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Kunstverein Husum : „Macht Schaufenster zu Galerien!“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kunstverein Husum und Umgebung bereitet sich auf ein etwas anderes Kunstprojekt vor und findet dafür zahlreiche Mitstreiter aus der Wirtschaft.

Die Kunst soll zu den Menschen kommen, nicht die Menschen zur Kunst. In Husum kann diese Idee auf eine langjährige Tradition zurückblicken – sei es mit dem Windfang-Projekt des Speichers 1995 oder mit den Windart-Aktionen des Museumsverbundes Nordfriesland 2007 und 2008. Was sich der Kunstverein Husum und Umgebung für 2017 und 2018 ausgedacht hat, geht allerdings noch einen Schritt weiter und baut auf die aktive Mitarbeit der Husumer Geschäftswelt. „Mehr noch“, sagt Diethard Wies, Kunstvereinsmitglied und Mitinitiator des grenzübergreifenden Projekts „wattn dat – vad er nu det“: „Unser Bestreben ist es, dass sich Husums Geschäfte in Ausstellungsräume verwandeln.“

Wenn es nach Wies ginge, hätte dies eine andere Rezeption von Kunst als im Museum zur Folge, wo Besucher im Durchschnitt elf Sekunden vor einem Bild verweilen, bevor sie weiterziehen.

„Was wir wollen, ist Rezeption durch Tun‘“. Das war in den 38 Jahren als Kunsterzieher in Hessen schon Wies’ Maxime, aber dies gemeinsam mit Kindern und Künstlern praktisch umzusetzen, ist auch für ihn Neuland. Die beteiligten Künstler stammen von diesseits und jenseits der Grenze, sprich aus Nordfriesland sowie aus dem Raum Skærbæk im südlichen Dänemark. Um Kunst nicht nur darzustellen, sondern aktiv darüber ins Gespräch zu kommen, geht das Projekt unorthodoxe Wege. Als Beispiel nennt Wies den Fanøer Maler Ingvard Bjørn. Der entdeckte vor Jahren ein Boot auf einer kleinen Kopenhagener Werft. Jemand hatte es dort für ein Jahr zwischengelagert und dann nicht wieder abgeholt. Seither skizziert Bjørn Jahr für Jahr den Erhaltungszustand des Bootes – als eine Art künstlerisches Tagebuch über den Verfall. Aber damit nicht genug: Einem Kunstleistungskurs der Gemeinschaftsschule Nord dienen Bjørns „Vorlagen“ als Inspiration für die eigene bildnerische Auseinandersetzung mit dem Thema. In ihren Arbeiten kommentieren, verändern und kopieren die Schüler Bjørns Bild, gestalten es um und entwickeln es mit ihrer eigenen Fantasie weiter. Ausgestellt werden die Werke dann in den Räumen des Künstlercafés auf der Neustadt, das zugleich dem Austausch zwischen Künstlern und Jugendlichen dienen soll.

Eine weitere Idee des Projekts ist „Taschenkunst“, also Originalkunst im Taschenformat. Die kann man später verschenken und tauschen, aber vor allem soll sie die Gemeinschaft zwischen Kindern und Jugendlichen fördern – über Landesgrenzen hinweg. Gleichzeitig würden die Taschenkunstwerke vergrößert und im Jugendzentrum BISS ausgestellt. „Das fördert die Kommunikation auf verschiedenen Ebenen“, sagt Solvej Krüger vom Wattn-dat-Team.

Apropos verschiedene Ebenen: Auch die Politik bleibt bei diesem vielschichtigen Kunstprojekt nicht ausgespart. „Wir leben am Meer“, sagt Diethard Wies, „aber dieses Meer wird wie die Ozeane insgesamt durch Millionen Tonnen Plastikmüll gefährdet.“ Auch diesem Phänomen soll sich eines der Projekte widmen – und zwar nicht im Sinne eines „Ablasshandels mit Badekappe“.

Bis jetzt haben sich zirka 20 Husumer Ladeninhaber und Gastronomen bereit erklärt, das Vorhaben zu unterstützen: kleine wie große – vom Künstlercafé auf der Neustadt bis zum Modehaus C. J. Schmidt. Und Wies ist zuversichtlich, wenigstens genauso viele Künstler von diesseits und jenseits der Grenze rekrutieren zu können. Einige haben ihre Teilnahme bereits fest zugesagt.

Gefördert wird das deutsch-dänische Interreg-Projekt unter anderem vom dänischen Kultusministerium sowie dem Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein. Der Startschuss für „wattn dat – vad er nu det“ fällt am 25. August. Zwei Wochen, bis zum 8. September, bleibt Husum dann das „Schaufenster der Kunst im Schaufenster“.

Im Jahr drauf soll das Ganze im dänischen Skærbæk wiederholt werden.

>Weitere Info unter www.husumer-kunstverein.de.

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erstellt am 04.Apr.2017 | 12:00 Uhr

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