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Öffentlicher Personen-Nahverkehr in Husum : „Leitplanken“ für die Buslinien

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Öffentliche Personen-Nahverkehr muss verbessert werden, rät ein Experte aus Kiel – und Husums Stadtpolitiker wollen dabei die Bürger beteiligen.

Der Vertrag über die Regelung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) läuft nächstes Jahr aus und muss neu ausgeschrieben werden – ein Thema für die Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsausschusses. Dabei suchte das Gremium auch nach Optimierungsmöglichkeiten. Worauf dabei besonders zu achten sei, erläuterte Dr. Holger Busche.

Busche ist Referent für Verkehrsfragen der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, stellte jedoch klar, dass er als privater Experte seine Sicht der Dinge darlege. Dabei verwies er auf das Erfolgsmodell in Lemgo. Hier habe man einen halbstündige Vertaktung und eine gute Anbindung zwischen Bahn und Bus erfolgreich etabliert. „Das hatte zur Folge, dass die Fahrgastzahlen stetig stiegen und die Bedienung der Linien aufgestockt werden musste“, so der Referent aus Kiel. Zugleich habe sich die Lebensqualität der Menschen damit nachhaltig verbessert.

Lemgo könne zwar nicht direkt mit Husum verglichen werden, räumte Busche ein. „Doch die Bedeutung des Husumer Bahnhofs mit seiner regionalen Anbindung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.“ Aufgrund dieser Bedeutung sei ein optimierter ÖPNV unabdingbar. Seiner Meinung nach gebe es hierfür einfache und klare Prinzipien: „Starke Linien mit flexiblen Verbindungen vor Ort muss die Devise lauten“, so der Experte. Lieber weniger Linien, dafür aber ein starkes und einfaches System, so sein Rat an das Gremium. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass längere Strecken von weniger Menschen angenommen würden als kürzere Strecken. „Und wir brauchen ein klares und verständliches Marketing.“ Die Fahrgäste müssten wissen, woran sie sind. Das sei seiner Meinung nach derzeit nicht ausreichend gegeben.

Mit dieser Einschätzung warf Busche allerdings neue Fragen auf. „Wie sollen wir denn die Inhalte festlegen, die als Grundlage einer Ausschreibung dienen sollen“, wollte Horst Bauer (SPD) genau wissen. Norbert Rohde wies in die gleiche Richtung: „Wollen wir, dass alles weiter vor sich hindümpelt oder wollen wir die Ausschreibung gleich mit einer Optimierung verbinden?“ Dabei müsse dann allerdings der gesamte Regionalverkehr berücksichtigt werden. Auch der vorgeschlagene schlanke Busverkehr wurde kritisch bewertet. Das könne für die Fahrgäste längere Wege zu den Haltestellen bedeuten, lautete der Einwand.

Bauer brachte eine Bürgerbeteiligung ins Gespräch. „Die Einwohner sollten von Anfang an in die Überlegungen eingebunden werden“, lautete sein Vorschlag. So könnten deren Ideen und Vorschläge in die politischen Entscheidungen mit einfließen.

Michael Kierek von der Autokraft-Niederlassung Flensburg gab jedoch zu bedenken, dass hier gewisse „Leitplanken“ vorgegeben werden müssten. Bereits vor zwei Jahren hätte dafür ein Workshop eingerichtet werden sollen. Doch damals habe das Mobilitätskonzept Priorität gehabt, so der Ausschussvorsitzende Ralf Fandrey (CDU). Dieses Konzept habe jedoch nur die Innenstadt abgedeckt. „Wir suchen in diesem Fall aber eine Lösung für ganz Husum und für die Region“, stellte der Vorsitzende klar. Unterstützung für Bauers Idee kam auch von Bürgermeister Uwe Schmitz. Eine Bürgerbeteiligung sei sehr wichtig: „Denn dabei kommen sicherlich verwertbare Aspekte auf den Tisch.“

Am Ende stellte Referent Busche noch einmal die Frage nach der Optimierung. „Wir müssen klären, was wir damit meinen. Wollen wir ein für den Fahrgast zugeschnittenes Netz, wollen wir mehr Fahrgäste oder wollen wir mehr Geld verdienen?“ Die Zeit drängt, stellte Fandrey fest. „Daher wird dieses Thema auch in den kommenden Sitzungen auf der Tagesordnung stehen.“

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