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Nordfriesland : Lust auf nachhaltigen Urlaub wecken

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Immer mehr Urlauber wünschen sich nachhaltige Angebote. Viele Betriebe haben das Trendthema aber noch nicht für sich entdeckt.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 13:00 Uhr

Bringt das was? Ist der Einstieg nicht zu teuer? Kritische Fragen und Unsicherheit prägen noch immer die Einstellung vieler touristischer Betriebe zum Thema Nachhaltigkeit. „Wir wissen das und wollen Mut machen, einfach anzufangen“, sagt Kim Hartwig vom Tourismus-Cluster Schleswig-Holstein. Zusammen mit Frank Ketter, Geschäftsführer des Nordseetourismus Service (NTS), ist sie Gastgeber eines landesweit bisher einmaligen Tourismus-Forums in Husum.

„Nach Jahren der Planung starten wir heute mit der Vorstellung der Nachhaltigkeitsinitiative in die praktische Umsetzung“, sagt Kim Hartwig. Deutlich mehr als 200 touristische Leistungsträger erfahren bei der ganztägigen Veranstaltung im Messe- und Congress-Zentrum, dass Nordfriesland in Sachen nachhaltiger Tourismus in vielen Bereichen bereits Vorreiter im Land ist.

„Die enge und gute Kooperation mit den Naturschützern zeichnet uns bundesweit aus“, sagt der Nordsee-Tourismuschef Frank Ketter. Statt sich zu bekämpfen, hätten beide Seiten die Vorteile von gemeinsam entwickelten Kampagnen, Führungen und anderen Angeboten erkannt. „Eine intakte Natur, die Inseln, das Wattenmeer sind die beste Motivation für einen Urlaub an der Nordsee“, betont Ketter. Auf der anderen Seite gebe es kein besseres Instrument als das Tourismusmarketing, um Gäste in entspannter Atmosphäre für die Belange des Naturschutzes zu sensibilisieren, sagt Matthias Kundy von der Nationalparkverwaltung. „Öffentlichkeitswirksam sind aber nur besondere und hochwertige Leistungen und Objekte, von diesen müssen noch viel mehr entwickelt werden“, fordern beide.

Was ist überhaupt ein nachhaltiger Betrieb? Das Handlungsfeld dafür reicht von der Energie-Effizienz über regionale Produkte für die Küche, umweltfreundliche Betten bis hin zu einem fairen, respektvollen Umgang mit den Mitarbeitern. „Ein wichtiger Punkt ist auch eine nachhaltige Anreise. Mit Blick auf die derzeitige Qualität auf der Bahnstrecke von Hamburg nach Sylt haben wir da ein Problem, das Nordfriesland viele Urlauber kosten könnte“, warnt Frank Ketter.

Wie Nachhaltigkeit funktioniert, zeigt die in Husum vorgestellte Broschüre des Tourismus-Clusters, das im Rahmen der Tourismusstrategie des Landes den nachhaltigen Tourismus fördert. Praktische Tipps zum Einkaufs- und Ressourcenmanagement, zur Angebots-Kommunikation oder zu nachhaltigen Zertifizierungen sind darin zu finden.

Zu den während des Forums vorgestellten Vorzeigeprojekten zählt das Resort Gud Jard von Frank Sadowsky auf Pellworm. 38 Ferienhäuser werden dort seit kurzem gebaut – komplett schadstofffrei und mit Schafwolle gedämmt. Eingerichtet werden sie mit einer eigenen Design-Linie. „Diese besteht nur aus Vollholz, Leim und Ölen. Wenn es um nachhaltige Bauweise und Wohngesundheit geht, mache ich keine Kompromisse“, sagt Frank Sadowsky. Das Bio-Hotel „Miramar“ in Tönning, Paulsen’s Landhotel in Bohmstedt und das Tui Dorfhotel auf Sylt sind weitere Nachhaltigkeits-Vorreiter aus Nordfriesland.

Landesweit vorbildlich ist vor allem das nördliche Nordfriesland zudem in der E-Mobilität. Ladesäulen für Elektroautos zählen dort in immer mehr Orten zum Dorfbild. Klixbüll gilt seit kurzem als Modellregion für das E-Car-Sharing.

Resümee nach einem informationsreichen Tag: „Wir sind erst am Anfang. Auch an der Nordsee gibt es noch immer viele Betriebe, die sich nicht für das Thema Nachhaltigkeit engagieren wollen“, sagt Kim Hartwig. Die Tourismus-Expertin hofft, dass das Husumer Forum viele dazu motiviert hat. Zumal Nachhaltigkeit auch ein ökonomischer Faktor sei. Denn mit den steigenden Übernachtungszahlen wachse auch die Nachfrage der Gäste nach einem Urlaub, den man naturnah sowie ökologisch und sozial mit gutem Gewissen verbringen kann. „Nachhaltigkeit hat sich zu einem Trendthema entwickelt. Deshalb brauchen wir Sie alle. Die beste Strategie nützt nichts, wenn sie vor Ort nicht in die Tat umgesetzt wird“, appelliert Frank Ketter an die Leistungsträger.

 

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