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Strandschau in St. Peter-Ording : Liste unterm Arm und Sand im Schuh

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zu Beginn der Hochsaison werden die fünf Abschnitte des zwölf Kilometer langen Strandes in St. Peter-Ording unter die Lupe genommen.

von
erstellt am 30.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Halbkreis vor dem alten Rathaus in St. Peter-Ording. Ordnungsamt, Bauhof, Wasser- und Schifffahrtsamt, Strandaufsicht, Haustechnik, Gesundheitsvorsorge – vielmehr die Mitarbeiter der jeweiligen Abteilungen – warten auf Nils Koch, den Technischen Leiter der Tourismus-Zentrale. Lediglich die „Entenpolizei“ fehlt, wie Badestellen-Leiter Heinz-Dieter Hecke wenig später am Ordinger Strandabschnitt feststellen wird. Bevor die Teilnehmer der jährlichen Strandschau jedoch bei „Heinzi“ aufschlagen, zieht es die kleine Karawane aus geländetauglichen Fahrzeugen und ihre Besatzung zunächst an den FKK-Bereich – Kontrolle mit Kugelschreiber und Checkliste in Deutschlands größter Sandkiste.

Von Nord nach Süd geht es für die Kontrolleure. Endstation wird das Restaurant „Seekiste“ sein, verrät Nils Koch die Marschroute. Obgleich die Badesicherheitsverordnung seit einigen Jahren nicht mehr Bestand hat, nehmen die St.Peteraner die Vorlage zum Anlass, ihre fünf Strandabschnitte anhand dieses Leitfadens auf Herz und Nieren zu testen. „Irgendwann wird man vielleicht betriebsblind. Deshalb überprüfen wir uns anhand der Verordnung selbst“, sagt der Technische Leiter, der gemeinsam mit Michael Jacobs vom Wasser- und Schifffahrtsamt zuerst die neuen Container der Strandwacht im FKK-Abschnitt in Augenschein nimmt. Badestellen-Leiter Jan Lorenzen zeigt stolz seine moderne Behausung – schlicht, einfach, funktionell und lichtdurchflutet präsentieren sich die Container, die in dieser Saison erst einmal angemietet worden sind. „Wir wollen sehen, ob sie sich für unsere Zwecke eignen“, sagt Koch. „Wenn sie sich bewähren, können wir über einen Kauf nachdenken.“

Seeseits ist die Containerfront komplett verglast. Ein sagenhafter Ausblick auf die Nordsee und ein optimaler Überblick über den Strandabschnitt und dessen Besucher. Rechts ragt eine lange Pfahlreihe ins Wasser – eine deutlich sichtbare Grenze zwischen Badezone und Freizeitbereich der Kite-Surfer. Bevor die Pfähle vor zwei Jahren eingespült wurden, hat es immer wieder brenzlige Situationen gegeben, sagt Johannes Mahnsen. Der Leiter der Strände weiß von zahlreichen unliebsamen und oft schmerzhaften Begegnungen zwischen Schwimmern und Surfern. „Jetzt erkennt jeder die Grenze“, sagt Mahnsen. Besser zu sehen sind auch die weißen Bojen, die den Badebereich zum Wasser hin markieren. Im hinteren Bereich der Container kontrolliert Dr. Kirsten Willgeroth derweil die Verbandskästen und den sogenannten Ulmer-Koffer mit den notwendigen Utensilien der Unfallmedizin. „Den Inhalt haben wir mit der für St. Peter-Ording zuständigen Rettungswache in Garding abgestimmt“, betont die Mitarbeiterin der „Bad GmbH“ für Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik. „Viel zu oft“ kommt der Koffer zum Einsatz, sagt Johannes Mahnsen. Zumeist würden Schnittverletzungen behandelt, weiß der Chef der Strände. Doch auch mit Kreislaufbeschwerden hätten zahlreiche Besucher zu kämpfen.

Weiter geht es über Ording zum Bad. Dort verrichtet Heinz-Dieter Hecke als Badestellen-Leiter seinen Dienst. Er wacht gemeinsam mit Rüdiger Manderla über zahlreiche Badende, Sonnenanbeter und 550 von insgesamt 1200 Strandkörben. „Gar keine Entenpolizei dabei?“, erkundigt sich „Heinzi“ bei Nils Koch. Nein, die Wasserschutzpolizei hat kein Interesse bekundet, sagt der Technische Leiter. Die Verordnung sei eben nicht mehr verbindlich und somit das Beisein der Polizei auch nicht mehr zwingend erforderlich. Derweil monieren Matthias Widderich und Dirk Hansen vom Ordnungsamt die Anbringung des Rettungsrings am Pfahlbau. Diese ist zu fest, der Rettungsring im Notfall nicht schnell genug einsatzbereit, sagt Hansen und notiert dies auf seiner Liste. Auch den Mangel, dass eine Hinweistafel mit den Regeln für Sofortmaßnahmen schon verblichen ist und deshalb erneuert werden muss, findet in seinen Aufzeichnungen Niederschlag.

Dass „Süd“ nicht gleich der südlichste Abschnitt des zwölf Kilometer langen Strandes in St. Peter-Ording ist, hat Nils Koch in seiner zehnjährigen Tätigkeit bei der Tourismus-Zentrale zu akzeptieren gelernt. „Das ist eben so“, sagt er kurz. „Der südlichste Abschnitt ist nämlich der Böhler Strand.“ Dort angekommen, heißt Badestellen-Leiter Jan Tappendorf die kontrollierenden Patrouille willkommen. Auch „sein“ Pfahlbau wird begutachtet. Bauhof-Leiter Jürgen Reimers schreitet den Stelzenbau ab und beäugt ihn kritisch. „In den nächsten Jahren müssen wir hier nach und nach investieren“, sagt Nils Koch. „Die äußeren Pfähle auszuwechseln, geht ja noch“, sagt Reimers. „Problematischer sind aber die mitten drin.“

Großartige Mängel gibt es bei der Strandschau aber nicht. Hier fehlt eine Trage, dort eine Leine am Rettungsring. „Insgesamt ist alles positiv zu bewerten“, bilanziert Matthias Widderich beim Abschlussgespräch im Restaurant „Seekiste“, das sich ebenfalls auf einem Pfahlbau befindet. Bei Fischpfanne und Schnitzel lassen die Teilnehmer den Vormittag Revue passieren und tauschen Fragebogen und Kugelschreiber gegen Messer und Gabel. Eine Bewertung der Menüs findet nämlich außerhalb des Protokolls statt.

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