Autorenpaten : Manfred Schlüter formt die Schriftsteller von morgen

Manfred Schlüter möchte wissen, was er alles an seinem Arbeitsplatz braucht.
Foto:
Manfred Schlüter möchte wissen, was er alles an seinem Arbeitsplatz braucht.

Manfred Schlüter wird für 15 FTS-Schüler für knapp ein Jahr zum Autorenpaten. Gemeinsam schreiben sie Geschichten für ein Buch.

shz.de von
23. Januar 2018, 17:50 Uhr

Husum | „Ich muss euch was gestehen“, startet Manfred Schlüter (65) seine Lesung. „Ich weiß, dass ihr in der fünften Klasse und heraus aus dem Bilderbuch-Alter seid, aber ich bin noch mittendrin.“ Der Autor und Illustrator möchte bei den Mädchen und Jungen von der Ferdinand-Tönnies-Schule (FTS) das Interesse für das Schreiben von Geschichten wecken. Außerdem sollen die Kinder ihn kennenlernen.

Manfred Schlüter übernimmt an der Schule die Autorenpatenschaft für 15 Schüler. Von Februar bis September kommt Schlüter 25 Mal in die Schule.

Margrit Ehbrecht ist die Vorsitzende des Friedrich-Bödecker-Kreises Schleswig-Holstein, der Verein ermöglicht den Schülern das Projekt gemeinsam mit der FTS und der Stadtbibliothek Husum. Gefördert wird es von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Eis zwischen sich und den Kindern zu brechen, fällt dem Bilderbuchautor nicht schwer. Er zeichnet einen Tisch auf ein großes Blatt Papier. „Was brauche ich noch zum Malen?“ Nach kurzem Zögern schießen die Hände der Fünftklässler in die Höhe: „Einen Block, Farbe, Stifte.“ Er erzählt den Kindern von seinem ersten illustrierten Buch, dem langen Weg bis eine Figur so aussieht, wie er sie haben möchte und von seinen frühen Versuchen als Autor. „Meine erste Geschichte habe ich erst vor knapp 30 Jahren geschrieben und meinem Freund Boy Lornsen gezeigt.“ Der Nis-Puk-Autor korrigierte Schlüters Text. Auf den Blättern von damals sind an fast jedem Satz Anmerkungen von Lornsen. „Von ihm habe ich dadurch viel gelernt.“

Und jetzt möchte der 65-Jährige den Kindern etwas beibringen. Als Autorenpate arbeitet er mit ihnen an Geschichten und Bebilderungen. Das Thema ist „Meerwort, Küstenbilder und alles, alles andere...“. Ansonsten sollen der Kreativität keine Grenze gesetzt werden.

Außerdem besuchen die Kinder die Schreib- und Malwerkstatt des Künstlers, machen eine Lesenacht und besichtigen das Theodor-Storm-Haus, das Pole-Poppenspäler-Museum und das Husumer Schifffahrtsmuseum, um Inspirationen zu sammeln

„Am Ende sollen alle entstandenen Werke in einem Buch zusammengefasst werden“, sagt Ehbrecht. Die Schreibwerkstatt ist für die Kinder kostenlos, und es komme auch nicht darauf an, ob die Kinder bereits Geschichten schreiben oder nicht.

Die Autorenpatenschaft gibt es in Schleswig-Holstein bereits das zweite Mal, bundesweit läuft das Förderprojekt seit 2013 an insgesamt 30 verschiedenen Schulen. „In Husum haben wir uns für die FTS entschieden. An den beiden Gymnasien gibt es in der Regel bereits mehr Förderangebote.“

Die Schüler der Gemeinschaftsschule scheinen sich schon auf die Zeit mit ihrem Autorenpaten zu freuen: „Sie sind toll“, lobt ein Mädchen Schlüter während der interaktiven Lesung.

Und auch bei dem Autoren steigt die Vorfreude: „Ich bin gespannt, wie das wird. Ist ja auch für mich das erste Mal, dass ich bei so etwas mitmache.“ Er habe zwar schon Schreib- und Malwerkstätten geleitet, aber nie über ein Jahr hinweg mit Schülern an etwas gearbeitet. „Der Zeitraum ist das Besondere.“

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen