Lunas tragischer Tod

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Elisabeth Kamensky mit Luna am Ordinger Strand.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Elisabeth Kamensky mit Luna am Ordinger Strand.

Halterin missachtet Leinenpflicht am Strand: Russischer Windhund fällt über Yorkshire Terrier her

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01. Juni 2018, 17:36 Uhr

„Das war ein Albtraum“, erinnert sich Elisabeth Kamensky. Bei einem Spaziergang am Ordinger Strand wurde ihr Yorkshire Terrier Luna von einem russischen Windhund gezielt attackiert – und dabei getötet. Bis heute ein Schock für die 60-Jährige, die an diesem Tag ohne ihren Ehemann Hans-Erich Kamensky unterwegs war.

„Ich lief barfuß am Wasser entlang und hatte Luna an der langen Leine, sie trottete hinter mir.“ Plötzlich hörte sie ihren Hund quieken – und schon spielte sich alles vor ihren Augen ab. Ein Windhund hatte den Terrier gepackt. In schierer Panik versuchte Elisabeth Kamensky ihren Vierbeiner loszureißen, als der Angreifer kurz von Luna abließ. „Ich denke, dass sie da schon tot war, aber der Hund wollte nicht von ihr ablassen“, so Kamensky. Wieder versuchte sie Luna vor den Bissen zu schützen und drehte sich im Kreis, ihren Schützling an der Leine um sich schleudernd. „Ich rief um Hilfe“, erklärt die Hundebesitzerin weinend.

Das Ehepaar Hirsch, das es sich knapp 50 Meter vom Tatort entfernt gemütlich gemacht hatte, sah die Tat mit an: „Das lief wie ein Film vor unseren Augen ab, wir waren wie versteinert“, sagt Susanne Hirsch. Kurz vor dem Angriff hatte der Windhund der Rasse Barsoi dem Ehepaar einen Besuch abgestattet. „Wir haben den Hund noch gestreichelt, auf das Rufen seines Frauchens reagierte er allerdings nicht“, erinnert sich das Ehepaar. Stattdessen rannte er los – in Richtung Luna. „Für eine Sekunde dachten wir, dass die spielen, doch dann flog der kleine Hund schon durch die Luft“, erzählt Susanne Hirsch. Unfähig, selbst zu reagieren stieß sie ihren Mann an: Er solle doch etwas tun. Daraufhin rannte Markus Hirsch zum Tatort.

Doch jede Hilfe kam zu spät. Luna war bereits tot. Elisabeth Kamensky stand fassungslos daneben. Und auch die Besitzerin des Windhundes war mittlerweile eingetroffen, wie sich die Zeugen erinnern. „Sie sprach auf Frau Kamensky ein, sagte, dass ihr Hund so etwas noch nie getan hätte und es ein ganz Lieber sei“, so Susanne Hirsch. „Da habe ich sie gebeten, ruhig zu sein, weil die arme Frau Kamensky das gar nicht hören wollte.“

Die Besitzerin des Barsoi-Rüden, die namentlich nicht genannt werden möchte, erklärte auf Nachfrage, dass sie ebenfalls geschockt sei. „Mein Hund ist freundlich auf den Kleinen zugelaufen – und als der sich eingerollt und gequiekt hat, hat der Jagdtrieb eingesetzt“, versucht die Halterin, das Verhalten ihres Jagdhundes zu erklären. Dass sich das ganze Szenario außerhalb der Auslaufzone abgespielt hat und ihr Hund nicht angeleint war, bedauere sie. Ihr Erklärungsversuch: „Wir waren auf dem Heimweg und ich wollte ihn noch ein bisschen laufen lassen.“ Ihr sei bewusst, dass Windhunde Jagdhunde seien, deshalb würde sie extra an den Strand fahren, weil dort kein Wild zum Jagen sei. „Ich habe dem Hund vertraut, werde ihn aber nicht mehr ohne Leine laufen lassen“, sagt die Windhund-Besitzerin.

Freilaufende Hunde am Strand sind schon seit langem ein Problem, erklärt Constanze Höfinghoff von der Tourismus Zentrale St. Peter-Ording. Und das, obwohl man den Hundebesitzern schon entgegenkomme. „Wir haben zwei Bereiche außerhalb der Badezone für Hunde eingerichtet, wo sie frei laufen können – und trotzdem halten sich viele nicht an die Leinenpflicht außerhalb der Freilauf-Zonen“, so Höfinghoff. Man habe es mit Kommunikation und Information versucht, doch dem Problem sei nicht beizukommen. Nun müsse das Ordnungsamt drastischere Maßnahmen ergreifen und Personendaten aufnehmen sowie Bußgelder erheben. „Das kostet unnötiges Steuergeld“, erklärt die Tourismus-Direktorin.

Die Kamenskys sind immer noch fassungslos. „Sie wäre erst drei Jahre alt geworden“, sagt Elisabeth Kamensky. Das Ehepaar hat Strafanzeige erstattet und Plakate entworfen, die es am Strand aufgehängt hat, um andere Hundebesitzer zu warnen. Das Plakat zeigt ein Bild von Luna und erzählt die Geschichte aus Sicht der Hündin: „Ich hoffe aber, dass mein Beispiel die Menschen aufrüttelt, ihre gefährlichen Hunde nicht frei laufen zu lassen. (. . .) Ich möchte nicht umsonst gestorben sein!“

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