Jungunternehmer : Made in Nordfriesland: Die Arm-Prothese aus dem 3D-Drucker

Der Nordfriese Philipp Barluschke entwickelte einen Arm-Ersatz für sich selbst. Inzwischen nimmt er auch Bestellungen entgegen.

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27. August 2017, 17:13 Uhr

Struckum | Mit Prothesen kennt sich Philipp Barluschke bestens aus. Ihm fehlt der rechte Unterarm von Geburt an, eine Behinderung, die Dysmelie genannt wird. Anstatt zu hadern, meistert er sein Leben mit links.

Konstruieren, bauen, optimieren – das hat der inzwischen 29-Jährige aus Struckum im Kreis Nordfriesland schon von Kindheit an gemacht, um sich den Alltag zu erleichtern. „Ich habe Lösungen im Kopf und nicht die Probleme, vor denen ich mit nur einer Hand stehe.“ Motorradfahren und Kite-Surfen sind nur zwei von vielen Beispielen, an die er sich herangetraut hat und die inzwischen zu seinen Hobbys geworden sind.

Irgendwann traf er die Entscheidung, eine eigene Arm-Prothese für sich zu entwickeln. Er tüftelte immer weiter und hat mit dem Ergebnis den Gründer-Slam von Jimdo gewonnen. Drei IT-Unternehmer gründeten Jimdo vor zehn Jahren in Hamburg und bauten es zu einem der weltweit führenden Webseiten-Baukästen auf. Mit dem von ihnen ins Leben gerufenen Wettbewerb wollten sie etwas von ihrem Erfolg zurückgeben. Jeder, der eine Geschäftsidee hat, konnte daran teilnehmen.

Der gelernte CNC-Maschinist und CAD-Designer Philipp Barluschke aus Struckum, der 2016  seine Firma „BarluParts3D“ gründete, war einer davon. Er reichte seine Idee, Prothesen-Schäfte mit einem 3D-Drucker herzustellen ein und setzte sich damit gegen 3246 Teilnehmer in der Vorauswahl durch. Letztendlich blieben fünf Finalisten übrig, die zu einem umfangreichen Coaching-Programm eingeladen wurden. Zu den Coaches gehörte auch Investor Frank Thelen, bekannt aus der Sendung „Die Höhle der Löwen“ des privaten Fernsehanbieters Vox. „Mein Augenmerk ist darauf gerichtet, Prothesen mit noch nie dagewesenen Eigenschaften herzustellen“, sagt der nordfriesische Gewinner zu seiner Idee.

Prothesen aus der Orthopädietechnik hat er zu Genüge, doch es war kaum eine dabei, die ihn wirklich zufriedenstellte. Er weiß, wie sich eine Prothese auf einem Stumpf anfühlt, wo es scheuert, wie sich das Material mit der Haut verträgt und worauf es im Alltag wirklich ankommt. Mittlerweile hat der Jungunternehmer ein paar Prothesen auf Bestellung konzipiert und damit Patienten, die genau wie er eine lange Odyssee in der Prothetik hinter sich haben, wieder ein Stück Hoffnung und Lebensqualität gegeben.

„Krankenkassen übernehmen die Kosten, ich habe im Vorwege viele Gespräche mit Gutachtern und dem Medizinischen Dienst geführt“, berichtet  Philipp Barluschke  und auch, dass er dafür einen langen Atem brauchte. Seine produzierten Prothesen sind keine Arme von der Stange – allesamt hoch qualitative Einzelstücke durch die 3D-Druck-Technologie. Das bleibt nicht unbeachtet: Barluschke ist nach eigenen Angaben  jetzt in ein interdisziplinäres Prothesennetzwerk in Schleswig-Holstein aufgenommen worden. Unter dem Dach der  Kieler Wirtschaftsförderung hat dieses Netzwerk von Spezialisten aus Medizin und Technik sich zum Ziel gesetzt, die aktuelle Versorgungssituation zu verbessern und amputierten Menschen zu einer bestmöglichen Mobilität zu verhelfen.

Aus der  Orthopädie-Industrie indes  gibt es offenbar nicht nur positive Reaktionen auf den Jungunternehmer. Führende Prothesenhersteller fänden es nicht so gut, „dass ich meine eigenen Wege gehe und etwas komplett Neues erfunden habe“, meint er. Für ihn steht fest, dass er seinen Weg auch mit Gegenwind weitergehen wird. Sturm ist er als Nordfriese ohnehin gewohnt und wer weiß: „Vielleicht mache ich irgendwann neben den Armen auch Beine“, schmunzelt der 29-Jährige.

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