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Begehrte Bucheckern : Magere Ernte im Immenstedter Forst

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bucheckern aus dem Immenstedter Forst sind gefragt, denn die Bäume sind optimal an den Standort angepasst. Sie vertragen salzige Luft und vor allem auch starke westliche Stürme.

Es gibt einen Schatz in Immenstedt. Er wurde in diesem Jahr nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit gehoben, besser geerntet. Und das nicht zum ersten Mal. Nur etwa alle acht Jahre kann im Immenstedter Forst geerntet werden, denn dort stehen viele prächtige Buchen, die nicht von Menschenhand gepflanzt worden sind, sondern, wie es Förster Claas Löhr-Dreier vom Forstamt Idstedt sagt, „auf natürlichem Wege dort gewachsen sind.“ Daher ist das Saatgut dieser autochthonen Bäume sehr gefragt. (Als autochthon bezeichnet man in der Biologie Lebewesen, die im Verbreitungsgebiet entstanden sind, sich evolutionär gebildet haben oder dort ohne menschlichen Einfluss im Zuge von natürlichen Arealerweiterungen eingewandert sind. In der Botanik spricht man bei Bäumen von autochthonen Arten). Im Immenstedter Forst wurden daher knapp vier Wochen lang unter den Buchen Netze vom Kieler Erntebetrieb Dr. Ralf Stölting aufgespannt, um die herabfallenden Bucheckern aufzufangen.

„In diesem Oktober gab es nur eine geringe Ausbeute von rund 150 Kilogramm“, sagt Stölting. Die Mast der Bäume sei sehr gering gewesen. Der Ausdruck stamme aus alten Zeiten. Damals trieben die Bauern nämlich ihre Schweine in den Wald. Sie mästeten sich dort mit Bucheckern und Eicheln. „Wir haben auch schon in guten Jahren bis zu 500 Kilogramm Eckern geerntet“, sagt der Kieler. Eigentlich hätte er in diesem Herbst gar nicht ernten wollen, da nur wenige Bäume genügend Früchte und vor allem auch sehr spät getragen hätten. Doch das Saatgut sei gebraucht worden. „Und so wenig ist es auch wieder nicht, denn daraus könnten bis zu eine Million Bäume wachsen.“

Nur ganz genau ausgewiesene Baumbestände werden zur Ernte genutzt, insgesamt sind es 20 bis 30 Arten deutschlandweit. Die Immenstedter Buchen seien sehr interessant, da sie sich optimal an den Standort angepasst hätten, sie vertragen die salzhaltige Luft und trotzen auch den Stürmen. Es sind die nordwestlichsten Saatbäume in Deutschland, berichtet Stölting, der sein Saatgut im Auftrag der Landesforsten erntet, um es dann im Pinneberger Raum an Baumschulen abgibt. Dort werden aus den Eckern Buchen gezogen, die zweijährig, wie es Förster Löhr-Dreier berichtet, vom Forst gepflanzt werden. Dann sind die kleinen Bäume zwischen 50 und 80 Zentimeter hoch. Wenn die Netze geleert werden, dann wird das Material im Beisein eines Landesbediensteten in einem Behälter verplombt, denn nur genetisch reines Material dürfe dann weitergegeben werden, erläutert Stölting.

Die Holzqualität der Bäume sei gut, doch nicht herausragend, betont der Kieler Stölting, weist aber daraufhin, dass Buchen von anderen Standorten wohl wesentlich schlechter in der Region wachsen würden. Die Immenstedter Nachzuchten werden überall nördlich des Kanals gepflanzt, denn nach dem Orkan Christian müsse immer noch viel aufgeforstet werden. Viele einstigen Nadelholzbestände seien umgeworfen worden und würden nun in Mischwald umgewandelt. Auch wenn die Eiche als „deutschester“ Baum gilt, gebührt eigentlich der Rotbuche diese Ehre. Ohne den Eingriff des Menschen wären mehr als zwei Drittel der Wälder in Deutschland buchendominiert, jetzt sind es nicht einmal 15 Prozent.

Noch einen zweiten Hotspot gibt es in Nordfriesland. In der Gemeinde Drelsdorf stehen einige registrierte Sitkafichten, die ursprünglich aus den USA stammen. Diese Baumart komme sehr gut mit den hiesigen Verhältnissen zurecht und liefert sehr gutes Bauholz, berichtet der Baumexperte. Daher seien dort auch die Sitkazapfen geerntet worden.

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erstellt am 06.Nov.2015 | 13:00 Uhr

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