Corona-Krise in Husum : Lesen gegen Corona-Blues: Imke Tannert von Liesegang gibt Tipps

Imke Tannert von LIesegang hat immer einen Buchtipp parat.
Imke Tannert von LIesegang hat immer einen Buchtipp parat.

Fachfrauen aus Husum geben Tipps für gute Bücher und erzählen, wonach ihren Kunden gerade ist.

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07. April 2020, 13:53 Uhr

Husum | Die Corona-Krise hat auch ihr Gutes. Zum Beispiel, dass Menschen – wenngleich unfreiwillig – wieder Zeit für Dinge finden, die in der Ratslosigkeit des Alltags zu kurz kommen: von der Gartenarbeit bis hin zum Lesen. Natürlich gehen solche „Freiheiten“ in vielen Fällen mit Kurzarbeit und der Frage einher, wie es danach, ja wie es überhaupt weitergehen soll. Da tut ein bisschen Ablenkung doppelt gut. Doch was lesen die Leute in Zeiten von Corona? Wir haben nachgefragt - bei Buchhandlungen, aber auch in der Stadtbibliothek.

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Astrid Seemann, Inhaberin der Schlossbuchhandlung, spricht von einem „bunten Mix“, der durchaus Bezüge zur Gegenwart sucht. Dass bedeute nicht, dass die Leute jetzt massenweise Fachbücher zum Thema Virologie oder Epidemologie bestellten. Aber sie flüchteten sich auch nicht nur in Abenteuer-Romantik und Wohlfühllektüre. Tatsächlich werde Lutz Seilers mit dem Preis der Leipziger Buchmesse prämierter Roman „Stern 111“ genauso nachgefragt wie die Biografie des kürzlich verstorbenen Schauspielers Jan Fedder. Und wer das Nützliche mit dem Unterhaltsamen verbinden möchte, der greift zu Horst Lichters „Bares-für-Rares“. Auch Wohlfühlromane stünden im Kurs, doch „die guten Romane“ hätten deshalb nicht etwa das Nachsehen.

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Wie Seemann freut sich auch ihre Kollegin von der Buchhandlung Liesegang, Imke Tannert, ganz besonders über die Solidarität der Kunden. „Viele bestellen telefonisch ganz bewusst bei uns und eben nicht im Internet“, sagt Seemann. Und auch der Boten-Service funktioniere prächtig, ergänzt Tannert.

In der Krämerstraße wie im Schlossgang gleichermaßen en Vogue stehen Kinder- und Jugend- sowie Kochbücher. Kein Wunder, sagt Tannert unter Hinweis auf die Hamsterkäufe und schmunzelt: „Hefe und Mehl müssen ja jetzt auch mal verarbeitet werden.“ Und Krimis gehen natürlich sowieso. Für Unentschlossene hat sie zwei, drei Empfehlungen parat - wie zum Beispiel Anne Barns Familienschmonzette „Kirschkuchen am Meer“ oder Stina Lunds „Die Frauen von Skagen“ - ein „wunderbar leichter Roman rund um die Geschichte der Skagenmaler“. Und auch mit einer persönlichen „Entdeckung“ will die Buchhändlerin nicht hinterm Berg halten: Wegen der Corona-Pandemie liege die Verfilmung zwar gerade auf Eis, „aber die Hörbücher von Marc-Uwe Kling und seinem kommunistischen Känguru sind einfach genial“, schwärmt sie.

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Ein Kinderbuch, das Astrid Seemann besonders gut gefallen hat, ist Stefanie Gerstenbergers „Wunderfabrik, in dem es um das Verhältnis von Enkeln und Großeltern, aber vor allem um einen Zauberlakritz geht. Und Erwachsenen legt sie Elizabeth Strouts Neuling: „Alles ist möglich“, als Herz. Das sei die amerikanische Antwort auf Dörte Hansens „Mittagsstunde“, sagt Seemann.

Und wie sieht es in der Stadtbibliothek aus? Auch hier werde die ganze Bandbreite nachgefragt, berichtet deren Leiterin Sarah Weber aus dem Home-Office. Die Regale seien an manchen Stellen leer. Gelesen werde alles, ob für die Schule, das Hobby, den Garten oder die Küche, auch Krimis und Kinderbücher. Auf der Website der Stadtbibliothek gibt eine Fülle von Lesetipps für alle Generationen, aber auch zu anderen Medien wie Hörbüchern oder Filmen. Apropos: In Zeiten, in denen das Selbstverständliche nicht selbstverständlich ist, lohne es vielleicht darüber nachzudenken, dass auch das Selbstverständliche eine Vorgeschichte hat, sagt Weber und empfiehlt vor diesem Hintergrund den Film „Sternstunde ihres Lebens“, in dessen Zentrum die Juristin Elisabeth Selbert (Iris Berben) steht. Es geht um die Geburtsstunde des Grundgesetzes und das Ringen für Artikel 3 Absatz 2, wonach „Männer und Frauen gleichberechtigt“ sind.

Übrigens: Sie selbst liest gerade „Die Herrin der Lettern“, einen Historienroman von Sophia Langner. Der spielt anno 1554 in Tübingen, wo Magdalena Morhart nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes die Leitung der einzigen Buchdruckerei Württembergs übernimmt. Obwohl sie eine fähige Druckerin und geschickte Geschäftsfrau ist, formieren sich immer neue Widerstände gegen eine Frau an der Spitze des Unternehmens. Und dann bricht auch noch die Pest aus... Ein Buch mit mehr als einer Parallele zur Gegenwart, dass „mich wohl auch deshalb so fasziniert hat“, sagt Weber.

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