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Marktplatz ausgedünnt : Linden kommen ins Genarchiv

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zehn stattliche Bäume wurden auf dem historischen Friedrichstädter Marktplatz gefällt. Von ihnen wurde Baumscheiben eingelagert und Reiser abgeschnitten, die zu neuen Bäumchen heranwachsen sollen.

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erstellt am 30.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Was bereits im Sommer angekündigt worden war, ist jetzt umgesetzt. Auf dem denkmalgeschützten Marktplatz in Friedrichstadt kreischten die Motorsägen, Mitarbeiter des städtischen Bauhofes sägten zehn mächtige Linden ab, die die grüne Lunge der Stadt prägten. Nicht leichtgefallen sei es ihr, so Dr. Margita Meyer vom Denkmalamt des Landes, dafür den „Befehl“ zu erteilen. Doch ein Baumgutachten hatte zuvor ergeben, dass die Bäume mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Pilz befallen waren, der das Wurzelwerk schädigt. Die Standfestigkeit der Linden wird dadurch massiv beeinträchtigt. Herausgekommen ist dies vor zwei Jahren, als auf dem Marktplatz, ohne vorher erkennbare Anzeichen, bei Windstille eine mächtige Linde umstürzte. Glück im Unglück, niemand wurde von dem Baum verletzt.

„Nun mussten wir handeln“, sagt Margita Meyer. Auch wenn es ihr schwerfalle, historische Bäume entfernen zu lassen, sei man an diesem Schritt nicht vorbeigekommen. Der Grund für den schlechten Gesundheitszustand der Bäume sei in erster Linie in der mangelhaften und falschen Pflege in den vergangenen Jahren zu sehen. So seien die Linden nicht, wie früher üblich, regelmäßig gestutzt worden, sondern nach einigen Jahren des Wildwuchses plötzlich zu kräftig. Die Schnittstellen seien nicht immer fachgerecht verschlossen worden und hinzu komme, dass sich die Umweltbedinungen nicht verbessert hätten.

Bei den nun gefällten Bäumen handelt es sich um holländische Bäume, eine Kreuzung aus Winter- und Sommerlinde. Aus den zehn Baumstämmen haben die Bauhof-Mitarbeiter Baumscheiben geschnitten, die nun genau untersucht werden sollen. Beispielsweise auch, wann die Bäume auf dem Marktplatz gepflanzt worden sind.

Baumgutachter Uwe Thomsen aus Ellerau will zudem im Auftrag des Denkmalamtes dafür sorgen, dass von den typischen holländischen Linden-Bäumen das Erbgut erhalten bleibt. Dazu hat er unter anderem Reiser abgeschnitten, die in seinem Gewächshaus zu neuenBäumchen heranwachsen werden. „So ist das Genmaterial der Original-Hollandbäume zumindest gesichert“, sagt Margita Mayer, „denn wir wollen gern wieder die Baumart pflanzen, um das historisch korrekte Bild, herstellen zu können.“

Für die noch in diesem Jahr geplante Nachpflanzung allerdings sind die kleinen Reiser, die erst noch wurzeln und zu Bäumen heranwachsen müssen, noch viel zu klein. Damit der Marktplatz wieder begrünt wird, sollen dort nun relativ stattliche Linden gepflanzt werden. Die Denkmalbehörde beklagt, dass nicht nur in Friedrichstadt, sondern in vielen Städten des Landes, der Baumpflege zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet werde. Vieler Orts sei zu beobachten, dass alte Bäume durch mangelhafte oder falsche Pflege kaputt gingen.

Baumpflanzungen in Friedrichstadt sind auf den frühen Karten des 17. Jahrhunderts nur entlang der Grachten und Kanäle von Anfang an schematisch dargestellt. Erst der Kupferstich „Ichnographia Friedericopoleos“ zeigt einen zweigeteilten Marktplatz, einen „steinernen“ Stadtplatz, der lediglich gepflastert war, und einen östlich davon liegenden, mit Bäumen umstandenen „Grünen Markt“. Diese Platzhälfte wurde „der Stadt zur Zierrath“, wie es ausdrücklich heißt, im Karree mit Linden bepflanzt. Wahrscheinlich ist also, dass der Marktplatz erst um 1705 im Zusammenhang mit der Zuschüttung des Norderburgwalls bepflanzt wurde, der danach ebenfalls Bäume erhielt, das heutige Stadtfeld.

 

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