Kunst in Tetenbüll : Malerei trifft Fotografie

Tanja Gott und Heiko Westphalen vor ihren Werken: Links ein Stillleben der Malerin, rechts oben eine Wollgraswiese des Fotografen.
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Tanja Gott und Heiko Westphalen vor ihren Werken: Links ein Stillleben der Malerin, rechts oben eine Wollgraswiese des Fotografen.

Im Haus Peters in Tetenbüll wird eine Doppelausstellung mit Werken von Tanja Gott und Heiko Westphalen gezeigt.

shz.de von
14. Mai 2018, 11:00 Uhr

Wenn Malerei und Fotografie in einen Dialog treten, dann kann das schroff und irritierend werden oder fruchtbar und bereichernd - wie bei der aktuellen Doppelausstellung im Haus Peters in Tetenbüll: Heitere, farbenfrohe Werke der Hamburger Künstlerin Tanja Gott treffen hier auf die kunstvoll verfremdeten Arbeiten des Flensburger Fotografen Heiko Westphalen, die selbst oft wie gemalt wirken.

Beide Künstler lieben maritime Sujets, Meer, Wellen, Himmel und Boote. Beide genießen den Prozess des Schöpfens. Das eint sie, aber das trennt sie auch; denn jeder hat seinen ganz eigenen Stil und individuellen Ausdruck gefunden.

Die Malerin und Illustratorin Tanja Gott, Schülerin von Erhard Göttlicher und Almut Heise, zeigt „liebste Orte“: stimmungsvolle Hafenszenen, maritime „Momentaufnahmen“ und detailreiche Stillleben-Bilder, die in ihrer Gegenständlichkeit einen ganz persönlichen, ausschnitthaften Blickwinkel einnehmen und oft mit hintergründigem Humor den realen Alltag schildern. Wie die „Tischlein-deck-dich“-Arbeiten unter den Stillleben, die „Lebensstationen“ beleuchten, wenn klebrige Marmeladenbrote und ein schmieriger Tisch von der Anwesenheit kleiner Kinder künden oder das abgelegte Gebiss und die Lesehilfe neben dem Foto der Enkel vom Alter erzählen. Augenzwinkernd hat Tanja Gott ihren unaufgeräumten „Spülenbildern“ den Zusatz „Schönfärberei“ gegeben: Auch das blanke Chaos kann poetisch sein, wenn man es mit den Augen einer Malerin sieht. Spöttisch lässt Tanja Gott Menschenmassen zum Spaziergang am Strand antreten, während sie auf anderen Bildern stimmungsvoll maritime Details in den Fokus rückt oder den Blick auf dümpelnde Boote und Lichtreflexe im Wasser lenkt. „Ich bin kein düsterer Mensch“, sagt Tanja Gott. Ihre Bilder verraten denn auch die reine Malfreude und laden den Betrachter ein, der Künstlerin an ihre „liebsten Orte“ zu folgen, um deren Facettenreichtum zu entdecken.

Besondere Orte spiegeln auch Heiko Westphalens Werke. Wenn sich der Fotokünstler mit der Kamera auf die Welt „zwischen Himmel und Erde“ konzentriert, wird das niemals zur bloßen Abbildung. In einer komplizierten digitalen Nachbearbeitung seiner Fotografien legt Westphalen verschiedene Texturen über das eigentliche Motiv und verfremdet es kunstvoll. So erhalten seine Arbeiten eine malerisch anmutende Qualität und Stimmung, verströmen Klarheit und Ruhe, spiegeln unendliche Weite oder brüchige Strukturen, lassen Boote schweben, Strandkörbe aufmarschieren und Bullaugen leuchten. Ein spannendes Spiel mit überkommenen Sichtweisen, denen Heiko Westphalen Flügel verleiht und sie in neue, rätselvolle Dimensionen führt.

Die Doppelausstellung „Malerei trifft Fotografie – Tanja Gott und Heiko Westphalen“ ist bis 5. August im Haus Peters zu sehen. Öffnungszeiten im Mai: Dienstag bis Sonntag: 14 bis 18 Uhr, ab Juni: Dienstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr.

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