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Kunst in Tetenbüll : Märchenbilder aus einer fast heilen Welt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Leuchttürme und Mee(h)r“: Das Haus Peters in Tetenbüll zeigt bis Februar 2018 Werke von Ole West.

„Ich spinne gern“, verrät Ole West bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Leuchttürme und Mee(h)r“ im Haus Peters in Tetenbüll. Und erntet fröhliches Gelächter der dicht an dicht stehenden Vernissage-Besucher.

Künstler-Kollege Horst Janssen, dessen Eiderland-Mappe hier eine Dauerausstellung gewidmet ist, hätte seine Freude an dem Satz gehabt, soll er doch einmal gesagt haben: „Wen die Götter lieben, den lassen sie spinnen.“ Ole West wird ohne Zweifel von den Göttern geliebt. Davon zeugen seine fantasievollen Arbeiten: Ölbilder, Radierungen, Aquarelle, Zeichnungen und Collagen in Mischtechnik. Bilder, die Geschichten erzählen. Und ein Lächeln in die Gesichter der Besucher zaubern. Feinsinniger Humor, Nachdenklichkeit gepaart mit Ironie, heiterer Hintersinn, Lebenslust und Scharfsinn prägen Ole Wests Arbeiten. Fesselnde Märchenbilder auf den ersten Blick, deren scheinbar heile Welt bei genauem Hinschauen auch mal Risse hat.

Mit poetischer Kraft entführt Ole West in magische Bildwelten, wenn er einen gewaltigen orange-gelben Fisch als „Wetterflosse“ über die norddeutsche Marschlandschaft fliegen lässt. Oder den Betrachter zu einem Spaziergang nach Westerhever einlädt, wo der Leuchtturm in übereinander platzierten Szenen allmählich entschwindet, kleiner und kleiner wird und sich am Ende in der Abenddämmerung verliert. Dieser Leuchtturm hat es dem Künstler angetan: Immer wieder rückt er ihn in den Fokus. Ole West lässt seine Bilder sprechen: „Guck mal, alle sind wieder da“ hat er eine Arbeit betitelt, die zwei Raben im Watt vor dem Westerhever-Leuchtturm bei Vollmond zeigt. So setzt der Künstler immer wieder kleine, feine Brüche, indem er Tiere zu überraschenden Protagonisten macht.

Ole West, Jahrgang 1953, der in Hamburg Kinder- und Jugendbuch-Illustration und Malerei studierte, viele Jahre auf Norderney lebte und heute wieder in seiner Heimatstadt Wedel arbeitet, wird mit seiner Leidenschaft für Leuchttürme oft als „Leuchtturmmaler“ bezeichnet. Doch täte man ihm unrecht, ihn darauf zu reduzieren. Viel zu komplex ist sein facettenreiches Werk, das von seiner Liebe zu Norddeutschland getragen wird. Schiffe, Seezeichen, Fische, Möwen, Raben und Schafe, Küstenlandschaften und maritime Szene sind seine Themen. Er arbeitet unermüdlich, ist selbst im Urlaub mit dem Zeichenstift unterwegs, hält Gedanken und spontane Einfälle im Skizzenbuch fest, ist ein Nonstop-Kreativer, der gern auch mal zu ungewöhnlichen Maluntergründen greift. Seekarten, zum Beispiel. Die habe er ursprünglich aus Geldmangel bemalt, erzählt er: „Papier und Leinwände waren zu teuer.“ Seine Seekarten-Bilder wurden ein Hit und Ole Wests Markenzeichen. Dass er jeden Leuchtturm an Deutschlands Küsten porträtiert hat, stets gleichzeitig an mehreren Bildern arbeitet, sich von Storms „Schimmelreiter“ immer wieder inspiriert fühlt, selbst auch schon Kochbücher illustriert hat – dies alles erfuhr das amüsiert lauschende Publikum von einem gut gelaunten Künstler, der mit viel Witz aus dem Nähkästchen plauderte. „Unkonventionell und interaktiv“ werde die Ausstellung diesmal als Gespräch eröffnet, hatte Dr. Katrin Schäfer, Chefin von Haus Peters, anfangs versprochen. Und die Besucher nutzten ihre Chance.

Die Ausstellung „Leuchttürme und Mee(h)r“ von Ole West ist bis zum 25. Februar 2018 im Haus Peters in Tetenbüll zu sehen. Öffnungszeiten: Oktober – Dezember: Di.-So. 13-17 Uhr, Januar/Februar: Sa., So. 13-17 Uhr.

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