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Hilfe für blinden Neuankömmling : Liebevoll unter die Pfoten genommen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein scharfer Zwinger-Hund wandelte sich auf dem Gnadenhof in Lütjenholm zum sensiblen Kuschler. Der Verein Natur- und Pferdehilfe zur Selbsthilfe betreut in dem Tierheim ständig etwa 50 bis 70 Katzen, Hunde und Pferde und versucht, sie in gute Hände zu vermitteln.

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erstellt am 30.Mai.2014 | 17:00 Uhr

Lütjenholm | Wie ein geölter Kugelblitz fegt Pok über die Koppel. Wer den kleinen Kerl so quirlig erlebt, mag nicht glauben, dass er blind ist. Und schon gar nicht, dass er sich noch bis vor kurzem nur tastend durch die Gegend schlich. Als Problemhund kam Pok vor acht Wochen ins Tierheim der Natur- und Pferdehilfe zur Selbsthilfe in Lütjenholm. Der Winderthof ist Tierheim, Gnadenhof und Tierpension in einem. Unter den fachkundigen Händen von Leiterin Simone Niklas und der Mitarbeit ihrer vierbeinigen Helfer blühte der Mischling auf. Pok ist von Geburt an blind, und das machte es ihm schwer, zu lernen. Er konnte keine sozialen Kontakte aufbauen, wurde zum Angstschnapper. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.

Fröhlich hüpft der dreijährige Knuddel durch die Gegend, fordert seinen vierbeinigen Freund Djego zum Spielen auf. „Der war auch sein Therapeut“, lacht Simone Niklas und wuschelt dem belgischen Schäferhund durch das dichte Fell. „Djego hat ihn angelernt.“ Dabei war der Rüde selbst bis vor neun Monaten noch ein schwieriger Problemfall. Als Schutz- und Wachhund der Bundeswehr hatte er neun Jahre im Zwinger gelebt. Zum Schluss war er so scharf, dass alle in seinem Umfeld Angst vor ihm hatten. Der Standort wurde aufgelöst, und Djego kam mit fünf weiteren „Ausgemusterten“ in die Obhut von Simone Niklas. Innerhalb von vier Tagen war Djego stubenrein und gruppenfähig. „Meine Hunde sind so erzogen, dass sie Neuankömmlinge erst mal in Ruhe lassen, und dann nach und nach Kontakt zu ihnen aufnehmen“, erläutert Niklas.

Fast hört es sich an wie eine Geschichte aus dem Märchenland. Denn als Pok auf den Winderthof kam, nahm ihn Djego liebevoll unter seine Pfoten. Er machte ihn mit dem Terrain vertraut, gab ihm Schutz und förderte sein Selbstvertrauen. Inzwischen ist Pok ins Rudel integriert und genießt sein Hundeleben in vollen Zügen. „Er ist ein richtiger Sonnenschein geworden“, strahlt Niklas. Pok darf, wie sein Freund Djego, für immer auf dem Winderthof bleiben.

„Wir betreuen ständig etwa 50 bis 70 Katzen, Hunde und Pferde auf einem etwa zwölf Hektar großen Gelände“, berichtet die Lütjenholmerin. Allein im vergangenen Jahr hat der Verein 111 Katzen, 43 Hunde und sechs Pferde vermittelt. Das Besondere an dieser Einrichtung ist die 24-Stunden-Betreuung der Tiere und die Haltung im Haus. Die Katzen haben eigene Räume, und die Hunde gehen jeden Tag dreimal spazieren. Niklas: „So können wir die Vierbeiner genau kennen lernen, und sie können sich weiterentwickeln.“ Denn: „Fast immer bekommen wir Tiere, die die anderen Heime nicht aufnehmen können oder wollen, wie zum Beispiel Wildkatzen, bissige oder schwierige Hunde, kranke, alte und behinderte Vierbeiner“, so Simone Niklas. Umso schöner sei es dann, wenn auch für diese Tiere Zweibeiner gefunden werden, die die (ehemaligen) Sorgenkinder liebevoll aufnehmen.

Simone Niklas hatte vor 16 Jahren den Gnadenhof gegründet. Vor zehn Jahren wurde der Verein Natur- und Pferdehilfe zur Selbsthilfe e. V. in Lütjenholm angeschlossen. Das kleine Jubiläum ist für den Verein Anlass, zu einem Sommerfest einzuladen. Es beginnt am Sonnabend, 31. Mai, um 14 Uhr. Der Weg ist ab Joldelund ausgeschildert. Spiele für Kinder, Musik, Tombola und Info-Stände zu Tier-Themen erwartet die Gäste. Zu „Schnabulieren“ gibt’s auch so einiges. Es werden Pflanzen, Selbstgemachtes und Flohmarkt-Artikel angeboten. Wer Kleidung, Spielzeug oder ähnliches anbieten möchte, meldet sich an unter 0151/70301660 (keine Standgebühr). Für Kinder bis 14 Jahre ist der Eintritt zum Sommerfest frei, Erwachsene zahlen drei Euro. Der Verein braucht jeden Euro, denn alle Arbeit auf dem Winderthof – bis auf die des Lehrlings – wird ehrenamtlich geleistet. Spenden, so betont Simone Niklas, die ihr Geld als Hufpflegerin verdient, werden ausschließlich für Futter- und Tierarztkosten verwendet. „Nicht für Bau- und Renovierungsarbeiten, nicht für Lohn oder Werbung – 100 Prozent fürs Tier, null Euro für die Bürokratie.“

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