Magische Grenze durchbrechen

Abendstimmung in den Reußenkögen: Künftig werden die Windmühlen noch höher in den Himmel hinauf ragen.  Foto: rah
Abendstimmung in den Reußenkögen: Künftig werden die Windmühlen noch höher in den Himmel hinauf ragen. Foto: rah

Gemeinde Reußenköge löst Beschränkung auf 100 Meter Höhe bei den Windmühlen auf / Einwohner sind mehrheitlich dafür

shz.de von
15. September 2012, 08:54 Uhr

Reußenköge | Da gingen die meisten Finger der windkrafterprobten Bürger der Gemeinde Reußenköge in die Höhe. Bürgermeister Johannes Volquardsen hatte nämlich in der Einwohnerversammlung die Frage gestellt: "Wollen wir für die Zukunft die 100-Meter-Grenze kippen?" Und er stellte mit einem Blick über die mehr als 80 Anwesenden in der Koogshalle fest: "Eindeutige Mehrheit."

Ihm sei es ein Anliegen, für künftige Entscheidungen ein Stimmungsbild einzufangen, sagte der Gemeinde-Chef zu Beginn. Bisher habe Einigkeit darüber bestanden, dass die Mühlen wegen der dann erforderlichen Dauerbefeuerung nicht über die magische Grenze von 100 Meter hinaus wachsen zu lassen. Doch zum einen gehe die technische Entwicklung rasant weiter, zum anderen sage ein der Gemeinde vorliegendes Gutachten, dass ein Mehrertrag von 60 Prozent mit 30 Prozent weniger Anlagen erzielbar sei. Das Problem der Befeuerung werde ganz sicher in absehbarer Zeit gelöst. Nur wenn sich ein Flugzeug in einer bestimmten Höhe nähere, würden die bisher von den meisten als lästig empfundenen Blinklichter automatisch ein- und später wieder ausgehen.

"Wir wollen aber keine Dauerbefeuerung", betonte Volquardsen. Seiner Ansicht nach sei aber die Meterzahl auch nicht das Entscheidende. Der Bürgermeister: " Ich könnte nicht schätzen, wie hoch eine Mühle tatsächlich ist." Auf die Frage aus der Bürgerrunde, wie die Nachbargemeinden das sehen, erläuterte Hans-Jürgen Fröhlich vom Bauamt, dass Högel, Vollstedt und Drelsdorf sich keine Höhenbegrenzung auferlegt hätten. In Sönnebüll sei sogar eine Testanlage von weit über 150 Meter im Gespräch. In Langenhorn stünden bereits vier 150 Meter hohe Mühlen, Bordelum plane mit 150 Metern. Nur Joldelund, Goldelund und Goldebek hielten an einer Begrenzung auf 100 Meter fest. Sowohl in Langenhorn als auch in Bordelum werde mit den Herstellern vertraglich vereinbart, dass auf Bedarfsbefeuerung umgerüstet werde, sobald die Technik das hergebe.

"Sie können hier mehr Wind ernten", bekräftigte Fröhlich. "Wir verdienen gutes Geld mit Windkraft. Wenn wir mehr wollen, brauchen wir höhere Mühlen", so die Meinung eines Bürgers.

Es gab wenig kritische Stimmen. Eine Bürgerin mahnte die etwaige höhere Geräuschkulisse an. Dazu der Bürgermeister: "Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Das wird begutachtet, und wenn die Werte nicht eingehalten werden, wird keine Baugenehmigung erteilt."

Was nutzt mehr Leistung, wenn der Strom wegen des fehlenden Netzausbaus nicht abgenommen wird?. wollte eine Bürgerin wissen. Sicher sei das derzeit so, räumte Volquardsen ein, doch auch daran werde gearbeitet. Gemeindevertreter Dirk Albrecht ergänzte: "Es ist geplant, ein Umspannwerk für die bessere Anbindung in Breklum zu bauen."

Vor dem Start der Einwohnerversammlung hatte die Öffentlichkeitsbeteiligung bezüglich der 17. Änderung des Flächennutzungsplanes stattgefunden. Dazu erläuterte Hans-Jürgen Fröhlich als stellvertretender Bevollmächtigter, dass durch den neuen Regionalplan kleinere Flächen herausgenommen werden mussten. "Es gibt von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland noch den Hinweis auf einen Seeadler." Ein Vorgutachten sage aber, dass er zur Nahrungsaufnahme über die Hattstedtermarsch und nicht über die Reußenköge fliege. Das endgültige Gutachten sei aber noch in Arbeit.

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