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Modernes Verfahren : Magnetische Farben weisen den Weg

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Tönning werden Seezeichen auf Vordermann gebracht. Der Bauhof des dortigen Wasser- und Schifffahrtsamtes bedient sich eines neuen Verfahrens, das wesentlich effektiver und umweltfreundlicher ist.

Weniger Eis bedeutet weniger Beulen. Das war’s auch schon, ansonsten ist die Arbeit dieselbe. Die Nachwehen des Winters halten sich in Grenzen – zumindest auf dem Gelände des Bauhofs des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Tönning ist davon nicht viel zu sehen. In Reih und Glied liegen die Seetonnen. Leuchtend rot oder grün, manche von ihnen gelb, andere eher unansehnlich und mit einer krustigen Muschelschicht bedeckt.

Es dröhnt und rauscht in den Hallen. Auf dem Außengelände ist „Ede“ Lehmbeck mit einen mobilen Kran unterwegs. Er bugsiert die Tonnen von A nach B. „Ein ganz normaler Tag“, sagt Jens-Peter Dühn. Der 43-jährige Maschinenbauingenieur leitet den Bauhof seit Februar 2008. Er und seine Mitarbeiter kümmern sich um sämtliche schwimmende und feste Seezeichen zwischen dänischer Grenze und Elbmündung – rund 650 Tonnenpositionen, 17 Leuchttürme und nicht weniger als 2.000 Pricken (dünne Birkenstämme oder lange Holzpfähle) haben die Männer im Visier.

Bereits im November eines jeden Jahres verlassen die Tonnenleger „Triton“ und „Amrumbank“ mit ihrer im besten Wortsinne tonnenschweren Ladung die Häfen, um die Sommer- gegen die Wintertonnen auszutauschen oder Seezeichen an neue Standorte zu bringen. „Die Gezeiten sorgen dafür, dass sich die Positionen stets ändern“, sagt Dühn. Immer wieder würden sich die Fahrrinnen draußen im Wattenmeer verändern und deshalb die Seezeichen entsprechend umgesetzt werden. Die Wintertonnen sind wesentlich schlanker als die Sommervariante. Warum? „Nun“, sagt Dühn, „ganz einfach. Eine schlanke Tonne bildet einen geringeren Widerstand bei Eisgang.“ Logisch.

Sechs Jahre soll eine Seetonne dem Wind und Wetter standhalten, soll sie dem Eis trotzen – und nicht gleich bei einem möglichen Schiffskontakt sinken. „Realistisch sind aber nur drei Jahre“, sagt der Leiter des Bauhofs. Also eine wesentlich kürzere Zeit. Und das trotz regelmäßiger Wartung und Pflege. „Doch so ist das nun mal. Die Witterung setzt den Seezeichen schon heftig zu.“

Draußen auf See heben die Tonnenleger die schwimmenden Seezeichen samt Kette und Stein aus dem Wasser. Noch am Haken und an Bord werden die wuchtigen Bojen von gröbstem Schmutz und Muschelbesatz befreit und wenn nötig ausgetauscht. Von den Häfen Büsum und Dagebüll geht es dann anschließend per Lkw nach Tönning.

In der Eider-Stadt werden die bis zu acht Meter langen Tonnen dann auf Vordermann gebracht. Dieser Prozess beginnt mit dem Sandstrahlen des gesamten Tonnenkörpers. Anschließend geht es in die nächste Halle, in der die Seezeichen komplett grundiert, mit Haftgrund versehen und anschließend lackiert werden.

Was vor wenigen Jahren noch mit Farbroller und Pinsel in mühevoller Handarbeit vollzogen wurde, geschieht heute mit Hochdruck einer Farbspritzanlage. Das Besondere: Das WSA bedient sich elektrostatischer Farben, die sich auf dem Tonnenkörper absetzen, indem sie magnetisch an der Oberfläche haften. Die Wartung einer Tonne ist somit nicht nur schneller, sondern auch viel effektiver.

In der Werkstatt nebenan schraubt Michael Thomas an einem Solaraufsatz herum. Seit dem Jahr 2009 sind die Leuchtfeuer an der Küste von Gas- auf Solarbetrieb umgestellt worden. Die modernen Seezeichen sind sicherer, wartungsfreundlicher und zeichnen sich durch höhere Standzeiten aus. Das Solarmodul speichert Energie in einer modernen Hochleistungsbatterie. Beides gewährleistet einen langen Betrieb – auch bei bedecktem Himmel. „30 Tage ohne Sonne sind kein Thema bei den Dingern“, sagt Thomas. Bis zu fünf Jahre halten die 200 Kilogramm schweren Batterien. Das Signal, das die Leuchtzeichen senden, ist aus einer Entfernung von zwei Seemeilen zu erkennen, bei guter Sicht sogar aus mehr als vier Seemeilen Distanz.

Gut 50 Mitarbeiter sind auf dem Gelände des Bauhofs im Einsatz, davon 18 Auszubildende. Nicht nur die Wartung der Seezeichen gehört zu den Betätigungsfeldern der Leute, sondern auch das Eidersperrwerk, die Schleusen in Nordfeld und Lexfähre. Zudem kümmern sie sich um die Ausstattung der Tonnenleger, der Arbeitsschiffe und Schuten. Saisonarbeit kennen die Männer und Frauen vom Bauhof nicht. „Bei uns gibt’s jeden Tag viel zu tun“, sagt Dühn.

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erstellt am 18.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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