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Die Puppenspieler kommen : Märchen, Mythen und Hamlet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im September heißt es „Vorhang auf“ für das 32. Internationale Figurentheater-Festival in Husum. 51 Stücke stehen auf dem Programm.

Mit „Betrachtungen über das Staunen“ werden die Pole-Poppenspäler-Tage eröffnet. „Das passt“, finden Birgit Empen, Ruth Zimmermann und Carsten Stellert vom Vorstand des Förderkreises. Denn zum Staunen sind alle Freunde des Puppenspiels auch beim 32. Internationalen Figurentheater-Festival vom 18. bis zum 27. September eingeladen. Also fiel die Entscheidung für die „Wunderkammer“ nicht schwer. Diese tut sich am Freitag, 18. September, 20 Uhr, in der Hermann-Tast-Schule auf. Drei der bekanntesten Marionettenspieler Deutschlands – Alice T. Gottschalk, Raphael Mürle und Frank Soehnle –, betreten dann die Bühne und präsentieren mit Fadenfiguren Raritäten und Kuriositäten, wie sie in einem Museum zu finden sind. Ihr magisches Spiel wird von Jazzklängen begleitet.

Deutsche Märchen und Kinderbücher sowie die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sind in jedem Jahr fester Bestandteil des Programms. So kommen diesmal beispielsweise zur Aufführung: „Der kleine Muck“, ein Märchen von Wilhelm Hauff, der Kinderbuchklassiker „Robbi, Tobbi und das FlieWaTüüt“ von Boy Lornsen und „Hermann geht nach Engelland“, in dem es um einen Puppenspieler geht, der zur Truppenbetreuung in das besetzte Frankreich abgeordnet wird. Aufführungsort ist die Kultur- und Gedenkstätte Synagoge in Friedrichstadt, mit der der Förderkreis vor drei Jahren eine Kooperation abgeschlossen hat.

Insgesamt werden 51 Stücke geboten und um die 6000 Zuschauer aus ganz Deutschland erwartet. Es gibt Liebhaber dieser Kunst, die extra zum Festival anreisen – und dann auch schon mal – wie in einem Jahr ein Gast aus Hannover – im VW-Bus übernachten.

Gewidmet ist das Festival 2015 den weltberühmten „Hohnsteiner Puppenspielen“ anlässlich des 100. Geburtstages des Holzbildhauers Till de Kock, der überwiegend im Hohnsteiner Schnitzstil arbeitete. Einige seiner Geschöpfe sind im Poppenspäler-Museum im Schloss ausgestellt. Exklusiv für eine Aufführung von „Dr. Johannes Faust“ mit Johanna und Harald Sperlich vom Hohenloher Figurentheater (Herschbach) kehren Figuren des Till de Kock aus dem Museum für Puppentheater-Kultur Bad Kreuznach auf die Bühne zurück. Im Stil der Hohnsteiner ist als Handpuppenspiel „Das Räuberstück“ mit „Kasper“ von dem Kieler Puppenspieler Peter-Michael Krohn inszeniert worden. Nicht zu vergessen: „Drei Männer und ein Mythos: Die Hohnsteiner“. Wolf Buresch, Jürgen Maaßen und Jens Welsch geben zugunsten des Poppenspäler-Förderkreises eine Benefizvorstellung. Jürgen Maaßen hat für viele Bühnen in Deutschland die Figuren und die Ausstattung gebaut – er ist ein begnadeter Kasperspieler. Wolf Buresch war Ensemblemitglied der Hohnsteiner Puppenbühne Friedrich Arndt und entwickelte und spielte eigene Fernsehreihen, zum Beispiel „Hase Cäsar“. Jens Welsch besitzt vermutlich die größte private Sammlung von Puppen der Bühne Arndt.

Am Dienstag, 22. September, wird von 16 Uhr an im Poppenspäler-Museum ein Buch über Till de Kock vorgestellt. Grundlage ist die Dissertation der Kunsthistorikerin Dr. Astrid Fülbier über „Handpuppen- und Marionettentheater in Schleswig-Holstein 1920 bis 1960“, in der sie das Frühwerk de Kocks beschrieben hat. Die Kielerin gehört dem Poppenspäler-Vorstand an. In Zusammenarbeit mit Kennern des Museums für Puppentheater-Kultur ist ein umfangreicher Bildband zu Leben und Gesamtwerk des gebürtigen Belgiers entstanden, der von 1945 bis 1960 in Schleswig-Holstein lebte.

In der Reihe „Puppenspieler stellen sich vor“ steht die international bekannte niederländische Künstlerin Damiet van Dalsum Astrid Fülbier Rede und Antwort und ist für das Husumer Publikum mit dem Marionettenspiel „Das Circuskind“ zu erleben.

Bei Astrid Fülbier laufen auch die Bewerbungen von Bühnen ein, denn das Husumer ist europaweit ein überaus beliebtes und anerkanntes Festival in Puppenspieler-Kreisen. Die Expertin besucht zudem selbst zahlreiche Ereignisse dieser Art, um Kontakte zu knüpfen und „Newcomer“ für Nordfriesland ausfindig zu machen. Birgit Empen: „Die Puppenspieler entwickeln sich immer weiter, was bedeutet, dass die Bühnen in Bezug auf Technik immer besser werden müssen.“

Literarisch und künstlerisch sind Finnland, Griechenland, Russland, Estland, Dänemark, Schweden, die Niederlande, Spanien, England und die Schweiz vertreten – und zu Gast Bühnen aus den Niederlanden, Österreich, Deutschland und sogar Griechenland mit dem „Arima Puppet Theatre“ und dem Versepos „Erotokritos“ des kretischen Autors Vicent Kornaros (1553 bis 1614). Auch der Bestseller „Der wunderbare Massenselbstmord“ des mehrfach ausgezeichneten finnischen Schriftstellers Arto Paasilinna – einem Meister des skurrilen Humors – ist durch das „Theater 7Schuh“ (Görlitz) und das „theater Blaues Haus“ (Krefeld) sicherlich ein Höhepunkt. Mit Handpuppen haben sich „die exen“ (Passau) an die „Geierwally“ herangewagt. Dorothee Carls und Annika Pilstl verleihen dem Heimatroman der Wilhelmine von Hillern, der als Film berühmt geworden ist, durchaus ironische Untertöne. Es geht um einen Vater-Tochter-Konflikt, denn die junge Wally lässt sich nicht sagen, wen sie lieben soll – und das im 19. Jahrhundert in Tirol.

Birgit Empen und Ruth Zimmermann sind schon jetzt begeistert: „Der andere Blickwinkel ist spannend – die Nibelungensaga aus Sicht von Brunhild und nicht aus der Gewinnersicht von Kriemhild.“ „Looking for Brunhild“ ist eine Produktion der Berliner Puppenspieler Veronika Thieme und Pierre Schäfer. Sie setzen Brunhild in einen Rollstuhl und in ein isländisches Altersheim. Dort erzählt die Betrogene von den Ränkespielen – und dabei einiges ganz neu. Das Stück ist ein Kammerspiel, größtenteils in Versen, das mit acht Figuren und elf Puppen umgesetzt wird.

Auf einen Dachboden verlegt der renommierte Kieler Puppenspieler Marc Schnittger, seinen „Hamlet“. Mit großen Figuren werden Gedanken und Gefühle – Schmerz, Wut und Hass – des berühmten, von William Shakespeare geschaffenen Charakters für das Publikum geradezu greifbar.

Die „Entdeckungen“ des vergangenen Jahres waren das „Theater Couturier“ und die „Juwie Dance Company“ (beide Berlin). Sie kommen wieder und laden mit „Guten Tag, wo ist mein Fuß?“ dazu ein, die phantastische Bilderwelt des berühmten spanischen Malers Joan Mirð (1893 bis 1983) zu entdecken.

Dass ein solches Ereignis ehrenamtlich auf die Beine gestellt wird, dürfte europaweit einzigartig sein. Die große Wertschätzung, die Vorstand und Arbeitskreis entgegengebracht wird, ist Lohn genug, betont Ruth Zimmermann. „Wir versuchen, alle Stücke anzuschauen“, freut sich Birgit Empen auf diesen „Ausnahmezustand“. Noch herrscht in den Reihen der Organisatoren eine gewisse Spannung – und die legt sich erst, so Ruth Zimmermann, „wenn der erste begeisterte Zuschauer den Saal verlässt“.

 

Vorverkauf


Der Kartenvorverkauf beginnt am Montag, 31. August. Das Büro des Förderkreises im Südflügel des Schlosses vor Husum ist dann Montag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 10 bis 12 Uhr geöffnet sowie von Montag bis Freitag jeweils von 14 bis 17 Uhr. Die Kontaktdaten: Telefon 04841/63242, E-Mail karten2015@pole-poppenspaeler.de. Das Programm liegt in verschiedenen öffentlichen Einrichtungen aus und ist zudem im Internet mit www.pole-poppenspaeler.de verfügbar.

Gefördert wird das Festival vom Land Schleswig-Holstein, der Stadt Husum und der Nospa-Kulturstiftung. Der Kreis Nordfriesland stellt Auftrittsorte kostenfrei zur Verfügung.

Zum ersten Mal findet vor einem Festival – am Donnerstag, 17. September, von 20 Uhr an – im Kulturkeller eine Einstimmung statt. Der freie Schauspieler, Sprecher und Regisseur, Prof. Hans-Peter Bögel, liest aus Storms Novelle „Pole Poppenspäler“ – begleitet vom Glashaus-Jazzensemble.

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erstellt am 28.Aug.2015 | 16:00 Uhr

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