Private Kunstakademie in Husum : Malerei – von der Pike auf gelernt

Abschlussfeier: Akademieleiterin Anja Pletowski mit Dr. Joachim Pfeffer, Ieke Bruinsma und Barbara Wortmann (v. l.)
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Abschlussfeier: Akademieleiterin Anja Pletowski mit Dr. Joachim Pfeffer, Ieke Bruinsma und Barbara Wortmann (v. l.)

Der erste Jahrgang der Kunstakademie für Spätberufene in Husum feiert seinen Studienabschluss.

shz.de von
13. Februar 2018, 12:00 Uhr

Die ersten drei Studenten, die an der im Jahr 2015 in Husum gegründeten Privaten Kunstakademie für Spätberufene ihr Studium aufgenommen hatten, feiern jetzt ihren erfolgreichen Abschluss.

Dr. Joachim Pfeffer (68) entdeckte früh seine Freude an der Kunst: „Als Kind nahm ich an einem Malwettbewerb teil. Lehrer und Eltern monierten mein Bild, weil es gegen den Strich gemalt war. Aber genau das gefiel der Jury und ich bekam den ersten Preis“, erinnert sich der Ostenfelder Apotheker und glaubt, auch die Gründe für das Ungewöhnliche in seinem Bild zu kennen: „Zuvor hatte ich einige Wochen bei Freunden meiner Eltern gewohnt – im Haus des Malers und Bildhauers Karl Tüttelmann, wo ich mich im Atelier bewegen und alles spielerisch ausprobieren durfte.“

Den damals Neunjährigen mag das so geprägt haben, dass ihn die Faszination der Malerei nie wieder los ließ. Mit seiner Frau hat er sich einem Sammlerkreis für moderne Kunst angeschlossen. Er habe sich angemeldet, „um Kunst besser erkennen und beurteilen zu können“. Jetzt wisse er, wie viel an gedanklicher Arbeit in guter, abstrakter Kunst stecke.

Auch Ieke Bruinsma (56) hat schon als Schülerin gerne gezeichnet und Kunst als Abitur-Fach gewählt. In den Niederlanden besuchte sie die höhere Hotelfachschule. In Deutschland schulte sie zur Steuerfachgehilfin um und bildete sich zur Bilanzbuchhalterin fort. Als sie vor neun Jahren nach Ramstedt kam und aus der Zeitung von der Gründung der Kunstakademie erfuhr, meldete sie sich spontan an und stellte fest, dass ihre Bilder mehr Tiefe bekamen. Dennoch war sie manchmal kurz davor, alles hinzuwerfen, weil ihr wiederholt nahelegt wurde, ein eigenes Thema zu finden. Der Knoten platzte mit dem Beginn der Flüchtlingswelle: Mit „Flucht und unsere Gesellschaft“ fand Ieke Bruisnma ihr Thema: „Ich weiß jetzt, dass es sich lohnt, durchzuhalten, auch wenn nicht immer gleich alles klappt.“ Inzwischen stellt sie ihre Werke bereits aus, aber sie will in der Absolventenklasse weitermachen und sich so auch in Zukunft weitere wertvolle Tipps holen.

Bei Barbara Wortmann (63) aus den Reußenkögen hatten Vater und Großvater beruflich wie privat den Pinsel in der Hand, und so war bei ihr das Interesse an der Malerei ebenfalls früh da. „Leider konnte ich nicht in ihre Fußstapfen treten“, erinnert sie sich an eine Zeit, als Handwerksberufe für Mädchen noch weitgehend tabu waren. Sie arrangierte sich mit der Situation, doch der Wunsch, die Grundlagen der Malerei zu erlernen, war auch während der Zeit von Familie und Beruf immer präsent. Sie belegte Seminare und Kurse, um in der Malerei weiter zu kommen, und stellte ihre Werke in einer deutsch-dänischen Produzentengalerie aus. Als die Kinder aus dem Haus waren und das Arbeitsleben zu Ende ging, sollte der alte Traum endlich leben dürfen. „Das Studium sah ich als eine Riesenchance für mich“, sagt Barbara Wortmann. Sie ist dankbar dafür, dass alles, was sie in den drei Jahren gelernt hat, im Ergebnis ihrer Bilder sichtbar geworden ist. „Kein Kurs der Welt kann so ein Studium ersetzen“, sagt sie.

Anja Pletowski, die Gründerin der Akademie, hatte nur Lob für die Absolventen: „Ich bin begeistert vom hohen Niveau der Abschlussarbeiten – spannend, welch riesige Entwicklungsschritte unsere Studenten geschafft haben.“

Zur Zielgruppe der Akademie gehören Menschen, die dem üblichen Studienalter entwachsen sind und die Malerei von der Pike auf erlernen wollen. Neuerdings können sie an der Akademie auch ein Online-Studium absolvieren.

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