zur Navigation springen

Sprache und Rollenbilder : Männer auf den Thron

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Husumer Frauenforum wünscht sich einen Krokusblütenkönig – denn das hat auch ganz viel mit Gleichberechtigung zu tun.

von
erstellt am 27.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Krokusblütenkönig gesucht! Ein solcher Aufruf wäre schon einmal ein Anfang. Das finden zumindest  die Gleichstellungsbeauftragten Britta Rudolph (Husum), Simone Ehler (Kreis Nordfriesland) und Kirsten Schöttler-Martin (Nordsee-Treene) sowie Petra Stadtländer (Frauenberatung & Notruf), Sandra Rohde (Gewerkschaft für kommunale Beamte und Angestellte), Britta Jordan (Evangelische Frauenarbeit) und Ellen Schwitters (Lesbengruppe).  Sie bilden eine Arbeitsgruppe des Husumer Frauenforums und befassen sich  intensiv mit dem Thema „Fair in der Sprache“. Denn der Umgang mit ihr sorgt auch dafür, dass  Rollenbilder von Frauen und Männern verfestigt werden. Kirsten Schöttler-Martin: „Sprache prägt das Bewusstsein und damit die Gesellschaft.“

Gleichstellungsbeauftragte Britta Rudolph, die das Forum der frauenpolitisch aktiven Husumerinnen leitet,  erklärte, dass in Sachen Sprache  Frauen und Mädchen  zunehmend  aus dem Blick geraten seien: „Die geschlechtergerechte Sprache  war auf einem guten Weg. Jetzt ist es schlechter geworden.“  Aber: „Ein Glas ist eben ein Glas und kein Becher – und eine Frau ist  eine Frau und kein Mann.“

Doch bei der Bezeichnung von Berufen und Funktionen, so sind sich alle  aus der Runde einig,  ist die Irritation am größten,  wenn es zu Abweichungen vom Gewohnten kommt – „Kanzlerin? Na klar! Päpstin? Äh? Krankenschwestern? Machen eine tolle Arbeit! Schulsekretär? Ist das ein Möbelstück oder kann der auch Steno?“  Es gebe eben Positionen, da werde eher ein Mann als eine Frau  oder umgekehrt eher eine Frau als ein Mann erwartet, hält Husums Gleichstellungsbeauftragte fest. Ihre Kollegin vom Amt Nordsee-Treene erzählt ein Beispiel. Danach hatte es    vor der Einstellung  eines Schulsekretärs Diskussionen gegeben –  der Mann bekam dann den Vertrag und  wurde  später gefragt, ob er  auch Kaffee kochen würde – das wäre bei einer Schulsekretärin sicherlich nicht geschehen...

Mit Blick auf  Nordfriesland  kamen die Frauen abseits des Pfades Arbeitswelt  zu Traditionen. Und da dauerte es nicht lange, bis auch der relativ junge  Brauch der Werbegemeinschaft Husum, eine Krokusblütenkönigin zu wählen, im Mittelpunkt stand.   Gerade wird die 16. Majestät gesucht.    „Wie durch ein kleines Wunder sind Krokusblütenköniginnen in der Regel nicht nur mit Husum verbunden und engagierte Botschafterinnen unserer Stadt, sondern auch jung, schlank und hübsch. Das ist jetzt nicht so überraschend, weil junge, hübsche und schlanke Frauen quasi multifunktional für fast alles Werbung machen können. Man sieht halt gerne hin. Oder sieht Mann gerne hin?“ Eine Auto-Messe ohne leicht bekleidete Schönheiten auf der Kühlerhaube – undenkbar: für Mann.

Die Zeit sei reif, um gewohnte Rollenbilder „mal ein bisschen zu schütteln“, findet die Frauengruppe – deshalb „geht auch noch was auf dem Krokusblüten-Thron“.  Petra Stadtländer wünscht sich stellvertretend für ihre Mitstreiterinnen, dass Vielfalt gelebt werde, da „unsere Gesellschaft nicht nur aus 18-jährigen Blondinen besteht“. Warum nicht die Wahl  so offen gestalten, dass   „eine ältere, eine farbige oder eine Frau mit einem Handicap“ eine Chance hätte  – und natürlich ein Krokusblütenkönig! Simone Ehler  weiß, dass sich   beim Kreispräsidenten schon einmal ein  Nordfriese als Lammkönig   beworben hatte.  Die nächste Königinnen-Bastion, die fallen müsste...

Dass Mädchen eine Phase haben, in der sie nur auf  ihr Aussehen fixiert sind, kann Britta Rudolph  akzeptieren. Aber irgendwann sei es doch wichtig, zu sehen, dass es noch mehr im Leben gebe. Dies meint auch Simone Ehler und  möchte  Frauenbilder nicht  nur auf  das Äußere reduziert wissen. Mit den anderen  propagiert sie: „Es gucken nicht nur Männer. Es gucken alle. Alle, die in unserer Stadt leben und unsere Stadt besuchen:   ob jung und alt,  dick und dünn, schwarz und weiß,  groß und klein, Frau und Mann und... – die ganze Vielfalt.“

Die Arbeitsgruppe will dranbleiben am Thema deutsche Sprache und die weibliche Seite der Welt. Diese sollte in Texten jedoch nicht auf „unleserliche Schrägstriche“  reduziert werden. Frauen müssen erwähnt   sein,  findet nicht nur Britta Rudolph. Platz für die Schülerin,  die Sängerin   und alle anderen  ist deshalb  für Autoren geboten.

 

Noch wird nur eine Königin gesucht



Der Krokusblüten-Thron der Werbegemeinschaft bleibt in diesem Jahr (noch?) einer Königin vorbehalten: Wer Lust hat, die neue Majestät zu werden, sollte sich per E-Mail an info @husumer-werbegemeinschaft.de oder auf der Internet-Seite www.1jahr-königin.de bewerben. Dort und auf der Facebook-Seite der Husumer Nachrichten, die als Partner bei der Königinnenwahl fungiert, ist auch ein Video zu sehen.

Bewerbungsschluss ist um 12 Uhr mittags am Donnerstag, 3. März. Am Tag danach werden die Bewerberinnen in unserer Zeitung sowie auf www.facebook. com/husumernachrichten vorgestellt – und die Leser stimmen ab, wer die 16. Queen wird.

Neben der Angabe von Name, Alter, Anschrift und Handy-Nummer sollte die Bewerberin in ein paar Sätzen sagen, warum sie Krokusblütenkönigin werden will und was sie an Husum besonders schön findet sowie kurz auf Beruf, Hobbys, Familie und Freunde eingehen. Ganz wichtig ist ein Porträtbild in druckfähiger Auflösung (mindestens 1000 Pixel breit, Dateigröße mindestens 1000 Kilobyte).

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert