Abiturientin mit eigener Plattenfirma : Mädchen mit Musik im Blut

Julia Mohr am Klavier.
Julia Mohr am Klavier.

Die Husumer Abiturientin Julia Mohr spielt neun Instrumente, komponiert und textet selbst – und hat seit einem Jahr ihre eigene Plattenfirma.

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01. März 2017, 14:00 Uhr

Manche Menschen lernen spielend, und Julia Mohr ist so ein Beispiel. Schon im zarten Alter von sieben Jahren begann sie, Geige zu spielen. Doch damit gab sich das musikalisch kreative Mädchen nicht zufrieden. Es folgten weitere Instrumente: Saxophon, Klarinette, Ukulele und Cajon – eine ursprünglich aus Peru stammende Trommel –, Flöten, Gitarre und natürlich Klavier. Heute, mit knapp 19 Jahren, spielt die Schülerin des Theodor-Storm-Gymnasiums, die kurz vor dem Abitur steht, neun Instrumente. Und hat seit knapp einem Jahr sogar eine eigene Plattenfirma. Pädagogen behaupten, dass jeder Mensch eine mehr oder weniger stark ausgeprägte musikalische Begabung habe. Bei deren Verteilung hat Julia Mohr wohl gleich drei Mal „Hier!“ gerufen. Der Spaß an der Musik liegt ihr im Blut.

Aber das musste sie zunächst einmal herausfinden. In der musikalischen Früherziehung lernte sie, dass zum Musizieren nicht nur viel Übung gehört, sondern auch Notenlesen und Fingerübungen. Für Julia waren das keine Hindernisse – und ihr Wunschinstrument Geige hatte sie stets fest im Blick.

„Bis ich zehn Jahre alt war, ging es für mich immer nur um klassische Musik, aber irgendwann begann ich Melodien aus dem Radio nachzuspielen“, erzählt sie. Der Einstieg in die Popmusik kam aber erst, als ihre heute 15 Jahre alte Schwester Louisa eine Gitarre geschenkt bekam, auf der dann auch Julia nach kurzer Zeit spielte. Ein Jahr später – Louisa war elf und Julia 13 Jahre alt –, habe sie ihre ebenfalls musikalisch sehr begabte Schwester gefragt, ob sie nicht zusammen an einem Schulmusikwettbewerb teilnehmen sollten. „Louisa war sofort begeistert – und wir haben den zweiten Platz gemacht.“ Das war der Startschuss: Weitere Wettbewerbe und Auftritte, allein und zusammen mit ihrer Schwester, folgten.

Da war die Gründung der eigenen Plattenfirma mit dem Namen Cricket Records im April 2016 fast eine logische Folge. Hier produziert sie ihre eigenen Titel unter dem Projektnamen Juviolia und unter dem Namen In2Parts solche, die sie zusammen mit ihrer Schwester aufnimmt. Alle Titel werden von ihr selbst komponiert und getextet. Bei In2Parts geht es um gesellschafts- und sozialkritische sowie Umweltthemen, wobei die Texte deutsch sind. Eine Ausnahme bildet nur das Lied von dem Lama namens Nessa, das – von Bekannten in Braderup als Haustier gehalten – hungrig in der Küche stand, was Julia zu einem Song anregte. Der wurde von den Schwestern vor Ort eingespielt – im Beisein von Nessa. Beim Juviolia-Projekt singt Julia dagegen englische Popmusik.

Fünf CDs sind im ersten Jahr des Bestehens von Cricket Records erschienen. Froh ist Julia über die Unterstützung ihrer Mutter Susanne, die den organisatorischen Teil der Firma und den Schriftverkehr übernommen hat.

Und wie sieht die Zukunft aus? „Weiterhin mit meiner Musik auf der Bühne zu stehen, wäre sehr schön“, sagt Julia Mohr. Aber ein solides berufliches Standbein ist für sie sehr wichtig. „Ich möchte Musiklehrerin werden“, sagt sie. Und verrät, dass ihre Musik sie in gewisser Weise schon verändert habe. Mit vielen verschiedenen Menschen umzugehen und schon in jungen Jahren aufzutreten, habe sie selbstsicherer werden lassen. „Ich bin auf diese Weise weniger abhängig von anderen geworden – aber auch kritischer, vor allem, was die Zukunft betrifft.“ Dass sie in Husum wohnt, hat für sie große Vorteile. Ihr Studio liegt nicht weit entfernt in Böklund und durch ein gut sortiertes Musikgeschäft vor Ort bekomme sie alles, was sie brauche. „Ein Vorteil ist zudem, dass ich hier viele Leute kenne, die Musik machen und bereit sind, auch mal zu helfen. Geht nicht, gibt’s nicht“, sagt sie.

Wer Julia Mohr hören möchte: Sie ist am morgigen Donnerstag, 2. März, beim Solistenabend der Theodor-Storm-Schule dabei und am Freitag, 10. März, beim Bandfestival im Speicher.
 

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