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Tourismus in St. Peter-Ording : „Machen Sie Lust auf den Beruf“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Prof. Dr. Stefan Küblböck sprach in St. Peter-Ording zum Thema Fachkräftemangel und stellte Lösungsansätze vor. Die Betriebe müssten sich verstärkt um eine gute Ausbildung bemühen.

Was das Thema Fachkräftemangel im Tourismus angeht, steht St. Peter-Ording noch vergleichsweise gut da. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Stefan Küblböck, Professor für Tourismus- und Freizeitmanagement an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter, Fakultät „Verkehr-Sport-Tourismus-Medien“. Er hat mehrere Untersuchungen dazu vorgenommen. Die Ergebnisse präsentierte er in der Veranstaltung „TZ im Dialog“ in St. Peter-Ording. Es war gleichzeitig die letzte in der Vortragsreihe der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording (TZ) für diese Wintersaison. 40 Zuhörer waren dazu ins Dünen-Hus gekommen, unter ihnen Gregor Stein, Leiter der Geschäftsstelle Nordfriesland der IHK Flensburg, sowie Petra Stangenberg, Projektmanagerin für das Tourismus-Cluster Schleswig-Holstein der WTSH (Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH).

Prof. Dr. Küblböck und 20 Tourismusmanagement-Studenten hatten von September 2015 bis Januar 2016 Hotelerie und Gastronomie in St. Peter-Ording unter die Lupe genmmen. Der Badeort sei sein Wunschkandiat gewesen, so der Wissenschaftler. Für den Tourismus sei dort mit Investitionen und Organisation eine äußerst erfolgreiche Entwicklung eingeleitet worden, die er als vorbildlich bezeichnete. Vom 1. bis 4. November hatte seine Forschungsgruppe zudem mit mehr als 40 Experten zu vier Themen gesprochen. Gesprächspartner zum Fachkräftemangel waren drei Restaurants, vier Hotels, die Wirtschaftsförderungsgemeinschaft (WFG), die Arbeitsagentur, der Ortsverein des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DeHoGa) und die TZ. Im Vergleich zu anderen Urlaubsorten stelle sich die Situation in St. Peter-Ording noch verhältnismäßig gut dar. Steigenden Übernachtungszahlen stünden allgemein weniger Betriebe gegenüber. Die Anzahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze sei gestiegen. Gerade aber in Nordfriesland sei die Zahl der Auszubildenden um 47,4 Prozent gesunken. Von den Berufsanfängern höre die Hälfte meist schnell wieder auf. So fehle es vielen Betrieben an Nachwuchskräften. Das sei ein massives Defizit in punkto Nachhaltigkeit. Ursachen dieser Entwicklung seien Wertewandel, Arbeitsbedingungen mit Wochenend-, Schicht- und Teildienst, das eher negative Image des Berufs Koch, geringe Gehälter- und Karriereaussichten. Die Konkurrenz befinde sich außerhalb der Branche, wo mehr und schneller Geld verdient werden könne, beispielsweise bei VW am Band. Standortbezogene Ursachen wie Mangel an bezahlbarem Wohnraum und sinkende Saisonalität in der Hotelerie kämen hinzu. Von zu hoher Arbeitsbelastung, Fluktuation und schwieriger Stellenbesetzung seien besonders Service und Küche stark beeinträchtigt. Erwartet würde eine Verschlechterung der Situation. 28 Prozent der Betriebe fürchteten um ihren Fortbestand.

Für St. Peter-Ording schlug er in Sachen Ausbildung vor, Lust auf den Beruf zu machen, die Ausbildungsqualität zu erhöhen, klare Richtlinien hinsichtlich Arbeitszeiten, Überstunden sowie Freizeitausgleich zu schaffen, regionale Lösungen für Unterkunft und Anfahrten zu bieten und auch an eine Erhöhung der Tarifverträge zu denken. Dazu müssen alle konstruktiv zusammenarbeiten. „Sie haben in St. Peter-Ording alle ein gemeinsames Problem. Das bedeutet für Sie, ihren jetzigen Vorsprung vor anderen Orten herauszuarbeiten. Sehen Sie die Problemlösung als Investition.“ Und er schloss mit den Worten: „Sie in St. Peter-Ording sind ein leuchtendes Beispiel. Bleiben Sie es.“

Eine lebhafte, von der stellvertretenden Tourismus-Direktorin Constanze Höfinghoff moderierte Diskussion entspann sich. Schnell war die Runde sich einig, mit dem gemeinsam anzufangen, was man anpacken könne: der Ausbildungssituation. Petra Stangenberg betonte: „Wer da investiert, wird auch weiterhin Auszubildende bekommen.“ Es gebe Programme und Initiativen, die noch nicht so bekannt seien. Gregor Stein will sich koordinierend der Thematik annehmen. Er werde dazu gemeinsam mit DeHoGa und WFG konkrete Maßnahmen entwickeln und alle Akteure in St. Peter-Ording einbinden. Aber es ging auch um die Einstellungsmöglichkeiten von Flüchtlingen und anerkannten Asylsuchenden. Dabei konnte Eiderstedts Amtsdirektor Herbert Lorenzen mit Sachinformationen dienen. Ein weiterer Aspekt war die Zusammenarbeit von Schule und Betrieben. Stefan Küblböck forderte auf, gemeinsam auch ungewohnte Wege zu beschreiten. „Denken Sie neu!“ war seine Aufforderung.

Die Reihe „TZ im Dialoag“ wird im Herbst fortgesetzt. Ein Thema wird „Urlaub mit Hunden“ sein. Weiteren Vorschlägen sieht die TZ aufgeschlossen und gespannt entgegen.

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