der Schmuggel englischer Waren über Helgoland. Doch wird das schon 1809 unterbunden. Wieder einmal sind die fetten Jahren vorüber.

Aufschwung kommt noch einmal durch das Verschiffen von Eiderstedter Fleischrindern nach England ab 1842. Doch 1889 mit Ausbruch der Maul- und Klauenseuche istauch das vorbei, die Engländer erlassen ein Einfuhrverbot. Der zweite Nackenschlag ist der Bau des Nordostseekanals, die Handelsströme verlagern sich. Tönning wird mehr und mehr zu einem Fischereihafen. Doch seit dem Bau des Eidersperrwerks legen die Kutter im dortigen Hafen an. Heute ist Tönning ein Sportboothafen. Das Land Schleswig-Holstein würde ihn gerne loswerden, doch bislang konnte es sich nicht mit der Stadt einigen.

Weitere Info zum Festprogramm unter www.toenning.de.

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erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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